# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1858_S79 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden. 79 reien keinen Schaden thun, der ein Schade heißen möchte, das ist, sie verleuret darum Christum nicht, wenn sie gleich betrogen wird: darum läßt sie sich nicht irre machen, fähret immer fort, hilft und thut wohl Jedermann, auch gegen den Undankbaren, und die es nicht werth sind. Dagegen, wenn es in Sachen ist, so die Seligkeit belangen, und die Schwärmergeister ihre Lügen und Irrthum unter dem Schein der Wahrheit lehren, und damit viel Leute betrügen und verführen, da muß man wahrlich keine Liebe erzeigen, ihren Irrthum auch nicht billigen und recht sprechen: denn da verleuret man nicht eine Wohlthat, einem Undankbaren erzeiget; sondern das Wort, den Glauben, Christum selbst und das ewige Leben ꝛc. verleuret man. Darum habe deß keinen Zweifel, wenn du Gott in Einem Artikel verleugnest, so hast du ihn gewißlich in Allen verleugnet. Denn er läßt sich nicht stückweis zertheilen in viel Artikel, sondern ist ganz und gar in einem jeden, und in allen zumal Ein Gott. Darum wenn uns die Sacramentirer lange und viel beschuldigen, daß wir der Liebe nicht achten, als wir billig thun sollten, antworten wir mit diesem Spruch St. Pauli: „Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig;“ item mit der Ehre, Glauben und Augen ist böse scherzen. Dieß habe ich mit so vielen Worten gesagt, die Unsern fest zu machen und die andern zu lehren, welche sich vielleicht ärgern mögen an unserer Beständigkeit, und denken, wir wären sonst so steif und trotzig, und hätten nicht redliche Ursachen dazu. Darum soll es uns gar nichts irren, daß sie viel rühmen, wie gern sie die Liebe und Einigkeit unter uns und ihnen erhalten wollen, und wie herzlich wehe es ihnen thue, daß sie zertrennet werden soll. Denn wer Gott und sein Wort nicht lieb hat und ehrt, dem ist nicht geholfen, er liebe sonst, was er wolle ꝛc. Darum vermahnet St. Paulus mit diesem Spruch beide, Lehrer und Zuhörer, daß sie nicht denken sollen, es wäre die Lehre des Glaubens eine so geringe und leichte Sache, daß wir damit spielen und kurzweilen möchten unsers Gefallens. Sie ist ein Sonnenglanz, der vom Himmel herab kömmt und uns erleuchtet, entzündet und regieret. Gleichwie aber die ganze Welt mit aller ihrer Weisheit und Gewalt den Sonnenglanz, so vom Himmel herab straks auf die Erde gehet, nicht lenken kann: also kann man der Lehre des Glaubens nichts weder ab⸗ noch zuthun, man wolle sie denn ganz und gar verkehren. „Wer euch aber irre macht, der wird sein Urtheil tragen, er sei, wer er wolle.“ Gal. 5, 10. Mit diesen Worten verdammet St. Paulus die falschen Apostel so gewaltig, als ob er solch Urtheil über sie vom Richterstuhl Christi herab spräche, nennet sie mit einem sehr häßlichen Namen, der Galater Irrmacher; so doch die guten Galater sie für die Allerheiligsten und für gar viel bessere Lehrer hielten, denn eben St. Paulum selbst. Auch will er mit diesem schrecklichen Urtheil, dadurch er die falschen Apostel so thürstiglich verdammet, die Galater zugleich dahin bereden, daß sie sich