# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1858_S77 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden. 77 um eines einigen Artikels willen vom Sacrament die christliche Liebe und Einigkeit der Kirchen trennen; meinen derhalben, wir sollten den Artikel, daran so viel nicht gelegen, deß man auch nicht allerdings gewiß sei, sintemal die Apostel ihn nicht genugsam, als wohl von nöthen wäre, erkläret haben, so hoch und groß nicht achten, daß man um desselben willen beide, die ganze christliche Lehre und gemeine Einigkeit so vieler christlicher Gemeinden, darüber sollte zergehen lassen, sonderlich weil sie sonst in allen andern Artikeln der christlichen Lehre, welche nöthiger sind und mehr daran gelegen ist, mit uns allerdings eins wären. Mit solchem ihrem Argument, das wahrlich einen Schein hat, und in des Pöbels Ohren wohl klingt, machen sie nicht allein, daß die, so ihnen anhangen, uns bitter feind werden; sondern bereden dadurch auch viele fromme Leute, daß sie uns ungewogen werden, und uns verdenken, als thäten wir es aus eitler Eigensinnigkeit, oder sonst aus einem sonderlichen Grolle, daß wirs mit ihnen nicht halten wollten. Aber es sind eitel behende Tücke und Arglist des Teufels, damit er nichts anderes suchet, denn daß er nicht allein diesen Artikel, sondern die ganze christliche Lehre umkehren und zerstören möchte. Darum antworten wir auf solch ihr Fürgeben mit St. Paulo, und sagen: „Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.“ Gleichwie in der Philosophie, wenn man im Anfang ein wenig fehlet, am Ende ein sehr großer und unmäßiger Irrthum daraus wird: also gehet es in der Theologie auch zu, daß ein kleiner Irrthum die ganze christliche Lehre verderben und fälschen soll. Darum soll man Lehre und Leben nur sehr von einander scheiden. Die Lehre ist nicht unser, sondern Gottes ist sie, der uns allein zu Knechten und Dienern darüber berufen hat: darum sollen noch können wir den allergeringsten Titel oder Buchstaben davon nicht begeben oder nachlassen. Das Leben aber ist unser; derohalben soviel dasselbige betrifft, können die Sacramentirer von uns nichts begehren, daß wir nicht gern sollen und wollen thun, leiden, verzeihen u. s. w., doch so ferne, daß an der Lehre und Glauben nichts begeben werde. Denn so sagen wir allewege mit St. Paulo: „Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.“ Darum können wir im selben Stück nicht um ein Härlein breit weichen. Denn es ist mit der Lehre so genau abgezirkelt und eigentlich abgemessen, daß man ohne großen und merklichen Schaden weder dazu thun, noch davon etwas nehmen kann; mit dem Leben aber ist es also, daß es wohl etwas auf sich nehmen, oder aber etwas nachgeben, thun oder leiden kann, wie es die Nothdurft erfordert. Wenn einem ein klein Stäublein in ein Auge fällt, kann er es nicht leiden, läßt es herausziehn oder thut dem Auge Schaden. Daher pflegen wir Deutschen von der Augenarzenei zu sagen: Nichts ist in die Augen gut; und Christus sagt Matth. 6, 22. Luc. 11, 34.: „Das Auge ist des Leibes Licht, wenn nun dein Auge einfältig sein wird, so ist dein ganzer Leib licht“ ꝛc. und hernach v. 36: „Wenn nun dein Leib licht ist, daß er keine Stücke von Fin⸗