# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1858_S53 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Menius und Flacius im Streite über Amt und Priesterthum. 53 wir sehen, daß einer unbillig zum Tode geführt wird, daß wir ihm allerdinge helfen, ihn retten und unsere Hand nicht abziehen sollen. So man nun so gar sehr schuldig ist, diejenigen so zum leiblichen Tode geführet werden, zu retten, wie viel mehr diejenigen, so zum geistlichen, ewigen Tode der Seelen durch falsche Lehrer gerissen werden? — —“ — — „Zum elften: Es zeigten die Apostel Christo an Marc. 9 und Luc. 9: daß einer da wäre, welcher die Teufel im Namen Christi austreibe, so er doch Christo nicht folgete, und baten, er wollte ihm's verbieten. Aber Christus wollt es ihm nicht allein nicht verbieten, sondern bestätiget sein Thun und saget: Wer nicht wider uns ist, der ist für uns. Item wer in meinem Namen die Teufel austreibet, der kann nicht bald übel von mir reden. Damit denn Christus anzeigt, daß ihm wohlgefalle, daß die Leute, sie seien auch wer sie wollen, nur mit dem geringsten Dienst sein Reich mehren und ausbreiten helfen. Also schreibet auch Paulus Phil. 1: daß etliche Christen predigen aus gutem Herzen, etliche aus bösem, etliche auch unrecht, Paulo zum Verdries. Er aber sei froh, daß nur Christus gepredigt wird.“ — — Im Uebrigen führt nun Flacius noch aus, wie er doch auch nicht ohne allen menschlichen oder durch Menschen geschehenen Beruf zum Streite wider die Irrthümer hervorgetreten sei: Er sei ein Studiosus der heiligen Schrift, habe zu Basel, Tübingen und Wittenberg Theologie studirt; er sei ein Magister gewesen und habe als solcher geloben müssen, nicht allein Philosophiam sondern auch die wahre Religion treulich lehren und fördern zu wollen; er sei ein Lehrer der heil. Schrift des alten Testaments in seiner natürlichen Sprach zu Wittenberg gewesen; endlich sei er durch viele angesehene Männer, vor allen durch den trefflichen Superintendenten von Hamburg Dr. Aepinus in diesem seinem Thun bestärkt worden. Zum Schlusse wendet sich Flacius noch gegen die falsche Deutung, welche Menius den oben angeführten Stellen aus Luthers Schriften gibt: „Daß aber Menius die einfältigen Christen gern betrügen wollte mit etlichen Sprüchen Dr. Martini vom Beruf, weil er nichts Klares aus Gottes Wort aufbringen kann, ist zu wissen, daß solche Sprüche alle dahin gehen, daß ein Unberufener sich nicht soll in ein fremdes Amt eindringen, auch sonst keine Unordnung mit seinem Thun anrichten außerhalb der äußersten Noth, welches ich nicht gethan habe. Darum so gehen mich solche Sprüche nicht an. Ich hab' aber andere viele und klare Sprüche Lutheri, da er klar wider die Papisten beweiset, daß alle Christen Priester sein, und nur wohl Macht haben zu lehren, aber gleich wohl also, daß sie Unordnung und Aergerniß außerhalb der äußersten Noth verhüten.“ „Man lese sein Buch de instituendis Ministris, an die Böhmen geschrieben, darinnen er klar bekennet und saget, daß er in vielen Schriften wider die Papisten bewiesen habe, daß wir Alle Priester sein, Allen die Schlüssel überantwortet sein, Alle mögen lehren und predigen. Dergleichen im Buch de captivitate Babylonica, im Buch von dreien Mauern des Papsts, in der