# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1858_S149 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 149 will, dieselbe cum grano salis lesen, indem auch dieses Werk die Gebrechen an sich trägt, an denen alle Schriften aus der hallisch⸗pietistischen Schule leiden; nichts destoweniger wird das Werk namentlich denjenigen, welche in Betreff der Invention und Fassung des auf Grund des Textes zu behandelnden Gegenstandes, sowie einer durchsichtigen sachgemäßen Anordnung des Stoffes sich oft rathlos fühlen, vortreffliche Dienste leisten und sie vor vielen Abwegen, auf welche ein junger Prediger so leicht gerathen kann, bewahren. Selbst da, wo der wohl gegründete junge lutherische Prediger mit Rambach nicht vollkommen übereinstimmen kann, wird ihm die Erwägung der von demselben zur Sprache gebrachten wichtigen homiletischen Fragen von wesentlicher Förderung sein und ihm vieles zum klaren Bewußtsein bringen, worüber er sonst in Schwanken und Unsicherheit geblieben wäre. Selbst ein Dr. Gustav Baur, Professor der Theologie zu Gießen, kann nicht umhin, in seinen „Grundzügen der Homiletik“ (Gießen, 1848) die Arbeit Rambach's als ein Werk von Bedeutung anzuerkennen. Er schreibt: „Wir dürfen hinzufügen, daß die fragliche Schrift (Rambach's Homiletik) nicht blos jetzt noch in vieler Beziehung lesenswürdig, sondern überhaupt eine der gediegensten und lehrreichsten homiletischen Anweisungen ist, die je geschrieben worden sind.“ (S. 57.) Zwar wird in neuerer Zeit die „Evangelische Homiletik von Chr. Palmer, Archidiakon in Tübingen,“ 3. Auflage 1850 (1. Auflage 1842) häufig als diejenige gepriesen, welche alle homiletischen Arbeiten vor ihr weit hinter sich lasse, ja zuerst eine wahre Homiletik dargestellt habe; allein so interessant auch namentlich die darin befindliche reiche Beispielsammlung, so langweilig ist ihre Breite und so unlauter ihr Geist. Letzteres zu belegen, so heißt es u. a. Seite 51: „Diese Zeit des Rationalismus verlangte für das Christenthum nicht minder den Ausweis seiner Naturgemäßheit, seiner Einstimmung mit der sittlichen Menschennatur; und so viel Mißverstand in der Trennung des Natürlichen und Positiven, des Dogmatischen und Moralischen lag: die Aufgabe hatte doch der Rationalismus, das Band, wodurch Evangelium und gesunder Menschenverstand, das allgemein sittlich⸗religiöse Wesen des Menschen mit einander im Zusammenhang steht, wieder mit Ernst aufzusuchen. Das ist auch der bleibende Gewinn seines Erscheinens, daß, wie auf dem Katheder, so auf der Kanzel nie mehr eine Erstarrung in äußerer todter Formel möglich ist, sondern das natürliche gesunde Bewußtsein immer eine Vermittlung verlangt, die aber allerdings, nachdem der Rationalismus seine Sendung erfüllt und sich überlebt hat, in ganz anderer Weise vollzogen wird, als die ihm die rechte schien.“ Wir meinen eine solche Beurtheilung der Erscheinung des Rationalismus nur allein genügt, die Voraussetzung, daß jene Homiletik den rechten Unterricht im Predigen geben werde, gründlich zu benehmen. Wir bemerken nur noch so viel, die Palmer'sche Homiletik, während sie hie und da gegen Rationalismus, Schleiermacherianismus ꝛc. polemisirt, ist nichts desto weniger selbst davon von Anfang bis zu Ende durchdrungen; sie ist nicht eine Anweisung, wie die Predigt sein