# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1858_S119 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Bayern. 119 Doch ich bitte noch Weiteres und Höheres. Ich weiß zwar wohl, daß in den vergangenen, schweren Tagen viel treue Diener und Glieder der Kirche für uns gebetet haben. Sie haben gebetet, daß Gott uns ihnen erhalte. Aber, wenn es Gott dem Herrn gefiele, so könnte er statt unser leicht geschicktere und treuere Diener erwecken. Darum bitte ich: Tragen Sie uns auch in dem Gebete, daß Gott uns, auch wenn der treueste und redlichste Eifer zu Grunde läge, vor Fehl und Mißgriff bewahre. Zwar bin ich mir dessen nicht bewußt; aber ich bin in dem nicht gerechtfertigt. Ja ich könnte sagen, daß wir zu offen und umfassend Alles auf Einmal erklärt haben, was wir wollen, und daß dies Etlichen zu viel war, um es zu tragen, Vielen mißverständlich oder auch widerwärtig. Aber wahrlich das, was wir wollen, ist klar und unzweideutig. Wir wollen nicht den Pharisäern gleich die Gewissen mit unerträglichen Lasten beschweren, sondern die Mittel wahren, durch welche die Gewissen ihrer Last frei und ledig werden. Wir gedenken nicht die Kirche mit äußerlichen Formen zu restauriren, sondern wir gedachten nur der „Rechte und Sitten unserer Väter,“ welche der Gemeinde wiederzugeben unsere Pflicht ist. Eben weil an vielen Orten wieder evangelischer Glaube und evangelische Erkenntniß erwacht ist, wollten wir diesem Leben auch die Stätte bereiten, da es sich heimisch fühle, die Ordnung sichern, in welcher der neue Geist sich also ergießen könne, daß der Willkühr und auch dem bestgemeinten Belieben fortan gesteuert werde. Wir haben das treu dem Bekenntnisse unserer Kirche gethan, und Gott der Herr bewahre uns Alle vor Abfall von diesem Bekenntniß. Denn wie unsere Väter bereit waren, für dieses Bekenntniß Gut und Blut zum Opfer zu bringen, so hoffe ich zu Gott, daß auch unter uns noch Söhne und Enkel dieser Väter bereit seien, welche Gut und Blut nicht scheuen, wenn es der Erhaltung des Erbes dieser Väter gilt. In dieser Hoffnung scheide ich von Ihnen. Das Gebet dieser Hoffnung lassen Sie zu unser Aller Festigung fort und fort zum Vater unsers Herrn Jesu Christi aussteigen. In solchem Gebete begleiten Sie auch uns, denen das schwere Amt der obersten Leitung unserer Kirche anvertraut ist. Dann wird der rechte Geist uns einigen. Der Friede unsers Herrn begleite Sie zurück in Ihre Häuser, in Ihr Amt, in Ihren Beruf. Der Friede dieses Herrn sei mit uns für Zeit und Ewigkeit! — Die Generalsynode von 1857 sei hiemit beschlossen. Nach dem Schlußworte des Dirigenten pflegt gemeiniglich noch einer der Synodalen, in der Regel ein älterer, in vorzüglichem Ansehen stehender Mann, einige Worte an das Präsidium zu richten. Das war hier der Kirchenrath und Decan Bomhard von Augsburg, ein Veteran unter den Bayerschen Streitern Jesu Christi, bei Vielen noch in gutem Andenken vom „homiletischen Correspondenzblatte“ her, in welchem er mit seinem vor Jahren heimgegangenen Bruder und dem gleichfalls aus der streitenden Kirche zum seligen Frieden eingegangenen Decan Brand den Rationalismus unter der Bayerschen Geistlichkeit stinkend machte und die neuere kirchliche Entwickelung und Gestaltung bei uns mit anbahnte; ein Greis zwar von 70 Jahren, aber ein Jüngling an Kampfesmuth und Bekenntnißfreudigkeit. Er wendete sich zuerst an den Königlichen Commissär und sprach zu ihm unter Anderem Folgendes: Euer Hochwohlgeboren sind der aufmerksame Zeuge unserer gesammten Synodal⸗Thätigkeit gewesen und werden daher, wie wir bitten und hoffen dürfen, das Herz Seiner Majestät des Königs als des Schirmherrn unserer Kirche mit der willkommenen Botschaft erfreuen, daß die Wunden,