# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1858_S78 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 78 Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden. sterniß hat, so wird er ganz licht sein.“ Mit welcher Allegorie oder Gleichniß Christus anzeiget, daß das Auge, das ist, die Lehre kurzum ganz rein und lauter, helle und licht sein soll, daß kein Stück der Finsterniß, auch nicht ein einiges Wölklein, daran vermerket werde ꝛc. Auch hat St. Jacob in seiner Epistel ohne Zweifel nicht aus seinem Geist, sondern wie er es von den Aposteln gehöret, sehr hübsch und fein gesagt, 2, 10: „Wer an Einem sündigt, der ist am Ganzen schuldig.“ Darum soll die Lehre sein, gleichwie ein feiner, ganz güldener Ring, daran kein Rißlein noch Bruch sei; denn sobald solcher Ring ein Rißlein oder Bruch gewinnt, ist er nicht mehr ganz. Was hilfts die Jüden, daß sie gläuben, daß ein einiger Gott und Schöpfer aller Dinge sei, ja, daß sie alle Artikel gläuben und die ganze Schrift annehmen, so sie Christum verläugnen? Darum ist es, wie St. Jacob saget: „Wer an Einem sündiget, derselbe ist am Ganzen schuldig.“ Darum ist dieser Spruch fleißig zu merken wider ihr Argument, damit sie uns mit Unwahrheit auflegen, als zerrissen wir die Liebe und Einigkeit in der Christenheit zu großem Schaden und Nachtheil der heiligen Kirche. Wir sind wahrlich bereit und willig, Friede und Liebe ihnen zu erzeigen; doch so ferne sie uns die Lehre des Glaubens unverletzt und ungefälscht lassen. Wo wir solches bei ihnen nicht erhalten können, ist es vergebens, daß sie die christliche Liebe so hoch rühmen. Verflucht sei die Liebe in Abgrund der Höllen, so erhalten wird mit Schaden und Nachtheil der Lehre vom Glauben, der billig alles zumal weichen soll, es sei Liebe, Apostel, Engel vom Himmel, und was es sein mag ꝛc. Darum geben sie damit, daß sie diese Sache so leicht und gering achten, genugsam zu verstehen, was sie von der Majestät und Herrlichkeit des göttlichen Wortes halten ꝛc. Wo sie ernstlich und von Herzen gläubten, daß es Gottes Wort wäre, würden sie damit nicht also leichtfertig scherzen und spielen, sondern es in höchsten Ehren halten, und ohne allen Zweifel und Disputation gläuben, was es ihnen sagt und fürhält: würden auch wissen, daß Ein Gottes Wort alle, und wiederum alle Gottes Worte Eins wären; würden wissen, daß alle Artikel unseres christlichen Glaubens Einer wären, und wiederum, daß Einer alle wäre, und wo man Einen fahren läßt, daß gewiß die andern allesammt mit der Zeit einzelig hinnachfallen: denn sie hangen alle an einander, und gehören zusammen. Darum lassen wir es geschehen, daß sie die christliche Liebe so hoch rühmen, als sie immer mögen; wir rühmen dagegen von der Majestät und Herrlichkeit des Worts und Glaubens. Die Liebe kann man etwa nachlassen, daß es ohne Schaden und Gefahr ist: das kann aber mit dem Wort und Glauben nicht geschehen. Die Liebe soll Alles leiden und Jedermann weichen; dagegen aber soll und kann der Glaube gar nichts leiden, und kurzum Niemand weichen. Die Liebe, so gern weicht, alles gläubt, zu gute hält, vergibt und leidet, wird oftmals betrogen; aber gleichwohl können ihr alle Trüge⸗