# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1858_S133 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden. 133 der nur noch etwas Ehrgefühl hat, sollte sich so tief herabwürdigen, Knecht einer heidnischen Gemeinde zu werden. Die lutherischen Pastoren ihrerseits sollten das, leider auch noch in einem großen Theile der Kirche gebräuchliche Probepredigen und eigenwillige Wechseln der Stellen als Sünde erkennen und aufgeben. Denn auch diese Unsitte beruhet auf der Ansicht, daß die Verbindung des Predigers mit seiner Gemeinde ein rein menschliches Verhältniß sei, das man nach seinem eigenen Belieben knüpfen und lösen könne, etwa wie ein Knecht seinen Herrn verläßt, wenn er Aussicht hat, bei einem neuen höhern Lohn zu erhalten. Denn warum predigen Pfarrer, die „der heilige Geist“ schon in eine Gemeinde gesetzt hat, damit sie eben diese Gemeinden, die ihnen „Gott befohlen,“ weiden sollen, zur Probe? Meinen sie vielleicht, ihre Gaben seien eines größern Wirkungskreises und ihre eigene Würdigkeit eines höhern Salars werth, und weil ihnen nun die Zeit lange währt, und sie befürchten, der heil. Geist möchte ihrer, zum großen Schaden der Kirche, vergessen und der liebe Gott auf zu viel Schwierigkeiten stoßen, ehe er die Seelen in einer andern Gemeinde dahin lenkte, einen ordentlichen Beruf an sie ergehen zu lassen; so sei es von ihrer Seite nöthig, dem lieben Gott in Seiner Regierung der Kirche durch eine Probepredigt nachzuhelfen und sich dem heil. Geist auf diese Weise wieder in Erinnerung zu bringen? Wer hat ihnen erlaubt, eine Gemeinde zu verlassen, die ihnen Gott „befohlen“, wenn sie nicht unzweideutig nachweisen können, daß es wiederum Gott war, der sie hinweggerufen? Es gilt auch nicht, daß Jemand sagen wollte: er halte es für das Beste seiner eigenen Gemeinde, wenn er dieselbe verlasse, sie werde eher zur Ruhe kommen und unter der Leitung eines andern Hirten besser gedeihen, er predige zur Probe in einer andern Gemeinde nicht aus selbstischen unreinen Absichten, er meine vielmehr, daß ein Wechsel der Prediger seiner Gemeinde zum besten Segen gedeihen werde. Aber in kirchlichen, göttlichen Dingen gilt kein „meinen“, „menschliches für gut halten“, menschliche Klugheit, da soll man unumstößlich gewiß überzeugt sein, daß Gott etwas gefalle, ehe man es thut, denn Alles, „was nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde.“ Auch die Synoden können viel thun, um die Spaltungen und Trennungen in den Gemeinden zu hindern, und zwar dadurch, daß sie diese Sünde nur vor Allem nicht fördern durch Aufnahme der Getrennten in ihre Gemeinden, oder Zusendung eigener Prediger. Freilich ist der ganze Zustand der lutherischen Kirche hiesigen Landes durch das Durcheinandergreifen und Wirken der verschiedenen lutherischen Synoden, die sich theils gar in Opposition entgegenstehen und wider einander arbeiten, überhaupt noch ein sehr trauriger und beklagenswerther. Gott ist ein Gott der Ordnung und will Ordnung, aber dieser Zustand ist eine schmähliche Unordnung. Eigentlich sollte es nur eine lutherische Kirche und gewissermaßen eine allgemeine lutherische Synode Nordamerika's geben, die zusammengesetzt wäre aus den einzelnen, streng territorial abgegrenzten, Synoden der einzelnen Staaten.