# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1858_S104 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 104 Antwort auf eine Stimme aus der lutherischen Kirche Deutschlands ꝛc. chem Kirchenregiment sich die Kirche als ein geschlossenes Ganze in ihrer Spitze und obersten Macht repräsentirt habe. Aber wir bitten Sie, wo haben Sie doch dieses Bild der apostolischen Kirche her? Aus der Schrift, aus den apostolischen Briefen gewiß nicht. Denn an wen sind doch die letzteren gerichtet? an die Bischöfe und Diener der Ortsgemeinden als die den Aposteln untergeordneten Behörden, die deren Befehle weiter an die Gemeinden zu bringen und ins Werk zu setzen hatten? Nein, nein, sondern an einzelne Ortsgemeinden selbst. Und wie reden die Apostel, die ja freilich unbestrittenermaßen die Oberleitung der ganzen Kirche hatten, zu den einzelnen Gemeinden? Sagen sie etwa: kraft unserer oberkirchenregimentlichen Gewalt und Herrlichkeit entbieten wir euch und geben euch den gnädigen Bescheid? Nein, sie die Apostel rufen den einzelnen Ortsgemeinden zu: richtet ihr; prüfet alles; laßt alles ehrlich und ordentlich zugehen; und so wenig treten sie als decretirende Kirchenbehörden auf, daß sie vielmehr die Gemeinden zur Selbstregierung auffordern, ermuntern und bethätigen. Nun, wie es in den apostolischen Gemeinden war, so und nicht anders ist es im Wesentlichen auch bei uns, und wir haben hier nicht nur die Schrift und Christi eignes Wort: „sag's der Gemeine“, desgleichen die Symbole*) für uns, sondern stehen unbestreitbarer Maßen auch auf historischem Grund und Boden. Ja wir bleiben bei dieser apostolischen Verfassung und Weise nicht bloß, weil sie offenbar dem Evangelio am gemäßesten ist, und wir kein Wort der Schrift haben, das uns berechtigte, die Gemeinden zu irgend welcher Uebertragung ihrer, ihnen eigenthümlich zustehenden Rechte und Gewalten zu vermögen, sondern weil dieselbe auch unter allen den genannten Verfassungsformen die meiste Gewähr und Bürgschaft bietet. Nirgends haben wir ein Wort der Verheißung, daß die Bischöfe immer reine Lehrer und treue Diener Christi sein werden, vielmehr ist geweissagt, daß falsche Propheten aufstehen würden; und wo in einem solchen Fall die bischöfliche Verfassung hinführen könne, das hat das antichristische Papstthum traurig und zur Genüge gezeigt. Von den Consistorien steht vollends kein Wort in der Schrift, Thatsache aber ist es, daß ungläubige Consistorien gläubige Prediger mit Absetzung bedroht haben, wofern sie nicht offenbaren unbußfertigen Sündern das Abendmahl reichen würden ꝛc. ꝛc. Dagegen wo immer in einer Ortsgemeinde das Wort Gottes lauter und rein gepredigt wird, da hat es auch, es sei denn, daß Gott einem gottlosen Haufen in großem Zorn noch einmal sein Wort zum Gericht verkündigen lasse, da denn das Gehen und Staub von den Füßen schütteln nur Gehorsam gegen Christi ausdrücklichen Befehl ist, — die Verheißung, daß es nicht leer ausgehen soll; da bleibt immer ein Same, der in der Kraft des Glaubens und göttlichen Worts, durch frei offenes Bekennen und erhörliches *) Schmalkald. Art., Anhang: „Und Christus spricht bei diesen Worten: was ihr binden werdet ꝛc., und deutet, wem er die Schlüssel gegeben, nämlich der Kirchen: wo zween oder drei versammelt sein in meinem Namen ꝛc. Item Christus gibt das höhest und letzte Gericht der Kirchen, da er spricht: sag's der Kirchen.“