# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1858_S90 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 90 Die letzte Oelung. Selbst dieses Institut wird von den romanisirenden Altlutheranern in unseren Tagen repristinirt. Aus dem Nördlinger Correspondenzblatt, herausgegeben von Bauer in Neuendettelsau und Stirner in Fürth, erfahren wir, daß Herr Löhe dies gethan hat. Es beruft sich zwar derselbe auf einen Ausspruch Luthers, der es laut dieses Ausspruches geschehen lassen wollte, daß man neben anderer Berichtung des Kranken denselben auch mit Oel bestriche. Wenn aber Luther nach seiner großen Besonnenheit den Papisten zugestand, dies beizubehalten, so sie nur darein nichts setzen wollten, so dürfte daraus wohl schwerlich auch nur der Schein genommen werden können, als sei es in Luthers Sinn, wenn Lutheraner jetzt, wo mit der Unterlassung jener Ceremonie unmöglich ein Lutheraner geärgert wird, diese Ceremonie wieder einführen. Uns kommt nicht in den Sinn, Herrn Pf. Löhe schon die ausgebildete Lehre, daß die letzte Oelung ein Sacrament sei, unterlegen zu wollen; daß aber die Wiedereinführung derselben von seiner Seite aus einer gewissen Sympathie für einen Cultus, wie der römische, hervorgehe und, so unschuldig die Sache auch jetzt scheinen mag, leicht der Keim zu den gefährlichsten Schlingpflanzen in dem Garten unserer Kirche werden könne, das ist uns außer Zweifel. Hätte Herr Pf. Löhe wahrhaft lutherischen Geist, so würde es ihm nicht einfallen, solche Extravaganzen zu begehen, und zwar solche, mit denen er in beispielloser Rücksichtslosigkeit das Gefühl aller Lutheraner, ja aller Protestanten mit Füßen tritt. Auch lehrt die Geschichte, daß die meisten Gräuel der römischen Kirche erst sehr harmlos angefangen haben. Man braucht den Teufel nicht an die Wand zu malen, er kommt selber. Wir lassen hier das Betreffende, es als ein Zeichen der Zeit protocollirend, aus der Dezember⸗Nummer des Correspondenzblattes vom J. 1857 hier folgen: (Aus dem Correspondenzblatt der Gesellschaft für innere Mission nach dem Sinne der lutherischen Kirche.) Der apostolische Krankenbesuch.*) Ein liturgischer Versuch. Die Einleitung geschieht ganz nach der ersten Auflage der Löhe'schen Agende pag. 221. ff. Der Pfarrer tritt in das Zimmer mit den Worten: Friede sei mit diesem Hause. Antwort: Und mit allen, welche darin wohnen. Hierauf tritt der Pfarrer zu dem Kranken, grüßt ihn freundlich und spricht mit ihm seelsorgerlich nach Nothdurft. Am Schlusse ermahnt er den Kranken, sich der Handlung zuzukehren, welche nun an ihm vorgenommen werden soll. — Darauf beginnt er: Kyrie — Eleison. Christe — Eleison. Kyrie — Eleison. oder: Christe, erhöre uns. *) Dieser liturgische Versuch, welcher auf das Schriftwort Jac. 5, 14 — 16 und auf uralte Formen der christlichen Kirche, mit Beseitigung jedes unevangelischen und schriftwidrigen Zusatzes, gegründet ist, verdankt seine Entstehung einem in der Gemeinde Neuendettelsau vor nicht gar langer Zeit vorgekommenen besonderen Falle. Eine Kranke, höheren Standes, die, mit einer langwierigen, schwer heilbaren Krankheit heimgesucht, im hiesigen Diakonissenhause verpflegt wurde, begehrte in nüchterner Ueberzeugung und ohne tadelnswürdige schwärmerische Hoffnung auf Erfolg und nach vorausgegangener, eingehender, seelsorgerlicher Besprechung und Belehrung auf ihrem Krankenbette ganz nach Jac. 5, 14 ff. behandelt