# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1858_S51 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Menius und Flacius im Streite über Amt und Priesterthum. 51 „Auf daß wir aber näher zur Sache kommen: Es ist eine löbliche und christliche Gewohnheit, daß in der Noth auch die Weiber mögen taufen. Item, es hat Dr. Martinus seliger Gedächtniß „in Captivitate Babylonica“, im Büchlein „von dreien Mauern des Pabsts“, item „über die Epistel St. Petri“ und im Büchlein „de instituendis Ministris“ reichlich bewiesen, daß alle Christen rechte Priester sind, daß sie auch mögen die Schlüssel gebrauchen, alle Lehre urtheilen ꝛc. Doch solches alles von der großen hohen Noth zu verstehen ist, und daß keine Unordnung und Zerstörung in der Kirche geschehe; denn es muß ja alles zur Erbauung dienen.“ „Ich hab nichts mehr gethan, denn daß ich in solcher großen gefährlichen Noth mit meiner großen Gefahr die Wahrheit schriftlich bekannt und aus der Schrift bewiesen und wiederum die Falschheit gestraft und widerlegt, auch die Leute bei der Wahrheit zu verharren und die Lügen und Irrthümer zu meiden vermahnet habe.“ „Solches haben vorzeiten wie auch zu unsern Zeiten sehr viel Ungeweihete oder Unordinirte gethan ꝛc.“ „Ich weiß nicht anders, wiewohl ich nicht streiten will, denn daß auch Philippus am ersten allein zu der griechischen Lection berufen worden ist*), wie er denn auch darum von den Wittembergischen Bürgern und Bauern der Grek genannt worden ist; gleichwohl hat er auch Theologiam zu lesen angefangen, ja auch zu ordiniren die Prediger, so er doch nicht zum Kirchendienst ordiniret ist worden, welches gleichwohl in andern Kirchen nicht gewöhnlich.“ „Es ist jetzt gut Menio zu schreien und zu schreiben von der Vocation; aber zur Zeit des Interims und der Adiaphoristerei war schier Niemand so sehr geweihet und geschmieret, so geschickt oder so hochgelehrt, der gern hätte wollen die Wahrheit Gottes klar bekennen, die mancherlei Interim verdammen und widerlegen, geduldiglich dafür leiden ꝛc.“ So ist es also die Noth, welche Anlaß sein kann, sich der Lehre und Vermahnung aus Gottes Wort anzunehmen: aber inneren Antrieb, Recht und Gewalt in solchem Falle gibt die Zugehörigkeit zu Christus, die priesterliche Würde der Christen. „Erstlich entsagen alle Christen in der Taufe dem Teufel und allen seinen Werken und dagegen ergeben und verpflichten sie sich Christo, daß sie ihm allein dienen, seine Ehre und des Nächsten Heil, aufs beste sie immer können, suchen und für die Ehre Christi wider den Teufel und alle seine Gewalt aufs heftigste fechten und streiten wollen.“ „Ja, sagt Menius, die Taufe bringt nicht mit sich, daß du dich erheben solltest über alle Kirchen und Prediger und sie deines Gefallens regieren und reformiren. *) Melanchthon wurde erst am 19. Sept. 1519 zum Baccalaureus der Theologie ernannt und als solcher in die theologische Facultät aufgenommen. Aber schon während des vorhergehenden Jahres las er über den Brief an Titus. S. Matthes, Ph. Melanchthon S. 35.