# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1858_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 „Luther oder Arndt!“ nung dieses Vorwurfs in der Vorrede über das erste Buch vom wahren Christenthum: „„Es ist der erste Artikel von der Rechtfertigung des Glaubens in diesem, sonderlich aber im andern Buche also geschärfet, und so hoch getrieben, als es immer möglich!““ Wohl! Aber statt daß nun diese gewaltige evangelische Hauptlehre den ganzen übrigen Inhalt des „wahren Christenthums““ durchdringen und regieren sollte, steht sie einflußlos, isolirt da, und Gesetz und Mystik führen das Regiment; weshalb Neumeister mit Recht bemerkt, Arndt sage „„fast wenig vom Glauben.““ Denn so wie er den Artikel von der Rechtfertigung episodisch abgehandelt hat, eilt er, fröhlich wie Einer, der ein unliebsames Werk ein für allemal abgemacht, wieder an sein nur momentan unterbrochenes Geschäft, Mosen und Weigeln zu treiben. Aber Arndt will doch, nach dem obigen Citate des „„Lutheraners,““ seine ganze Schriftstellerei nach den symbolischen Büchern verstanden wissen? Es ist jenes Citat, nicht die einzige, nicht einmal die bestimmteste Stelle, wo er das verlangt. Er spricht sich gleichermaßen noch in der Vorrede über das 4te Buch aus und in der Vorrede zum ersten Buch heißt es: „„Ich protestire hiemit, daß ich dieß Büchlein, gleichwie in allen andern Artikeln und Punkten, also auch in articulo de libero arbitrio, justificatione peccatoris coram Deo nicht anders, denn nach dem Verstande librorum symbolicorum Augustanae confessionis, als da sind die erste unveränderte Augsburgische Confession, Apologia, Schmalkaldische Artikel, beide Catechismi Lutheri und Formula Concordiae, will verstanden haben.““ Ich bekenne offen, daß ich eine solche Art der Berufung auf die symbolischen BB., die mir bei keinem unserer glaubenstreuen Theologen je vorgekommen ist, gar nicht verstehe, dieselbe vielmehr für das lächerlichste und doch gefährlichste Ding halte, — für das lächerlichste, weil es sich, genau betrachtet, in dem Köhlerglaubensringe herumtreibt (ich glaube, was das Kirchenbekenntniß glaubt, und dieses glaubt, was ich glaube, — was aber das Bekenntniß glaubt, kann man nicht aus meinen Worten, und was ich glaube, nicht aus den Worten des Bekenntnisses ersehen; — denn so steht doch faktisch das Verhältniß zwischen den symbolischen Büchern und den Büchern Arndt's „„vom wahren Christenthum“ “), — für das gefährlichste, weil es allen Irrthümern den Eingang in die Kirche öffnet; denn mit gleichem Rechte wie Arndt könnten auch die Rationalisten, Unionisten, Pantheisten verlangen, daß man ihre Schriften der Augsburger Confession u. s. w. gemäß verstehe; würde damit nicht die Irrlehre, ohne nur einen Buchstaben zu widerrufen, mit einem Schlage für rein und orthodox erklärt? Ich wenigstens kann mich nicht überzeugen, daß die doctrinelle Reinheit der symbolischen Bücher die mangelnde Orthodoxie der Kirchenlehrer vertreten und ersetzen könne. Im Gegentheil glaube ich, solchen Vorstellungen sei mit allem Nachdruck entgegen zu treten, namentlich in Deutschland, wo eine evangelisch und lutherisch sein wollende, aber in der That nicht über Mosen und Weigeln (oder wie man die aus eigenen Geistestiefen oder Seichtigkeiten schöpfende, fromm⸗speculative Beschauung sonst