# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1858_S151 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 151 Wahrheit ungleich gemäßer, als der große Rhetor von Constantinopel und Verfasser des περὶ ἱερωσύνης. Heinrich Müllers deutscher Styl ist classisch und wird ein Muster bleiben, so lange es eine deutsche Sprach geben wird. Das Einzige, was man etwa nicht ganz mit Unrecht an der Predigtweise Müllers aussetzen könnte, ist eine so oft vorkommende allegorische Deutung oder Anwendung einzelner Textesworte neben der Entwickelung des eigentlichen Sinnes. Diese Ausstellung ist jedoch nicht sowohl an der epistolischen, als der evangelischen Postille zu machen, daher die erstere vor letzterer nach unserm geringen Urtheil den Vorzug verdient, sowie wir wiederum die „evangelische Schlußkette“ dem „evangelischen Herzensspiegel,“ einer andern Müller'schen Postille über die Evangelien, welche im „Rauhen Hause“ vortrefflich ausgestattet wieder aufgelegt worden ist, vorziehen. Hat ein Pfarrer nun außer den genannten Postillen noch 2. die von der monatlichen Prediger⸗Conferenz zu Fort Wayne, Ind., herausgegebene „Echt evangelische Auslegung der Sonn⸗ und Festtags⸗Evangelien des Kirchenjahres, übersetzt und ausgezogen aus der Evangelienharmonie der lutherischen Theologen M. Chemnitz, Polyk. Leyser und Johann Gerhard“ (I. Band. Auslegung der evangelischen Perikopen des 1. Adventssonntags bis zum 4. Sonntag nach Epiph.*), St. Louis, Mo., bei Wiebusch und Sohn. 1858. 8vo.), so hat er nach unserem unmaßgeblichen Dafürhalten alles, was in das Fach der unmittelbaren Hülfsmittel zur Verabfassung der Predigt erster Klasse gehört. Leider! ist die Nachfrage nach dem letztgenannten Werke bisher so schwach gewesen, daß nicht nur der Preis des 1. Bandes ($1.50) nicht niedriger hat gestellt werden können, sondern daß dadurch auch der Fortsetzung des Werkes für jetzt kaum zu übersteigende Hindernisse entgegengestellt sind. Möchte doch das amerikanische lutherische Ministerium noch allgemeiner aus jener Lethargie erwachen und sich erheben, in welcher es bisher nur zu häufig von einem Prediger nichts gefordert hat, als daß er eine Art Erweckung erfuhr, die ihm die Zunge löste, über die Gefühlsaufregung geläufig zu reden, um welcher willen er ein anderer Mensch oder wiedergeboren zu sein meint. Wird es doch in unsern Tagen fast allen hiesigen schwärmerischen Secten immer klarer, daß sie ohne ein theologisch gebildetes Ministerium sich nicht mehr auf die Länge halten könnten und machen daher auch sie bereits anerkennenswerthe Anstrengungen, das Versäumte nachzuholen: wie vielmehr will es nun den Dienern der lutherischen Kirche geziemen, nicht auf unmittelbare Eingebungen zu rechter erbaulicher und gründender Predigt zu warten, sondern alle Mittel anzuwenden, welche hierzu unter Gottes gnädigem Segen tüchtig machen können! C. Zu den unentbehrlichen homiletischen Hülfsmitteln gehören ohne Zweifel die Real⸗ und Verbal⸗Concordanzen. So *) S. „Lehre und Wehre,“ 1. Jahrg. S. 208—211 und 4. Jahrg. S. 94. 95.