# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 04 20_S94 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) leben, wie St. Paulus lehrt (Röm. 6, 2 ff.), hie auf Erden anfahen, zunehmen und dort vollbringen. Denn Chriſtus hat uns nicht al— lein Gratiam, die Gnade, ſondern auch Donum, die Gnade des heil. Geiſtes, verdient, daß wir nicht allein Vergebung der Sünden, ſondern auch Aufhören von den Sünden hätten (1 Joh. 1, 6. 7.). Wer nun nicht aufhöret von Sün⸗ den, ſondern bleibt im ewigen böſen Weſen, der muß einen andern Chriſtum von den Anti⸗ nomern haben. Der rechte Chriſtus iſt nicht da, und wenn alle Engel ſchreien eitel Chriſtus, Chriſtus! und muß mit ſeinem neuen Chriſto verdammt werden. (L. W. XVI, 2741. 42.) Die Chriſten und ihre Verfolger. In dem Lande Bithynien war eine Chriſten⸗ gemeine, ſo von den Heiden hart verfolget wurde, alſo, daß ſie nur bei Nacht in Wäldern und Klüften ſich verſammeln konnten, den HErrn zu preiſen. Es war aber allda ein Mann, Namens Milas, der ging umher und ſpähete, wo Chriſten waren, und zeigte ſie an bei dem Landpfleger aus Bosheit und um ſchnö⸗ den Gewinnſt. Und wann die Chriſten gepei⸗ nigt wurden, höhnete er ihnen. Aber nach eini⸗ ger Zeit, da er Hader bekommen hatte mit ſei— nen Geſellen um den Lohn, brachen dieſe in ſein Haus und zerſchlugen ihn mit vielen Wun⸗ den, und ließen ihn für todt in ſeinem Blute; aber alle ſeine Habe nahmen ſie mit ſich. Alſo war er ſo arm, als er nimmer geweſen, noch je gedacht hatte, und ſein Weib und Kinder ſeufzten in Hunger und Kummer, alſo, daß ſie mit dem Vater zu ſterben gedachten. Denn Niemand erbarmte ſich ihrer. Als nun ſolches der Chriſtengemeinde bekannt wurde, ſammelten ſie eine Beiſteuer, und ein jeglicher gab reichlich von ſeiner Armuth, nach dem er hatte. Und ſie ſandten am Abend Einen aus ihrer Mitte, daß er ihnen brächte. Da er nun in ihr Haus trat, jammerte die Mutter und die Kinder ſchrieen und wehklagten vor Hun⸗ ger und Elend. Als ſie aber den Fremdling ſahen, erſchracken ſie und verſtummten. Da that der Fremdling ſeinen Mund auf und ſprach mit ſanfter Stimme: „Fürchtet euch nicht; ich bringe euch einigen Troſt und Erquickung, eure Noth zu mildern. Darauf reichte er dar einen Vorrath von Lebensmitteln und die Beiſteuer, hinreichend für viele Tage. Als nun das heid— niſche Weib den Fremdling anſah, da rief ſie laͤut auf mit Schrecken: „O ihr Götter! Du biſt Einer von denen, die wir verfolgten!“ Denn das Weib hatte auch heimlich verkund— ſchaftet, und dem Mann bedeutet, wo Chriſten wären. „Uns, deinen Feinden, ſagte ſie, erwei⸗ ſeſt du ſolches Erbarmen!“ Ihr Mann aber ſtöhnte, denn er war voller Schmerzen. Da ſprach der Abgeſandte: „Danket mir nicht. Ich komme in den Namen des HErrn, den ihr verfolget und der uns gelehret hat, unſere Feinde zu lieben, und denen wohlzuthun, die uns haſſen und verfolgen.“ Darauf ſagte er: „Jetzt pfleget des Kranken, und wollet ihr dankbar ſein, ſo verſchweiget, was euch hier widerfahren iſt, damit euch ferner geholfen 94 werde.“ Da er ſolches geſagt, grüßte er ſie Alle freundlich und ging von dannen. Als er hin— weg war, ward eine Stille in der Kammer; das Weib aber weinte mit vielen Thränen, und ſagte mehrmals: „Iſt das der HErr, den wir verfolget haben?“ Und ſie pflegte ihres Mannes und ſeiner Wunden mit Binden und Salben, die auch zu der Beiſteuer gelegt waren, und ſagte einmal über das andere: „Iſt das der HErr, den wir verfolget haben?“ Nach etlichen Tagen ſtarb Milas und ward begra— ben. Da kam am Abend der Fremdling in das Haus und brachte der Wittwe die Steuer der Gemeinde. Da fiel ſie auf ihr Angeſicht und weinte bitterlich und ſprach. „O HErr, was ſoll ich thun? und wie ſoll ich danken? und wie ſoll ich meine Sünde bedecken?“ — Da hob er ſie auf und ſprach: „Glaube an den HErrn IEſus, ſo wirſt du und dein Haus ſelig.“ Und ſie ward gläubig mit ihrem ganzen Hauſe; und nachdem ſie mit dem Schwert enthauptet worden, hat ſie die Krone des Lebens empfangen, die der HErr geben wird Allen, die ihn lieb haben. (Eingeſandt von Paſtor Löber.) Aus dem Leben des ehrwürdigen Johann Brentius. An dieſen ehrwürdigen Prediger zu Schwä— biſch⸗Hall ſind die Leſer des Lutheraners ſchon mehrmals, als an einen treuen Zeugen der Wahrheit und einen bewährten Freund Luthers erinnert worden. Wie ausgezeichnet aber auch der Ruf dieſes Mannes Gottes, wie groß der Segen war, den ſeine Arbeiten und Schriften verbreiteten, ſo mußte doch auch er die Erfah— rung anderer treuen Diener Chriſti machen, daß das Wort ſeiner Predigt zu manchen Zei⸗ ten nur von wenigen ſeiner Zuhörer recht er— kannt und gebührend hoch geſchätzt wurde. Wie er ſich nun dabei nicht hat müde und wankend machen laſſen, dies kann nachfolgende Anecdote aus ſeinem Leben lehren, die für rechtſchaffene Prediger auch in unſern Tagen ein Troſt und eine Ermunterung ſein kann: Als er nämlich noch in Stuttgart Prediger war, reiſte einſt ein angeſehener Theolog, Na— mens Pfauſer, der unſern Brentius ſehr hoch ſchätzte, mit dem Verlangen zu ihm, ihn von Perſon kennen zu lernen. In Stuttgart ange⸗ langt, freute er ſich nicht wenig, als er von dem Wirth, in deſſen Gaſthof er einkehrte, er— fuhr, daß Brentius nicht nur zu Hauſe ſei, ſondern auch am folgenden Tage früh in der nächſten Kirche predigen würde. Pfauſer ver⸗ muthete, daß die Kirche von vielen Zuhörern gedrängt voll ſein würde, und begab ſich darum ſchon früh in die Kirche, um einen guten Platz zu bekommen. Nach dem dritten Geläute be— ginnt endlich der Geſang; da ſich aber nur ein⸗ zelne wenige Leute einfanden, ſo glaubte er, der Wirth habe ihn unrecht berichtet. Indeſſen betritt ein ehrwürdiger Mann die Kanzel und hält eine überaus erbauliche und nachdrückliche Predigt. Nach der Predigt geht Pfauſer zu ihm auf das Chor, und erfährt, daß er wirklich den Mann gehört habe, der ihn nach Stuttgart gezogen hatte. Brentius nimmt ihn mit ſich nach Hauſe und auf dem Wege bezeugte ihm Pfauſer ſein großes Erſtaunen, daß ein Mann, wie er wäre, ſo wenig Zuhörer hätte. Ich würde, ſetzte er hinzu, um eines ſo kleinen Haufens willen gar nicht einmal auftreten. Brentius beklagte mit ihm die Verachtung des göttlichen Wortes; da ſie aber bei einem Brun⸗ nen vorbeigingen, ſo fragte er Pfauſern: Wel⸗ ches wohl die größte Tugend dieſes Brunnens wäre? Pfauſer entſchuldigte ſich, daß er als ein Fremder dies nicht beantworten könne. Brentius aber erwiederte: „Dieſer Brunnen empfiehlt ſich dadurch, daß er Waſſer gibt, es mögen viele oder wenige ſchöpfen. So muß auch ein Diener des göttlichen Worts beſchaf— fen ſein; er muß Waſſer des Lebens geben, es mögen einige oder viele zu ihm kommen. Der Soldat Marinus. Im Anfange der Regierung des römiſchen Kaiſers Gallienus (um 260 nach Chriſto) ſtarb in Cäſarea, in Paläſtina, Marinus, ein Chriſt, der eine Militärwürde begleitete und überdies noch von einer vornehmen und wohl⸗ habenden Familie abſtammte, den Märtyrertod. Es war nämlich im Heere eine Hauptmanns⸗ ſtelle erledigt worden, und der Reihe nach ſollte Marinus zu dieſer Würde gelangen. Aber gerade als ihm der Hauptmannsſtab überreicht werden ſollte, trat ein anderer Soldat hervor und ſagte: „Marinus iſt ein Chriſt und wei⸗ gert ſich den Kaiſern zu opfern und kann daher nach den Geſetzen dieſe Würde nicht erlangen; ich habe deshalb nach ihm die nächſten Anſprüche darauf.“ Der Richter, Achäus mit Namen, fragte hier— auf den Marinus, welcher Religion er zuge⸗ than ſei? Und da Marinus ſich ſtandhaft für einen Chriſten bekannte, ſo wurden ihm drei Stunden Bedenkzeit gegeben, binnen welchen er ſich entſchließen mußte, ob er Chriſtum oder die Hauptmannswürde laſſen wollte. Da er aus der Wohnung des Richters her— austrat, kam der Biſchof jener Stadt, Theo⸗— teknus, zu ihm und unterredete ſich lange mit ihm, ergriff dann ſeine Hand und führte ihn zur Kirche. Hier trat er mit ihm vor den Altar hin, und zeigte auf das Schwert hin, mit wel— chem Marinus umgürtet war, und auf der an⸗ dern Seite auf ein Evangelienbuch, das er ihm vorhielt, und forderte ihn auf, zwiſchen beiden zu wählen. Da ſtreckte Marinus ohne Zau⸗ dern ſeine Rechte aus und ergriff das Evan⸗ gelienbuch. Und der Biſchof ſprach zu ihm: „Nun, ſo hange feſt an Gott! Mögeſt du, durch ſeine Kraft geſtärkt, erlangen, was du erwählet haſt! Gehe hin mit Frieden!“ Als er von der Kirche zurückging, begann ſchon der Herold, ihn zu rufen, denn die beſtimmte Zeit war abgelaufen. Da er aber nun noch mit höherer Freudigkeit des Glaubens ſich zu Chriſto bekannte, ward er ſogleich, wie er war, zum Richtplatz abgeführt und enthauptet. Erhalten für das Seminar in Altenburg, Perry Co., Mo., von der durch Paſt. Fürbringer bedienten luth. Gemeinde in Washington Co., Ill. 86,10. Bezahlt. 2. Hälfte des 3. Jahrg. die Herren P. Euler, J. G. Molan, Ch. Morgenthaler. 1. Hälfte des 4. Jahrg. die Herren P. Euler, und Ch. Mor⸗ genthaler. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.