# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 03 30_S85 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der —.—. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Jahrgang 3. Herausgegeben von C. F. W. Walther. St. L Louis, Mo., den 6. April 18⁴7. No. 16. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingeſandt.) Kehret wieder! Zuruf an die von der luth. Kirche Abtrünnigen. „Kehrt wieder, kehret wieder! ſo rief einſt der Prophet, Als JIsrael geläſtert des Heil'gen Majeſtät, Als es ſich vom Geſetz zum Götzendienſt gewandt, Mit Gräueln angefüllet das liebe werthe Land. Kehrt wieder, ihr Verkehrten! was tretet ihr ſo fern? O Israel! vergiſſeſt du ſo des treuen HErrn? Der dich doch aus Aegypten mit hoher Hand geführt, Und der mit reicher Gnade ſo oft dein Herz gerührt. Du haſt den Bund gebrochen, geſündigt am Gebot, Drum dräut dir Gottes Eifer Verderben, Fluch und Tod; Wenn du nicht wiederkehreſt und deine Schuld geſtehſt, Den fremden Altar meideſt und um Vergebung flehſt.“ So rufen die Propheten auch euch Verführten zu, Die ihr in falſchen Secten vergeblich ſuchet Ruh. Euch hat mit ſeinem Gifte der Lügengeiſt verwirrt, Daß ihr die Wahrheit ließet und nun im Dunkeln irrt. Es klagt die heilge Kirche, die euch mit Schmerz gebar, Sie klaget, wie einſt Rahel, um ihre Kinderſchaar: „Ich habe euch erzogen, genährt, belehrt, getauft, — Womit hab' ich's verdienet, daß ihr mir nun entlauft?“ Ihr habt die Braut betrübet, die Chriſtus doch geliebt, Und damit habt ihr ſelber den Bräut'gam ſchwer betrübt, Doch ſpricht er noch voll Gnade: „ich habe euch verſühnt; Ach! daß ihr jetzt erkänntet, was euch zum Frieden dient!“ Sie ſind euch nachgegangen, der Bräut'gam und die Braut, Und haben mit Verlangen ſchon lang nach euch geſchaut. O ſehet ihre Thränen im heilgen Angeſicht! Sie bitten: „Kehrei wieder!“ und ihr, hört ihr es nicht? H. Fick. Das Recht, über Lehre zu urtheilen, gehört nicht nur den Predigern, ſon⸗ dern allen Chriſten zu. Ueber der Lehre zu erkennen, ſchreibt Lu⸗ ther, und zu richten, gehöret für alle und jede Chriſten; und zwar ſo, daß der verflucht iſt, der ſolches Recht um ein Härlein kränket. Denn Chriſtus ſelbſt hat ſolch Recht in unüberwindli⸗ chen und vielen Sprüchen angeordnet: z. E. Matth. 7.: „Sehet euch vor vor den falſchen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kom— men.“ Dies Wort ſagt er ja gewiß wider die Lehrer zum Volk, und gebeut ihm, daß es ihre falſchen Lehren meiden ſolle. Wie können ſie aber dieſelben meiden, ohne ſie zu erkennen? und wie erkennen, wo ſie nicht Macht haben, zu urtheilen? Nun aber gibt er ihnen nicht allein Macht zu urtheilen, ſondern gebeut es ihnen auch; daß dieſe einzige Stelle genug ſein kann wider aller Päbſte, aller (Kirchen-) Väter, aller Concilien (Synoden), aller Schu— len Sprüche, die das Recht zu urtheilen und zu ſchließen bloß den Biſchöfen und Geiſtlichen zu— geſprochen, dem Volk aber, das iſt, der Kirche, der Königin, es gottloſer und kirchenräuberi— ſcher Weiſe geraubet haben. Denn da ſtehet Chriſtus und ſaget: „Sehet euch vor vor den falſchen Propheten.“ Damit ſtimmen faſt alle Sylben der Pro— pheten; denn was thun die Propheten anders, als daß ſie das Volk warnen, den falſchen Pro⸗ pheten nicht zu glauben? Was iſt aber dies Warnen anders, als zeigen, daß das Volk Macht habe zu richten und zu erkennen? Was iſt es anders, als kund thun und verſichern, daß es auf ſein Thun acht haben und wider alle Lehren aller ſeiner Prieſter und Lehrer allezeit auf guter Hut ſtehen müſſe? Darum ſchließen wir hier: So oft Moſes, Joſua, David und alle Propheten im alten Geſetz das Volk von falſchen Propheten abru— fen und warnen, ſo oft ſchreien, gebieten, ver— kündigen und beſtätigen ſie daſſelbe Recht, alle Lehren aller Leute zu richten und zu erkennen. Das thun ſie aber an unzähligen Orten. . . Laßt uns wieder zum Neuen Teſtament kom⸗ men. Wenn Chriſtus Joh. 10. ſpricht: „Meine Schafe hören meine Stimme, der Fremden Stimme aber hören ſie nicht, ſondern fliehen vor ihnen;“ macht er da nicht die Schafe zu Richtern und verſetzt das Recht zu erkennen auf die Zuhörer? Ingleichen Paulus, da er 1 Cor. 14. ſpricht: „Einer rede, die andern richten! wenn es aber dem. der da ſitzet, offen— bart wird, ſo ſchweige der erſte;“ macht er da nicht den Zuhörer zu einem Richter? Alſo was Chriſtus nur Matth. 24. und allenthalben von den falſchen Apoſteln, Meiſtern, und Jo— hannes von Prüfung der Geiſter gebieten, geht alles dahin, daß das Volk Macht habe zu richten, zu prüfen, zu verdammen, und zwar mit allem Recht. Denn wie ein jeder auf ſeine Gefahr falſch oder recht glaubt, ſo hat auch ein jeder billig dahin zu ſorgen, daß errecht glaube; daß auch der gemeine Men— ſchenverſtand und die Nothwendigkeit der Se— ligkeit es gibt, daß das Urtheil über die Lehre nothwendig bei den Zuhörern ſein müſſe. Sonſt iſt vergeblich geſchrieben: „Prüfet alles, und das Gute behaltet.“ Ingleichen: „Der geiſt— liche Menſch richtet alles, und wird von nie— manden gerichtet.“ Ein jeder Chriſt aber iſt geiſtlich von dem Geiſt Chriſti her. „Es iſt alles euer,“ ſpricht er, „es ſei Apollo, Paulus, oder Kephas,“ das iſt, ihr habt Macht, über aller Worte und Thaten zu richten. Nun magſt du zuſehen, aus was für einem Geiſt die verruchten gräulichen Concilien ge⸗ gaͤngen ſind, die wider ſo wichtige Stellen und Donnerkeile und wider die offenbaren Sprüche ſich haben unterſtehen dürfen, den Päbſten das Recht, zu richten und zu erkennen, dazu auch zu gebieten und Geſetze zu ſtellen, durchaus in al⸗ len zuzuſprechen! Ohne Zweifel ſind das Sa⸗ tans Gedanken geweſen, dadurch er die Welt mit Wirkungen des Irrthums überſchwemmt und den Gräuel an heilige Stätte geſtellt hat; und dadurch nachgehends in allerſicherſter Ty⸗ rannei dem Volke die Macht zu richten benom— men worden, davor ſich ſonſt falſche Lehrer hätten ſcheuen müſſen; ſo daß endlich der Weg, durch den närriſchen und abergläubiſchen Ge— horſam und Geduld des Volks, zu allen Irr— thümern und Gräueln gebahnet worden, daß ſie allenthalben einreißen können. Und daß ich hier an meinen Heinzen (König Heinrich von England, der wider Luther ge— ſchrieben hatte) und Sophiſten gedenke, die alles auf Länge der Zeiten und Haufen der Leute ſtellen mit ihrem Glauben, ſo iſt wohl nicht zu leugnen, daß dieſes geraubten Rechtes Tyrannei wohl über tauſend Jahr gewähret habe, denu ſchon in dem nieäniſchen Con⸗ cilio, welches doch noch das beſte war, fingen ſie ſchon an Geſetze zu machen und ſich ſolches Recht anzumaßen. Und von der Zeit an iſt es bisher ſo eingeriſſen, daß nichts gänger noch feſter iſt, weil es mit der Menge der Leute und langem Brauch bewieſen werden kann, als die— ſes Recht; ſo daß heutiges Tages niemand leicht iſt, der es nicht für heilſam, gerecht und göttlich halte. Aber hier ſieheſt du, daß es lau— ter Kirchenraub und Gottloſigkeit ſei wider die offenbarſte und unüberwindlichſte Schrift Got— tes. Darum, wenn ein ſo großer Irrthum und ſolcher Kirchenraub mit ſolcher Länge der Zeit und Haufen der Leute, die entweder Recht ge— geben, oder verführet worden oder beigefallen, geherrſchet hat wider die Wahrheit Gottes, ſo will ich hier, allen Sophiſten und Papiſten zu gut, ihren Hauptgrund auf einmal zu Pulver getrümmert und ihnen das Maul damit ge⸗ ſtopfet haben, daß ſie ſehen, warum Gott nicht wolle, daß wir irgend einer Creatur, ob ſie