# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1858_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 42 „Luther oder Arndt!“ seit 14 Jahren. Hätte er es auch hier in kirchlicher Diplomatie etwas verfehlt, so gibt ihm doch ein solches Fleckchen noch kein ander Gesicht, nicht die von Str. ersehene, unreformatorische „Physiognomie“, denn, das merke nun, geneigter Leser, 5 Jahre vorher schon, ehe Str. diese geschwärzte „Physiognomie“ ersieht, zeugt der Lutheraner entschieden wider die Arndt'sche Richtung. Es heißt im Jahrgang 7. No. 3. pag. 17 und 18 also: „Wenn man nun zugeben muß, daß besonders bald nach der Reformationszeit die ganze Weise im Predigen und in der Uebung des Katechismus eine andere geworden sei, so ist doch der Grund davon nicht sowohl in der Unvollständigkeit der alten Kirchen⸗ und Schulordnungen und noch weniger in einer gewissen Einseitigkeit des reformatorischen Verfahrens zu suchen, denn es waren ja namentlich treffliche Muster genug vorhanden, die Schuld lag an denen, die diesem Vorbild nicht folgten. Es kam eine andere Lehrweise auf, die mehr der schwerfälligen Rüstung Sauls glich, als der leichten aber sichern Schleuder Davids; die ganze Anlage in Predigten wurde gekünstelt und in gewisse Schulregeln eingezwängt; des geschichtlichen Grundes wurde vergessen und an dessen Stelle trat eine trockene Ueberlieferung der Lehrartikel; über den nöthigen Streit gegen allerlei falsche Lehre wurde die Erbauung in der rechten Bahn versäumt; man suchte dem überhandnehmenden Ueberdruß an dem einfachen Gottesworte durch allerlei Geschichtchen und andere Zuthaten vorzubeugen, auch die Sprache wurde holprichter und immer unähnlicher der kraftvollen eigenthümlichen Kirchensprache Luthers. Der Einfluß, welchen J. Arnd's Richtung auf die Behandlung der Predigt und des Katechismus hatte und die schon vom Jahre 1605 an zu datiren ist, in welchem das 1. Buch seines wahren Christenthums erschien; dieser Einfluß ist in jenem werthvollen Aufsatze (Dr. Kliefoth's über Predigt und Katechese in der Vergangenheit und Gegenwart der lutherischen Kirche) gar nicht berührt werden, da doch aus dieser Richtung die Spenersche hervorging; die letztere aber ist so treffend und freimüthig dargestellt worden, daß man wünschen muß, recht bald eine ähnliche Schilderung der Arnd'schen und namentlich auch unserer neuesten Zeiten zu bekommen. Wie sich doch die Zeiten hinsichtlich des Urtheils über die Zeit ändern! Wer vor 10 Jahren sich so über die Spenersche Richtung geäußert hätte, der würde ohne Zweifel von pietistisch gesinnten Lutheranern für einen in blindem Eifer befangenen Antipietisten und darum auch für einen Antilutheraner erklärt worden sein. Gott gebe, daß auch in den beiden andern Beziehungen bald die Zeit kommen möge, wo man endlich einmal frei herausredet.“ Ein ähnliches Zeugniß wider die Spener'sche, und natürlich inclusive auch wider die Arndt'sche Richtung, findet sich auch schon im 5. Jahrgang des „Lutheraners“, pag. 189, obwohl daselbst der Name Arndt's nicht speciell genannt wurde. — In Summa: unsere zweite Schlacht wider Str. ist ebenso siegreich als die erste. Unser Ruhm ist der, daß wir stets den