# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1858_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) „Luther oder Arndt!“ 35 Wahrheit abweichen wollte, sich lieber von den Calvinischen verfolgen und ausjagen lassen. Da er auch wegen verdächtiger Redensarten erinnert wurde, nahm er's an mit sanftmüthigem Geiste, gestund die Fehler, und protestirte mündlich und schriftlich, daß er seine Bücher anders nicht, als nach der heiligen Schrift und unsern symbolischen Kirchenbüchern verstanden haben wollte. Allein der liebe Mann hatte auf Universitäten nicht Zeit gehabt, einen festen Grund in der Gottseligkeit zu legen. Denn er hatte erst Medicinam studirt, und des theologischen Pfuschers Paracelsi Schriften fleißig gelesen, mithin die Liebe zu andern mystischen Büchern eingesogen. Weil denn diese unter schönen, hohen, tiefsinnigen und neu gemachten Worten viel Unreinigkeit in sich stecken haben, und auch schwärmerische Schriften mit dergleichen losem Kalk übertünchet sind, so war bei dem guten Arndtio, da er sich hernach auf die Theologie applicirte, manches kleben geblieben. Was denn nun seine Bücher vom wahren Christenthum insonderheit anbelangt, so leugnet er selber nicht, daß unvorsichtige Redensarten darin eingeschlichen, und gesteht, daß er zwölf Capitel aus dem General⸗Schwärmer Weigelio genommen, von dem er aber nicht gewußt, daß er im bemeldeten Buche fast wenig vom Glauben saget, ohne welchen doch kein wahres Christenthum sein kann, sondern es am meisten und fast durchgehends auf ein unsträfliches Leben bauet .... Doch dieses möchte noch hingehen, wenn nur das Buch von ungesunden Redensarten rein wäre. Ob man wohl die meisten zur Noth entschuldigen und ihnen mit einer bequemen Auslegung abhelfen kann, so finden sich dennoch welche, die mit der Aehnlichkeit des Glaubens und dem Fürbilde der heilsamen Lehre nicht bestehen, und daher unmöglich gut geheißen werden können. Meinen wir nun nicht, daß bedächtige und vorsichtige Theologi Ursache gehabt, wegen dieses Buches Erinnerung zu thun? So sage ich demnach, wenn es Leute von geübten Sinnen lesen, können sie es wohl brauchen, und das, was ihnen anstößig fällt, leicht aus dem Weg räumen; bin aber auch gänzlich bei mir selbst beredet, weil es von einem schweren Stylo, und mit vielen hohen und dunkeln Redensarten angefüllet ist, daß es die Einfältigen nicht verstehen noch den vermeinten Nutzen daraus schöpfen werden.““ — Bei aller Apathie gegen den Buffaloer Unfug kann ich doch in obiger Aeußerung nur die allgemeine Stimme der echtlutherischen Vorzeit, und in den vorher angeführten Erklärungen des „Lutheraners“ ein Abweichen davon, ein stillschweigendes Protestiren dagegen erkennen. Es liegt hier unbestreitbar eine principielle Differenz vor, die ich aber aus schonender Rücksicht bloß personificirend darlegen will. Nach dem „Lutheraner“ muß gesagt werden: Luther und Arndt! Von unsern gläubigen Vorfahren aber wird alternativ gefragt: Luther? oder Arndt? Von ihnen ist Arndt nie unter die normal „treuen“ Kirchenlehrer gezählt worden; daß man's heute, und nicht bloß in Amerika, sondern vielleicht noch vielmehr in Deutschland, thut, zeugt eben von der Disharmonie, in der man sich mit der kirchlichen Vorzeit befindet. Arndt ist kein Lehrer im Sinn und Geist der Reformation. Nun behauptet er freilich zur Ableh⸗