# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Gottes, sondern entweder reines Menschen⸗ oder Teufelswerk sei, und die mit Leitung desselben betrauten Männer entweder Betrüger oder Betrogene, getäuscht entweder von pur menschlicher Einbildung oder satanischem Einflusse. Diese Erklärung sollten sie sub fide sacerdotali (also eidlich) mit Ja und wahr und eigenhändig geschrieben und unterschrieben abgeben und öffentlich (von allen Kanzeln des Bisthums nämlich) zu bekennen bereit sein. Es wurde kein Vermittlungsversuch angenommen, sondern nur die Wahl zwischen unbedingter Unterwerfung und Excommunication gelassen. Aber schon den ersten Satz, daß außer der römischen Kirche kein Heil sei, also die Vielen, welche der morgenländischen Kirche angehören, desselben verlustig gehen ebensogut wie die Glieder der übrigen abendländischen Kirchen, daß dieselben trotz Taufe, Glaube u. s. w. ewig verloren seien, daß also außerhalb der römischen Kirche der heil. Geist nicht wirke und wirken könne und dgl., konnten sie mit gutem Gewissen nicht anerkennen. Sie glaubten dabei bleiben zu müssen, daß Taufe und Glaube, es sei in welcher Kirche es wolle, des Heils theilhaftig mache und der heil. Geist zumal in unsern Tagen auch außerhalb der römischen Kirche ungewöhnlich wirksam sei. Als Wirkung desselben sähen sie denn auch jenes Werk an. Darauf erfolgte denn die Excommunication. Man hat sich aber nicht begnügt, diese Irvingianer zu excommuniciren und die Priester abzusetzen, sondern das Domkapitel hat auch die Polizei gegen Letztere zu Hülfe gerufen. Auf Antrag des Ordinariats wurden Pfarrer Fernsemer aus Augsburg und Kammerer Fischer aus Neu⸗Ulm polizeilich ausgewiesen und je in ihre Heimathsorte der Art confinirt, daß keiner derselben einen Spaziergang in ein benachbartes Dorf machen darf, ohne von der Polizei wie ein gemeiner Verbrecher aufgegriffen und transportirt zu werden. Man sieht hieraus, wie aus den weitern Anweisungen, welche den Polizeibehörden in Betreff der Ueberwachung irvingianisch Gesinnter oder irvingianischer Agenten gegeben wurden, daß das bischöfliche Ordinariat die von daher drohende Gefahr nicht als eine verächtliche ansieht und behandelt. Wir hören von einer weithin gehenden Erregung des jüngern Klerus im schwäbischen Kreise Bayerns. Ob irvingianische Neigungen derselben zu Grunde liegen, ist uns unbekannt. Aber der Irvingianismus ist darum der römischen Kirche nicht ungefährlich, weil er die principiellen Anschauungen von Kirche, Amt, Priesterthum, Ordination, Sacrament u. s. w. mit ihr theilt, also nicht eine völlige Principänderung, sondern nur eine theilweise Modification der Principanwendung involvirt, für die Wunderlichkeiten aber, deren Annahme er zumuthet, durch die Wahrheitsmomente entschädigt, die er bringt. Ohne Zweifel aber ist das neue Mariendogma ein Factor in jener Bewegung und es möchte sich vielleicht noch einmal folgereich herausstellen, wie dasselbe statt die römische Kirche zu stärken, diese vielmehr zu erschüttern beigetragen. Löhe hat ein Schreiben eines Frankenmuther Gemeindegliedes erhalten, welches er in seine Mittheilungen aufgenommen hat. Es heißt darin u. A. wie folgt: Werden Sie nicht verdrießlich, daß ich von lauter solchen Sachen schreibe, die für Sie wenig Werth haben! Von kirchlichen Sachen schreibe ich nichts, weil ich weiß, daß Ihnen darüber von andern Seiten her viel reichlicher mitgetheilt wird, als ich es thun kann. Was mich anbelangt, so lebe ich mit unserer theuren Synode auf Einem Bekenntniß; was sie trifft, trifft mich auch, was sie erfreut, erfreut mich auch. Doch ein Gedanke ist mir schwer und mit einem tiefen Seufzer vermischt, wenn ich daran gedenke, daß Sie so fern von uns und unserer Synode stehen. *) Ich kann zwar nichts anders thun, als ein Vater Unser dafür beten und mit Paul Gerhardt singen: „So gieb doch deine Gnad' zum Fried' und Liebesbanden, verknüpf' in allen Landen, was sich getrennet hat.“ Als ein einfältiger Laie kann ich für meinen Theil nichts besseres herausfinden, als daß ich mich zu den Bekenntnißschriften halte, welche uns unsre Väter so theuer erworben haben. Ich will nichts dazu und nichts davon thun; will auch keinen schönern Himmel haben, als meine Väter. Ich will auf ihren Glauben, so Gott Gnade giebt, leben und sterben, auch Gut und Blut darüber lassen, wenn es sein muß, und somit das Versprechen erfüllen, was ich Ihnen vor zwölf Jahren gethan habe, als Sie zu uns sagten und uns gleichsam mit auf den Weg gaben: Weichet nicht von eurem Bekenntniß, auch nicht ein Jota ab. Das helf uns Gott! *) Scheinbar! (Bemerkung Löhe's.)