# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1858_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 40 „Luther oder Arndt!“ betrachtet, scheint uns das das Gefährlichste zu sein, daß in solchem Buch viele Schriftstellen, die der theure Dr. Luther mit Recht also handelt, dadurch „des Glaubens Trost“ zu stärken, aufs Leben und die Lebensgerechtigkeit gezogen werden. So wird eine ungesunde Exegese für das Volk befördert; ja, so wird für dasselbe die specifisch Arndt'sche Richtung in die liebe Bibel selbst hineingetragen. 4.) Wider die, so da sagen: Arndt's Weise finde ihre Berechtigung in dem seiner Zeit so nothwendigen Kampf wider die todte Orthodoxie, behaupten wir, daß Dr. Luther die Lehre der Lebensgerechtigkeit viel schärfer und gewaltiger treibt, als es Arndt immer möglich gewesen, a) weil solche Lehre und Vermahnung lebendig und recht schriftgemäß aus dem Grund des Glaubens fließet, und b) er die Nothwendigkeit, das Gesetz Gottes nach seinem 3. Brauch unaufhörlich zu handeln, eben so gut, ja vielmehr ohne Zweifel besser, als Arndt erkannte. Hiezu erinnere man sich nur des seligen und hohen Streites des theuren Gottesmannes Dr. Luther wider die Antinomer und frage sich, wer die Lehre „vom Beruf“ in Predigten und sonstigen Schriften fleißiger und praktischer treibt, als eben der alte auch in dem Stück unübertreffliche Reformator. 5.) Sagen wir auch von ganzem Herzen mit Neumeister von dem Verfasser des „wahren Christenthums“: „er war ein frommer, unsträflicher, gottseliger Theologus, und ist ihm wohl nie ins Herz gekommen etwas Irriges zu schreiben“; rühmen wir auch gebührend, daß „er, ehe er ein Haarbreit von der Wahrheit abweichen wollte, sich lieber von den Calvinischen hat verfolgen und ausjagen lassen“; ja stellen wir ihn auch hinsichtlich seiner bekenntnißtreuen Demuth den „Buffaloer Unfug“⸗Treibern, „den Cryptopapisten“ als Exempel und Muster dar (wie es im „Lutheraner“ geschehen), da Grabau aus Neumeisters Mund also schreibt: „Da er auch wegen verdächtiger Redensarten erinnert wurde, nahm er's an mit sanftmüthigem Geiste, gestund die Fehler (!!!)“: so kann doch das auch nicht verschwiegen werden — jeder, der mit Fleiß anfängt, Luthern zu studieren, muß es ja mit uns bekennen —, daß die ganze Lehrweise Arndt's nicht mit der guten, alten, kirchlich⸗lutherischen übereinstimmt. Seine Phrases und Modi loquendi sind andere. Ihm fehlt die Kirchensprache. So ist es nach unserer unmaßgeblichen Meinung auch nicht ungerecht, die große Verbreitung des Arndt'schen „wahren Christenthums“ wenigstens zum Theil von der gesetzlichen, dem natürlichen Menschen freilich besser behagenden Richtung herzuleiten, obwohl man das Haschen der Secten und Schwärmer nach Arndt's 6 Büchern füglich also mildernd deuten kann, daß solche Hummeln nur das Ihre im Arndt suchen und nicht den ganzen Arndt. Sollte solches Urtheil wirklich einem oder dem andern Leser zu schroff dünken, so fange er nur mit Ernst an, der Sache nachzuforschen; er werde ein Schüler Dr. Luthers und setze sich zu seinen Füßen, so wird er es selbst bekennen, „es will sich nicht recht reimen zu Arndt's Art und Weise“; oder vielmehr umgewandt: „diese nicht zu jenen.“ Das ist unsere erste Schlacht wider Str., indem wir