# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 05 04_S95 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. St. Louis, Mo., den 4. Mai 1847. No. 18. Jahrgang 3. — Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezaͤhlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingeſandt von Paſtor Keyl.) Die tägliche Katechismusübung nach Dr. Luther's Rath und Vorbild. — Wenn Dr. Luther, ſagt Matheſius, in ſeinem Lauf ſonſt nichts Gutes geſtiftet und angerich— tet hätte, denn daß er beide Katechismus in Häuſer, Schulen und auf den Predigtſtuhl, und das Gebet vor und nach dem Eſſen und wenn man ſchlafen geht und aufſtehet, wieder in die Häuſer gebracht, ſo könnte ihm die ganze Welt das nimmermehr genugſam verdanken oder be⸗ zahlen. Aber o wie wenige Lutheraner erken— nen, welche köſtliche Gabe Gottes Dr. Luthers beide Katechismen ſind, welch' einen großen Schatz ſie namentlich an dem kleinen Katechis— mus haben! Welche andere Kirche kann ſich eines ſolchen rühmen? Wer unter den Unſrigen hat je ein ſolches oder gar ein beſſeres Meiſter— werk geliefert? Mit vollem Rechte nennen wir, nach Dr. Luthers Vorgang, den Katechismus einen Auszug aus der ganzen h. Schrift, die rechte Laienbibel, weil darin die rechte, alte, wahre, reine, göttliche Lehre der heil. chriſtli⸗ chen Kirche zuſammengefaßt iſt. Das erſte Hauptſtück, das Geſetz, lehrt dem Menſchen ſeine Krankheit, nämlich ſeine Sünde erken— nen; das zweite Hauptſtück, der chriſtliche Glaube, lehrt ihn die Arznei oder die Gnade finden; das dritte Hauptſtück, das h. Vater⸗ unſer, zeigt ihm, wie er dieſe Arznei durch demüthiges Gebet ſuchen ſolle. Dieſe erſten drei Hauptſtücke des Katechismus ſind vorzugs⸗ weiſe in der Chriſtenheit von Alters her getrie— ben und ſelbſt in den gräulichen Zeiten des Pabſtthums erhalten worden, ja ſie ſinds, wel⸗ che auch da noch die Kirche erhalten haben; ſie würden aber jetzt eben ſo wenig als damals recht verſtanden werden, wenn uns nicht Dr. Luther das Verſtändniß derſelben durch ſeine unüber— treffliche Auslegung geöffnet hätte; dieſe Aus— legung iſt bekanntlich in der Antwort auf die Frage: Was iſt das? enthalten und iſt größ⸗— tentheils nicht nur mit lauter bibliſchen Worten, ſondern auch im rechten bibliſchen Sinne, oder in voller Uebereinſtimmung mit dem Vorbilde der ganzen heilſamen Lehre der h. Schrift abgefaßt; ſie iſt kurz und doch gründlich, einfach und doch kräftig, leicht faßlich und doch unerſchöpflich. Daſſelbe gilt von der Bear— beitung der drei folgenden Hauptſtücke, von der h. Taufe, von der Beichte und von dem h. Abendmahle; wie weislich ſind darin die bibli— ſchen Beweisſprüche ausgewählt, wie meiſter— haft ſind daraus die Hauptlehren hergeleitet und in Frage und Antwort zuſammengefaßt. Auch die übrigen Stücke, welche man gewöhn⸗ lich, aber mit Unrecht, für einen bloßen Anhang des Katechismus hält, ſind von großer Wich— tigkeit; denn die Anweiſungen Dr. Luthers zu den täglichen Gebeten werden bei denen, die ſie treulich gebrauchen, den Preis vor vielen ähn— lichen Anweiſungen behalten; die Haustafel lehrt mit den treffendſten Sprüchen der Bibel jedem der Drei heil. Stände, aus welcher die Chriſtenheit beſteht, die rechten guten Werke kennen und zeigt jedem Chriſten, wie er in ſei— nem Stand und Beruf wandeln und Gott ge— fallen ſolle; die Fragſtücke endlich geben über Alles, worauf es bei dem heilſamen Gebrauch des h. Abendmahls ankommt, genügende Aus— kunft und ſie ſind daher das älteſte, kürzeſte und doch lehr- und troſtreichſte Communionbüchlein der luth. Kirche. Allein nicht nur die Abfaſſuug des klei— nen Katechismus, ſondern auch deſſen Einfüh— rung in Kirchen, Schulen und Häuſern haben wir Dr. Luther zu verdanken; in die Kirchen hat er ihn eingeführt, denn auf ſeinen Rath wurde der kleine Katechismus oder wenigſtens die drei erſten Hauptſtücke nach jeder Predigt vorgeleſen, um ihn ſo den Zuhörern immer be— kannter zu machen; es wurden Sonntags oder in der Woche Predigten über den Katechismus mit Einſchluß der Haustafel und zwar ſo ge— halten, daß binnen einem Jahre derſelbe ganz erklärt wurde; mit dieſen ſo nöthigen und heil— ſamen Katechismuspredigten wurden ſehr zweck⸗ mäßig die Katechismusexamina mit der Jugend verbunden, ſo, daß der Inhalt der Predigt in dem gleich darauf folgenden Examen wieder— holt wurde. In die Schulen führte Dr. Luther den kleinen Katechismus ein und gab zu deſſen zweckmäßigem Gebrauche bewährte Anweiſungen; ſo ſollte z. B. der Lehrer immer nur bei einer und derſelben Form des Kate⸗ chismus bleiben und Anfangs den Kindern allein den Text, dann die Auslegung und end-— lich das nähere und weitere Verſtändniß deſſel— ben aus dem großen Katechismus beibringen; auf dieſe Weiſe ſollte der ganze Katechismus jährlich zweimal und alſo nicht weitläufig, ſon⸗ dern kurz und bündig gelehrt werden. In die Häuſer brachte ihn Dr. Luther, indem er die Hausväter ermahnte, von ihren Kindern oder Dienſtleuten die Hauptſtücke täg⸗ lich oder doch wenigſtens wöchentlich einmal abzufragen und dabei zu erforſchen, ob ſie die— ſelben auch verſtänden; oder ſie ſollten, wie Dr. Bugenhagen räth, an jedem Tage der Woche ein Hauptſtück vor ſich nehmen, und zwar am Sonntage mit dem erſten anfangen und am Sonnabend mit der Haustafel ſchließen. Ja allen Chriſten macht es Dr. Luther als geiſtlichen Prieſtern zur Pflicht, daß ſie andere, welche noch unverſtändlich und ſchwach wären, aus dem Katechismus unterrichten und ver⸗ nehmen ſollten, die aber, welche es hörten, wä— ren ſchuldig, ſolches auch als Gottes Wort an— zunehmen. Inſonderheit gibt Dr. Luther allen Chriſten den Rath, täglhich ſich wenigſtens in den drei erſten Hauptſtücken des Kate⸗ chismus zu üben, weil dieſe, wie er ſagt, die höchſten Predigten ſind, die jeder Chriſt immer aufs Neue lernen muß. Es iſt merkwürdig, daß kein andrer Lehrer dieſe ſo leichte und doch ſo heilſame Uebung angerathen hat; wie ernſtlich dies Dr. Luther gethan, erhellet zur Genüge aus den Vorreden zu ſeinen beiden Katechis- men, welche leider nur von den Wenigſten ge— leſen und geſchätzt werden. Der Inhalt der Vorrede zu dem großen Katechismus nämlich wird ſchon in der Ueberſchrift treffend mit den Worten bezeichnet: Eine treue chriſtliche Ver— mahnung Dr. Martin Luthers an alle Chriſten, ſonderlich aber an alle Pfarrherren und Predi-— ger, daß ſie ſich „täglich im Katechismus, ſo der ganzen heiligen Schrift eine kurze Summe und Auszug iſt, wohl üben und den immer trei⸗ ben ſollen.“ Ich will aus dieſer Vorrede, die lauter Spieße und Nägel für träge Herzen ſind, hier nur folgende Stelle mittheilen, worin die Nothwendigkeit der täglichen Katechismus⸗ übung aus Gottes Gebot und unſerer täglichen Noth bewieſen und hingegen die Verachtung dieſer ULebung und der Ueberdruß daran mit ge⸗ waltigen Worten geſtraft wird. „Und ob ſolches, (nämlich, daß wir Gottes Wort zur täglichen Nahrung für unſere Seele, ſo wie zur täglichen Waffe gegen unſere Feinde bedürfen) nicht genug wäre zur Vermahnung, den Katechismus täglich zu leſen, ſo ſollte doch uns allein genugſam zwingen Gottes Gebot, welches 5 Moſ. 6.ernſtlich gebeut, daß man ſoll ſein Gebot, ſitzend, gehend, ſtehend, liegend, auf—