# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1858_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) „Luther oder Arndt!“ 37 nennen mag) hinauskommende Welt⸗ und Lebensbetrachtung, statt bekenntnißmäßig zu lehren, es vorzieht, ihre Bekenntnißwidrigkeiten symbolisch deuten zu lassen. Davon weiter zu sprechen ist hier nicht der Ort; unserm amerikanischen „„Lutheraner““ gereicht es aber auch nicht zum Vortheil, daß er Luther und Arndt Arm in Arm, als verstände sich das von selbst, mit einander wandeln läßt. Er hat dadurch neben der ursprünglich reformatorischen auch noch eine andere Physiognomie erhalten: jene erbauliche Vielgeschäftigkeit, die, wenn je, so gerade jetzt Bedenken erregen muß; — sehen wir doch, daß Leute, wie Bunsen, die am christlichen Glauben Schiffbruch gelitten haben, nicht Schmähworte genug gegen die evangelisch⸗lutherische Kirche ob ihres Mangels an gewerblicher Gottseligkeit (1 Timoth. 6, 5.) zu finden wissen. So betrübt es uns denn, daß auch der „„Lutheraner““ des frommen Zeitgeistes „„Gaukelsack““, die Mission, handhabt, ohne zu bedenken, daß die beiden stammverwandten Namen Missa und Missio die fruchtbaren Mütter aller kirchlichen Werkrumpelei sind. Die Messe hat's Alles regiert, klagte Luther, — die Mission regiert's Alles, klagt die tägliche Erfahrung. — Eine oberflächliche Betrachtungsweise könnte freilich schnell sagen, vom Standpunkte des „„Lutheraners““ sei es sehr leicht, über die gerügten Punkte die zufriedenstellendste Erklärung zu geben. Ja, wenn nur erklärende Worte den Lauf der Dinge aufzuhalten oder zu ändern vermöchten! Sehe nur jeder selbst, wie sich das Evangelium seit hundert Jahren Bahn gemacht hat. Etwa durch gütliche Versicherungen und Transactionen? Nein, unter harten Kämpfen zuerst mit der Verdummung der Aufklärer, dann mit der pietistischen Frommthuerei, hernach mit dem Unionsgreuel, und endlich mit der Kirchen⸗ und Amtstreiberei. Und überall ließen es die Gegner an glänzenden Worten nicht fehlen, um sich als „„Brüder““ der Evangelisch⸗Lutherischen zu dokumentiren, und klagten laut über deren ungefügen Sinn, wenn der Gang der Ereignisse die Trennung des nicht zusammen Gehörigen consolidirte. So und nicht anders wird es auch hier in der erwähnten Angelegenheit kommen. Der noch nicht ausgefochtene Amts⸗ und Kirchenstreit verdeckt vor der Hand noch die wahre Lage der Dinge, aber hinter ihm lauscht bereits erkenntlich genug die Frage: Luther? oder Arndt? (man formulire sie, wie man wolle) hervor. Ihre Beantwortung wird keine friedliche sein; die Zahl derer, welche den unerschrockenen Mitstreiter gegen Heidenthum, Pfaffenthum und Cäsarenthum neben den Reformator stellen, ist in beiden Hemisphären nicht gering und die dahin gehörenden Persönlichkeiten sind achtunggebietend; schmerzlicher und schädlicher als in den bisherigen Kämpfen wird der Riß werden, den jene Frage unter den Bekennern der Augsb. Conf. verursachen wird und den aufzuhalten doch in keines Menschen Macht steht. Auch wäre es für die Zukunft der evangelisch⸗lutherischen Kirche nichts weniger als heilsam, wenn jene Frage ohne gründlichen Austrag bliebe; so gewiß es unserer kirchlichen Zukunft nur zum Segen gereichen wird, daß sie geläutert durch die rationalistischen, pietistischen, unionistischen und Amts⸗Kämpfe aus der Gegenwart