# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1858_S80 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 80 Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden. — für ihnen hüten und vorsehen sollen, als vor dem allerschädlichsten Gifte; als wollte er also sagen: Was höret ihr doch den schädlichen und giftigen Lügnern lange zu, so euch nichts lehren, sondern nur irre machen, und mit ihrer Lehre nichts anders ausrichten, denn daß sie allein die Gewissen damit verwirren? Darum werden sie auch ihr Urtheil haben, sie seien gleichwie hoch und groß sie immer sein können. Man kann aus diesen Worten, sie seien, wer sie wollen, wohl abnehmen, daß die falschen Apostel müssen nach dem äußerlichen Ansehen sehr fromme und heilige Leute gewesen sein; und mag vielleicht wohl sein, daß unter ihnen ein sonderlicher großer, namhaftiger Mann gewesen sei, der ein Jünger der rechten Apostel gewesen, und ein großes herrliches Ansehen gehabt habe; denn St. Paulus thut es fürwahr nicht ohne Ursache, daß er so große und gewaltige Worte führet. Auf solche Weise redet er auch droben im ersten Capitel v. 8: „So auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würden Evangelium predigen anders, denn wir euch gepredigt haben, der sei verflucht.“ Auch ist kein Zweifel daran, ihrer viel werden sich an diesen heftigen geschwinden Worten des Apostels hart gestoßen, und also gedacht haben: Wie handelt St. Paulus so geschwind wider die Liebe? Warum ist er so steif und eigensinnig in einer so geringen und leichten Sache? Warum übergiebt er so schnell dem Teufel dahin ins ewige Verderben, die, so gleich sowohl Christi Diener sind, als er ist? Nach dem allen fraget er nichts; giebt ihm auch nichts zu schaffen, daß sie das Ansehen hatten als fromme, heilige, gelehrte Männer, und derhalben hoch gehalten waren; sondern weil sie die Lehre vom Glauben verrücken, verflucht und verdammet er sie aufs allersicherste, zweifelt auch nicht ein Haarbreit daran, daß er ihnen recht thue. Also halten wir dieser Zeit auch für verbannet und verdammet alle die, so da sagen, daß der Artikel vom Sacramente des Leibes und Blutes unsers Herrn Jesu Christi ungewiß sei, oder den Worten Christi im Abendmahl Gewalt thun. Denn wir wollen kurzum alle Artikel der christlichen Lehre, sie seien groß oder klein (wiewohl uns keiner klein noch geringe ist), ganz rein und gewiß haben, und darinnen nicht einen Titel nachlassen. Und das muß auch sein. Denn die Lehre ist unser einiges Licht, das uns leuchtet und führet, und den Weg gen Himmel weiset: wenn wir uns dieselbe in Einem Stück schwächen und matt machen lassen, ist es gewiß, daß sie ganz und gar kraftlos wird; versehen wir es hierinne, wird uns die Liebe nichts helfen. Wir können ohne der Sacramentirer Liebe und Einigkeit wohl selig werden: das kann aber nicht geschehen ohne die reine Lehre und Glauben. Darum wollen wir gerne Liebe und Einigkeit haben, so mit uns Christlich und gütlich in allen Artikeln der Christlichen Lehre halten und gläuben; ja, wir wollen, so viel an uns ist, auch mit unsern Feinden Friede halten, wollen für die bitten, so da unsere Lehre unwissentlich lästern und verfolgen; aber für die nicht, so da wissentlich wider ihr eigen Gewissen einen oder mehr Artikel der Christlichen Lehre anfechten.