# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1858_S95 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 95 hinderlich gewesen sein würde. Ein Prediger hat hier eine Fundgrube von Stoff zu seinen Predigten über die evangelischen Perikopen, in welcher er in keinem Jahre alle darin ihm entgegenblitzenden Gedanken ausbeuten und alle Jahre immer neue entdecken wird. Je weniger darin dem Material bereits die Predigtform gegeben ist, je weniger wird das Werk dazu dienen, den Prediger der Mühe des eigenen Arbeitens zu überheben. Er hat vielmehr hier nur einen Gnomon, der ihn bewahrt irre zu gehen, und zum andern einen reichen Vorrath noch nicht entwickelter, aber höchst fruchtbarer Gedanken, deren Entwickelung, Auswahl, Unterordnung unter einen Gedanken, Zusammenordnung und Application dem Prediger überlassen ist. So fest wir überzeugt davon sind, daß vor allen andern menschlichen Büchern Luthers Postillen und andere einschlagende Schriften desselben von jedem Prediger zur Vorbereitung auf seine Verkündigung des Wortes Gottes für Seligkeit des Menschen gründlich studirt und treulich benutzt werden sollten, so fest sind wir doch zugleich davon überzeugt, daß der Nebengebrauch dieser „echt evangelischen Auslegung“ das Studium Luthers erst recht fruchtbar und gedeihlich machen werde. Wem es daher ein Ernst ist, seiner Gemeinde das möglichst Beste zu geben; wer nicht damit zufrieden ist, wenn er seinen Zuhörern nur allsonntäglich etwas Erbauliches vorgeredet hat; wer vielmehr darauf bedacht ist, die wenigen kostbaren Stunden, die ihm zum Predigen gegeben sind, mit höchster Treue auszukaufen und die ihm Anvertrauten so tief, als er nur durch Gottes Gnade vermag, zu gründen; wer daher auch weiß, wie die Hauptsache darin besteht, daß der Zuhörer jeden vom Prediger ausgesprochenen Gedanken als einen aus dem Text ihm erschlossenen Gottesgedanken erkennen und darum mit voller Zuversicht als Gottes unumstößliches Wort aufnehme: ein solcher Prediger wird in der „echt evangelischen Auslegung,“ die ihm hier dargeboten wird, finden, was er sucht; ein solcher Prediger greife eilends zu, es wird ihn das Opfer an Geld, was er dafür bringen muß, gewiß nicht gereuen, und er wird auch mit dazu helfen, daß unter Gottes Beistand nach und nach das ganze schöne Werk unserer Kirche zu Heil und Segen wieder geschenkt werde. Auch Laien, welche zu den in der Schrift täglich forschenden Beroensern gehören, ist das Werk als eine Schatzkammer tiefen Schriftverständnisses dringend empfohlen. Zu haben ist dieser erste Band bei Herrn Otto Ernst in St. Louis, Mo., für den Preis von $1.50. Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Der Lutheran Observer. Die neuen Redakteure dieses Blattes, die nun die Stelle Herrn Dr. Kurtz' einnehmen, sind Rev. F. R. Anspach, D. D., und Rev. George Diehl. In der Nummer vom 5. Febr. erklären diese Herren ihre Harmonie mit der abgetretenen Redaktion und daß sie auf der Lehrbasis der Generalsynode stehen. Wie sich die Zeiten ändern! — Vor Kurzem ist hier sowohl für die reformirte, als auch für die bischöfliche Methodistenkirche eine ausführliche Liturgie erschienen. Vor zehn Jahren hätte man es wohl kaum geglaubt, wenn es da vorausverkündigt worden wäre. Da meinte man noch, Sachen wie liturgische Formulare seien nur für die „todten“ Altlutheraner und Päpstler und ein noch so elendes geistloses Gebetssalbadern aus dem Kopfe sei wenigstens immer noch besser, als ein aus einer Liturgie abgelesenes. Der „Evangelist,“ Organ der Deutsch.⸗Ref. Syn. von Ohio ꝛc. in Tiffin, findet es fast unglaublich, daß nach erhaltener Nachricht, wenn in Deutschland Eltern ihr Kind taufen lassen wollen, selbige vorher dem Prediger die Namen der Taufpathen anzeigen sollen, damit sich derselbe überzeugen könne, ob sie auch dazu tauglich sein sollten. Der Herr „Evangelist“ gibt mit dieser Verwunderung über etwas ganz Natürliches die wirklich be⸗