# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1858_S73 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden. 73 Confusion mit ihren Bestrebungen durcheinander greifen; so sind oft an einem Orte verschiedene lutherische Gemeinden, von denen eine jede einer andern lutherischen Synode gliedlich zugehört, deren Gemeindeglieder aber alle durcheinander wohnen, so daß allem bösen Partheiwesen und Aufhetzereien Thür und Thor geöffnet ist, und wenn, wie das auch sehr häufig der Fall ist, die Unzufriedenen der einen Gemeinde ohne Weiteres von der andern angenommen und zum hl. Sacrament zugelassen werden; so ist das offenbar eine ganz heillose, Gott durchaus mißfällige Unordnung, dadurch viele Seelen, in ihrer Unbußfertigkeit bestärkt, geistlich gemordet werden, die lutherische Kirche sich selbst zerstört und der Welt ein Gespött wird. — Ehe wir die große Sünde dieser Spaltungen und Trennungen näher zu erkennen suchen, wollen wir, um möglichen und nahe liegenden Mißverständnissen vorzubeugen, zuerst von den löblichen Spaltungen und von Gott gebotenen Trennungen handeln. Denn es ist ebenso sündig, zu vereinigen, was Gott getrennt, als zu trennen, was Gott vereinigt hat. Und es ist leider nur zu wahr, daß unsere lutherische Kirche hier auch an falschen Unionen und Gottes Wort und Wahrheit schändendem Indifferentismus noch sehr leidet. Die Kirche Christi, die sich durch Jesu, ihres Königs Geist regieren läßt, scheidet und trennt unerbittlich Wahrheit und Lüge, denn Christus und Belial haben nun einmal gar nichts mit einander gemein. Die wahre Kirche sucht mit aller Inbrunst und pflegt mit aller Treue brüderliche Vereinigung und Gemeinschaft, aber niemals auf Kosten ihrer Vereinigung mit dem HErrn, auf Kosten der Wahrheit, des Wortes Gottes; denn sie weiß, daß solche Vereinigungen Gott mißfällig sind, nur Scheinverbindungen, die der innern Wahrheit ermangeln, übertünchte Gräber, inwendig voller Todtengebeine. — Hören wir das Wort Gottes: Röm. 16, 17. 18: „Ich ermahne aber euch, liebe Brüder, daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen. Denn solche dienen nicht dem HErrn Jesu Christo, sondern ihrem Bauch, und durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen.“ Hiernach ist es Gottes Wille, daß sich die Lutheraner, welche die wahre Lehre des Wortes Gottes haben, trennen, daß sie weichen sollen von denen, die falsche Lehre geltend machen wollen, neben der Lehre, die sie gelernt und die Väter in den Bekenntnißschriften bekannt haben, als die allein wahre Lehre der hl. Schrift, dadurch dann nicht die Lutheraner, sondern die, welche die falsche Lehre haben, „Zertrennung und Aergerniß“ anrichten. Weichet von denselbigen ruft also der hl. Apostel Paulus den Lutheranern in den „vereinigten“ Gemeinden zu, wo neben der lutherischen Lehre auch die reformirte Geltung haben soll, oder in den Gemeinden, die sich unehrlicher Weise „lutherisch“ nennen, in Wirklichkeit aber und in Gottes Augen, der sich nicht durch schön klingende Namen verblenden läßt, auch nur unirt sind, indem die Reformirten und Unirten in den „lutherischen“ Gemein⸗