# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1858_S44 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 44 „Luther oder Arndt!“ Reformationszeit. So fehlt es nicht und kann nicht fehlen nach solchen Prämissen: Dr. Luthers Schriften sind nicht bloß unsere Lieblingsstudia, unsere „lieblichen Gewürzgärtlein“ und diesseitigen himmlischen Paradisi, sie sind uns auch eine wider alle unsere Feinde wohl versehene Rüst⸗ und Waffenkammer, aus der wir Eines nach dem Andern hervorholen. Müssen auch unsere öffentlichen Organe, „der Lutheraner“ und „Lehre und Wehre“, oft und vielmals von Zeitungshelden unserer Tage Spott und kleinliche Kläfferei erfahren wegen der vielen Citate aus Dr. Luthers Schriften, so ficht uns das doch so wenig an, daß wir nicht allein unsere Rüstkammer immer fleißiger besuchen, sondern auch in dieser Beziehung den Ausspruch eines A. Harleß in seiner Vorrede zu seinen Thesen über „Kirche und Amt“ als einen herrlichen und köstlichen bezeichnen, wenn er dort pag. VIII. also schreibt: „Wenn ich dann ausführlicher Luther citire, so bitte ich, das nicht als ein bloßes Citat oder Aussage eines Andern anzusehen. Ich lasse Luther für mich reden, denn er redet besser, als ich zu reden vermöchte. Auch geht es mit Männern solchen Berufes, daß sie das, was sie für bestimmte Zeiten gesagt haben, durch providentielle Fügung wie für alle Geschlechter geredet zu haben scheinen. In diesem Sinne führe ich ihn ein.“ So heißt es auch im Buch „die Stimme unserer Kirche“ gleich in der Vorrede: „Wir, die Glieder der deutsch ev.⸗luth. Synode von Missouri, Ohio u. a. St. . . . . . sind darauf bedacht gewesen, aus Luthers Schriften besonders reichlich Auszüge zu geben; das wird gewiß keinem Leser auffallend sein, der mit uns durch Gottes Gnade erkannt hat, daß Luther und nur Luther — hier hörst du unsere Parole officiell ausgesprochen — „und nur Luther der von Gott berufene Reformator der Kirche gewesen ist, nach dessen Namen wir uns gern nennen lassen, nicht weil wir an ihn glaubten, sondern weil wir erkannt haben, daß die Lehre, welche er gepredigt hat, nicht seine Lehre, sondern das lautere Wort des ewigen Gottes ist.“ In Summa: So lange bei der öffentlichen Ausrüstung unseres Lehr⸗ und Zeugenamtes „Gottes Wort und Luthers Lehr'“ bei uns im Schwange geht, schallt und klingt, und insonderheit die Lehre vom Glauben nach unsers theuren Vaters und Meisters Art Alles, Alles durchsüßet, durchlebet, durchgeistet und regieret; so lange Dr. Luther bei uns lebt in seinen Schriften, in unsern Predigten, Catechesen, in unseren Liedern, bei unserem Strafen, Ermahnen und Trösten, in unsern heiligen Kämpfen und Streiten um des Herrn Sache: so lange ist noch keine Gefahr, daß wir erkannter Weise unsere Parole sollten schändlich und schmählich verlassen. „Nur Luther!“ Zum Andern ist es noch nicht erwiesen, daß bei uns die Lehre von der Heiligung und den, guten Werken in einem ungesunden und unlutherischen Verhältniß zur Lehre von der Rechtfertigung und dem Glauben stehe. Zeiht man uns auch so obenhin „einer erbaulichen Vielgeschästigkeit“, so heißt das doch nach unserm groben und ungelenkigen Verstande noch lange nicht so viel, als sei damit Alles bewiesen; wir müßten vielmehr ernstlich bitten, das schonende „personificirende Darlegen“ ein wenig bei Seite zu legen und lieber