# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1858_S136 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 136 Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden. gründet war, noch eine andere Gemeinde zu errichten, nicht bloß auf heidnische Missionsgemeinden beschränkt, erhellt schon daraus, daß bei Heiden von einem „fremden Grunde“, einem, von einem andern gelegten, christlichen „Grunde“ überhaupt gar nicht die Rede sein kann. Ferner giebt der Apostel Paulus seinem Titus die Generalanweisung: nicht menschen⸗, sondern ortsweis das heilige Predigtamt aufzurichten; wie denn überhaupt nie in der heiligen Schrift eine Gemeinde nach ihrem Prediger, der in ihr dient, sondern immer nach dem Ort benannt wird, wo sie sich gesammelt hat. Tit. 1, 5.: „derhalben ließ ich dich zu Kreta, daß du solltest vollends anrichten, da ich es gelassen habe, und besetzen die Städte hin und her (κατά πόλιν., per civitates, oppidatim, Stadtweise) mit Aeltesten, wie ich dir befohlen habe.“ Die Richtigkeit dieses Grundsatzes erhellt auch aus dem göttlichen Verbot der Anhänglichkeit an Menschen in Sachen des Glaubens. Denn richtet sich nicht jeder bei der Wahl des Haushalters über Gottes Geheimnisse darnach, wen Gott ihm gesetzt habe, sondern wählt jeder nach eigenem Gutdünken den, der seinem Geschmacke gerade zusagt, so ist das Ansehen der Person, anstatt des göttlichen Amtes, und die Gaben des Predigers, anstatt des Wortes, das er predigt, in der Kirche zur Geltung gekommen. Der Glaube an den göttlichen Beruf des Predigers, gerade mir zu predigen, und an die göttliche Sendung desselben gerade an mich, ist zerstört und aufgehoben, das ganze Verhältniß des Predigers zu seinen geistlichen Kindern zu einem glaubenslosen, menschlichen Contraktsverhältniß herabgesunken, und der Gehorsam gegen den Diener Gottes, als gegen Gott in elende Menschelei verwandelt.—Ja die nöthige Vorsicht und Vorkehrung gegen das Agitiren und Factioniren dünkelhafter, lehrsüchtiger, fanatischer Menschen führt uns schon mit Nothwendigkeit auf diese heilsame Ordnung hin. Denn wenn schon an einem Orte wie Korinth, wo nur eine Gemeinde war, ärgerliche Partheiungen und Spaltungen vorkommen konnten, wie viel näher liegt dann nicht diese Gefahr, wenn die Glieder verschiedener Gemeinden an einem Orte durcheinander wohnen! Und wenn ferner jedem andern Prediger wieder das Recht zusteht, an demselben Orte wieder andere Menschen zu sammeln, an seine Person zu hängen und neue Gemeinden zu bilden! Wie soll doch Ordnung gehandhabt, wie überhaupt nur endlich eine Schranke gefunden werden, wenn es nicht fest steht: hierher hat Gott schon einen Knecht gesetzt und darum darf an diesen Ort kein anderer kommen, keine neue Gemeinde gebildet werden, vielmehr, wenn es die Noth erheischt, muß die schon bestehende Gemeinde, als Muttergemeinde, örtlich geschiedene Tochtergemeinden von sich abgrenzen und aufrichten, damit so auf Gott wohlgefällige Weise die Einheit erhalten und Ordnung und Friede bewahrt werde. E. Brauer.