# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 03 30_S88 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Zeit und Ewigkeit gegeben und einen ſicheren Weg zur Seligkeit gezeigt hat? Wäre es nicht viel unbegreiflicher, wenn Gott den Menſchen nur für dieſe kurze Zeit geſchaffen hätte, wenn es kein ewiges Leben, keine Vergeltung, kein Gericht, keinen Himmel und keine Hölle gäbe, als daß es dies alles nach der Offenbarung der Schrift gibt? Wäre es endlich nicht viel un⸗ begreiflicher, wenn Gott den Menſchen um ein paar elender, ſogenannter guter Werke in der kurzen Lebenszeit willen ewig ſelig machte, als daß Gott den Menſchen nach der heil. Schrift aus bloßer Gnade durch den Glauben an ſei— nen lieben Sohn, der für alle Menſchen gelitten hat, ſelig machen will? Ihr ſehet, m. L., die Glaubensartikel der Ungläubigen ſind viel unbegreiflicher, als die Glaubensartikel des Evangeliums; auch in der Hochſchätzung der Vernunft kann alſo der Unglaube ſeinen wahren Grund nicht haben. Welches iſt denn nun ſeine wahre Quelle? Davon laßt mich nun zweitens einiges hin— zuſetzen. 2. Wenn, m. L., Chriſtus zu Anfang unſeres Evangeliums ſpricht: „Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit ſage, warum glaubet Ihr mir nicht?“ ſo bezeugt hier— mit Chriſtus, daß die Urſache davon, daß die Juden nicht an ſein Evangelium glaubten, nicht in einem Mangel dieſes ſeines Evange— liums zu ſuchen ſei, denn niemand könne ihn erſtlich einer Sünde zeihen, auch rede er nur unleugbare Wahrheit. Die wahre Quelle ihres Unglaͤubens gibt aber ſodann Chriſtus ſelbſt mit den Worten an: „Wer von Gott iſt, der höret Gottes Wort: darum höret Ihr nicht, denn ihr ſeid nicht von Gott.“ Chriſtus will hiermit ſagen: Wer göttlich ge⸗ ſinnt iſt, der nimmt auch gewiß die göttliche Wahrheit, die ich predige, mit Freuden an, weil ihr aber nicht göttlich geſinnt ſeid, weil ihr boshaft ſeid, weil ihr ein böſes Herz habt, weil ihr die Sünde und Finſterniß lieb habt und nicht laſſen wollet, darum höret ihr mein Wort nicht, darum wollt ihr mir nicht glauben. Hier haben wir, m. L., den erſten Wink Chriſti, wo wir die wahre Quelle des Unglau⸗ bens zu ſuchen haben, nicht allein in den Juden, ſondern in allen, die die Bibel, und inſonder— heit das theure Evangelium von Chriſto ver— werfen. Wir haben ſie hiernach nirgends anders zu ſuchen, als in der Menſchen verderb— ten Herzen. Gott hat ſein Wort nicht ſo ge— geben, daß es ein Menſch deſto eher annehmen könnte, je klüger, je gebildeter, je gelehrter er iſt, ſondern je mehr ſein verderbtes Herz ver⸗ ändert iſt. Chriſti Evangelium iſt ſo beſchaf— fen, daß, wer es annehmen will, dann alle eigne Weisheit für Thorheit halten, alle eigene Gerechtigkeit für ein unfläthiges Kleid erken— nen, Gott allein die Ehre in allem geben und vor der Welt ein Narr werden muß. Chriſti Evangelium ſetzt bei allen, die daran glauben, Armuth des Geiſtes, Zerknirſchung des Her— zens, Verleugnung alles eignen Lichts, alles Ruhmes von Wiſſenſchaft und Kunſt, aller 88 eignen Würdigkeit, Ehre, Kraft, Tugend und guter Werke voraus; es erfordert gründliche Veränderung nicht nur des Lebens, und des äußerlichen Wandels, ſondern des ganzen Her— zens und Sinnes, mit allen ſeinen Gedanken, Wünſchen, Begierden und Kräften; es erfor⸗ dert bei dem größten Eifer in der Heiligung vor allem die vor der Welt allerverächtlichſte Tugend, die Demuth. Es erfordert die Reini⸗ gung von allem weltlichen, eitlen, irdiſchen Sinn und eine Wiedergeburt der Seele zu einem geiſtlichen, göttlichen, himmliſchen Sinn. Das, das war die Urſache, warum einſt die Juden von Chriſto, ihrem verheißenen Meſſias, nichts wiſſen wollten, und das iſt noch jetzt die wahre Urſache alles Unglaubens: daß nehmlich das Herz des Menſchen von Natur ein Grauen vor der Veränderung hat, die das Evangelium von Chriſto erfordert; daß das Herz von Natur das liebt, was es bei Annahme des Evange— liums haſſen müßte, und daß das Evangelium alles zu Schanden macht, worauf der Menſch von Natur ſtolz iſt. Könnten die Ungläubigen ihren Stolz über⸗ winden, könnten ſie die Liebe des Irdiſchen ſich aus dem Herzen reißen, könnten ſie der Sünde Abſchied geben, ſo würden bald alle ihre Seru-— pel wegen der Göttlichkeit der Bibel und inſon— derheit des Evangeliums verſchwunden ſein. Doch Chriſtus gibt uns hierbei noch einen Wink in unſerm Evangelio, wenn er darin zu den ungläubigen Juden ſpricht: „Es iſt aber mein Vater, der mich ehret, welchen Ihr ſprechet, er ſei euer Gott; und ken⸗ net ihn nicht.“ Chriſtus erklärt hiermit den Juden, daß ſie ganz blind ſeien, daß ſie wohl viel von Gott als ihrem Vater redeten, daß ſie ihn aber nicht kenneten, und das ſei die Urſache, warum ſie nicht an ihn, den Sohn des Vaters, glauben wollten. Hier erfahren wir die zweite wahre Urſache des Unglaubens, es iſt die natürliche Blindheit aller Menſchen. Chriſti Evangelium iſt nehmlich ſo beſchaf— fen, daß es kein natürlicher Menſch faſſen und begreifen kann, daß es ihm vielmehr als eine Thorheit vorkommen muß. Soll ein Menſch daran glauben, ſo muß ihn erſt Gott erleuch— ten; er muß ihm nehmlich vor allem ſein Sün⸗ denelend aufdecken; er muß ihm offenbar ma— chen, daß alle menſchliche natürliche Gerechtig— keit und Ehrbarkeit vor Gott nichts tauge; er muß ihm erſt dadurch zeigen, wie ſehr er eines Heilands bedürfe, wie ſchwerlich er nehmlich Gott beleidigt und erzürnet habe mit ſeinen Sünden, und wie er Gott ſelbſt nicht wieder verſöhnen und alſo ſich ſelbſt ſelig machen könne. Wird der Menſch von der Blindheit über ſein ſündliches Herz geheilt, wird es in ihm darü— ber Licht, daß er ein verirrter und verlorner Sünder ſei, dann iſt das größte Hinderniß des Unglaubens gefallen, dann findet auch der Weiſeſte und Klügſte dieſer Welt, auch der vor— mals Selbſtgerechteſte, auch der vormals ärgſte Verächter und Spötter, das Evangelium ſo voll Weisheit, voll Troſt, voll Kraft, voll Seligkeit, ſo erhaben und doch ſo lieblich, ſo geheimnißvoll und doch ſo paſſend für ſich, daß dann alle Zweifel ſchwinden; der Menſch fällt dann als ein beſchämter Sünder, wie Thomas, Chriſto zu den Füßen, und ruft, durch die Kraft der göttlichen Wahrheit überwunden, wohl mit bitteren Reuethränen aus: „Mein HErr, und mein Gott!“ Laſſet euch darum nicht irre machen, m. L., wenn ihr ſo viele Weiſe und Kluge dieſer Welt das Evangelium verachten ſehet. Sucht dieſe Verachtung nicht in einem Mangel des Evan⸗ geliums, ſondern in der Verderbtheit und Blindheit des menſchlichen Herzens. Werdet ihr aber ſelbſt vom Unglauben angefochten, ſo ſucht euch nicht zu entſchuldigen, ſondern bittet Gott um ein neues Herz, bittet ihn um ſeinen heil. Geiſt, ſo werdet ihr bald mit dem Schiff— lein eures Herzens durch das ſtürmiſche Meer des Zweifels glücklich hindurch ſegeln, und endlich in dem ſtillen, ruhigen Hafen des Glau— bens einlaufen und da den Anker eurer Hoff⸗ nung auf den Felſengrund der göttlichen Ver— heißung werfen, bis ihr ankommt an den Ufern einer ſeligen Ewigkeit. Das helfe uns allen Gott durch IEſum Chriſtum. Amen. — *— „Wo der HErr nicht das Haus bauet, ſo arbeiten umſonſt, die daran bauen.“ Laß alſo dieſen HErrn Haus bauen und Haus halten, greif ihm nicht in ſein Werk, Ihm gebühret, darüber zu ſorgen, dir aber nicht. Denn wer Hausherr iſt und haushält, den laß' ſorgen. Gehöret viel in ein Haus, wohlan, ſo iſt iſt ja Gott größer denn ein Haus. Der Himmel und Erden füllet, wird ja auch ein Haus füllen können, ſonderlich weil Er ſich's annimmt und läßt es von ihm ſingen. Was iſt nun Wunder, daß viel in ein Haus gehört, wo Gott nicht Hausherr iſt? Weil du den nicht ſieheſt, ſo müſſen wahrlich alle Winkel ledig ſcheinen. Wer aber recht ſiehet, dem kehret Gott das Wort um, und ſpricht nicht, es gehö— ret viel in ein Haus, ſondern, es gehet viel aus einem Hauſe. Luther. Berichtigung · Mit Freuden melden wir hiermit unſern Le⸗ ſern, daß es nach der Erklärung des Herrn Spielmanns, des Herausgebers des „Lutheran Standard,“ nicht die Meinung der Columbus⸗ Conferenz geweſen ſei, daß Amtshandlungen nach erloſchener Licenz der dieſelben Verrich— tenden „ungültig“ ſeien, und daß ſich nur aus Verſehen des Schreibers das Wort „ungültig“ (invalid) für „ungeſetzlich“ (illegal) in das publicirte Protokoll der genannten Conferenz eingeſchlichen habe. Bezahlt: 1. Hälfte des 3. Jahrg. die Herren F. Ellerbuſch, F. u. W. Hoffmann. 2. Hälfte des 3. Jahrg. die Herren Alberswerth, F. u. Ch. Fey, G. Miller, F. Sitzler, H. Volkmann. 3. Jahrg. die Herren Paſtoren Knape, Paſt. Schladermundt. Erhalten für das Seminar in Altenburg, Perry Co., Mo. von der durch Paſtor Schieferdecker bedienten Gemeinde in St. Clair Co., Ills. 82.25. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.