# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1858_S84 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 84 Ueber Laienälteste oder Gemeindevorsteher. Wort predigen, aber nicht mit gehörigem Fleiß und Eifer! Nein, allerdings sind alle Arten Ehre werth, laut der Schrift, aber die vorstehenden Aeltesten sind doppelter Ehren werth. Und das ist die rechte Auslegung. Die Auslegung Saravia's und Erastus' ist daher zu unnatürlich, als daß sie Glauben verdienen könnte. Das, womit sie sie beweisen wollen, ist nichtig. Die erste Instanz ist völlig unbegründet. Denn jene zwiefache Ehre, von welcher der Apostel sagt, daß die vorstehenden Aeltesten derselben werth seien, ist nicht schlechterdings der Lohn oder Gehalt, sondern jede Erweisung von Ehre, sei es nun äußerliche Reverenz, oder Gehorsam, oder Unterhalt. Denn nach der Schriftsprache ist doppelte Ehre so viel als viele und reichliche Ehre. Jer. 17, 18. Spr. 31, 21. Jes. 40, 2. 2 Kön. 2, 9. Ein Theil dieser doppelten Ehre ist der Lohn, wovon der hl. Paulus erinnert, daß man denselben sonderlich denen schuldig sei, welche am Wort und in der Lehre arbeiten, als welche das wichtigere Amt verwalten und, weil sie mit dem Lehramt beschäftigt sind, eine andere Kunst nicht verstehen oder doch dieselbe nicht ausüben können. Die andere Instanz ist ebenso leicht aufzulösen. Denn obgleich das κοπιᾶν heißt emsig und bis zur Abmattung arbeiten, so pflegt doch dieses Wort im N. T. von jedem Diener des Wortes gebraucht zu werden, nicht aber insonderheit von denen, welche vor anderen fleißig sind. Bekannt ist diese Ermahnung Pauli, 1 Cor. 16.: Auf daß auch ihr solchen unterthan seid, und allen, die mitwirken und arbeiten. Wo es so gewiß ist, daß das Wort arbeiten von jedem Diener des Wortes gebraucht werde, daß es von niemand mit einiger Wahrscheinlichkeit geleugnet werden kann. Dazu nehme man die Stelle 1 Thess. 5, 12.: Wir bitten euch, l. Br., daß ihr erkennet, die an euch arbeiten, und euch vorstehen in dem HErrn, und euch ermahnen. Es ist offenbar, daß in diesem apostolischen Satz mit den Worten: die da arbeiten, die da vorstehen, die da ermahnen, wie durch eine Umschreibung jegliche Diener des göttlichen Wortes bezeichnet werden, daß auch dies von niemand geleugnet werden kann. Vergeblich sucht also der Gegenpart für seine üble Sache in dem Wort arbeiten eine Stütze. Unser Schluß sei daher: daß das Presbyterium in dem apostolischen Zeitalter aus kirchlichen und politischen Personen bestanden habe.“ (System. univ. Th. Tom. II, c. 4. q. 5. f. 383.) Calov (Prof. und Generalsup. zu Wittenberg, † 1686), nachdem er Grotius' Erklärung von 1 Tim. 5, 17. vorangestellt hat, fährt also fort: „Andere sagen richtiger, daß eine doppelte Gattung von Presbytern festgestellt werde, nämlich regierende und lehrende. Jene nennen sie Laien-, diese klerikalische Presbyter. Denn auch jene waren in der Würde eines kirchlichen Amtes, welche, von der Obrigkeit für die Kirchenzucht oder die äußerlichen Sitten bestellt, auf die Ordnung der Christen in der Kirche und auf die Erhaltung der öffentlichen Lehre Acht hatten und Anderen im äußerlichen Kirchenregiment vorgesetzt waren und darüber in Gemeinschaft mit den Pastoren zu Gericht saßen.