# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. alle Ministerialacte, der Diakonus allein predigen, katechisiren und taufen könne, und zwar dies Alles auf Grund der Schrift, also jure divino — in diesem Punkte weder mit der Lehre und Praxis der apostolischen und ursprünglichen lutherischen Kirche, noch mit dem geschriebenen Worte Gottes übereinstimme. Es ist eine Freude zu sehen, daß in einer Synode, wie die Tennesseeer, wo die gesunde Lehre lebt, alles Ungesunde, was sich im Laufe der Zeit eingeschlichen hat, sich nicht für die Dauer behaupten kann, sondern wie ein Splitter in einem lebendigen Leibe ausgestoßen wird. Gott stärke die theuren Männer, welchen Gott Gnade gibt, das fremdartige, welches sich angesetzt hat, zu sehen, daß sie es mit ebenso unerbittlicher Entschiedenheit als Weisheit und Liebe zu entfernen suchen. Eine neue Synode wurde am 1. Decbr. v. J. in Middletown, Md., unter dem Namen „Melanchthon⸗Synode der Ev.⸗Luth. Kirche“ organisirt. Sie freut sich sehr, nicht durch geographische Eintheilung, welche sie für unnatürlich und mit den allgemeinen der materiellen und moralischen Welt unverträglich ansieht, sondern durch Wahlverwandtschaft („elective affinity“) zusammengeführt worden sei. Das Bekenntniß der neuen Synode ist das der berüchtigten Platform, nur daß diese nicht ausdrücklich genannt und von den in derselben gerügten angeblichen „Irrthümern“ der Augsb. Confession gesagt wird, daß „man von ihnen sage, sie seien darin enthalten.“ Das sichtbare Oberhaupt dieser neuen Kirche scheint Herr Dr. Aug. Kurz zu sein. Der „Olive Branch“, ein von Dr. Harkey in Springfield, Illinois,, in Gemeinschaft mit den dortigen Professoren herausgegebenes Blatt, ist im neuen Jahre in vergrößerter Form erschienen. Den Geist jedoch betreffend, solls, heißt es, darin beim Alten bleiben. Herr Dr. Harkey schreibt: „Der „„Olive Branch“ “ kann an der sogenannten Plattform⸗ und symbolischen Streitigkeit nicht Theil nehmen .. Gibt es irgend einen Gegenstand, der unserem Herzen näher liegt, als ein anderer, so ist es die Vereinigung aller Theile der luth. Kirche in diesem Lande .. Der Grund zu dieser Vereinigung ist, wie wir glauben, in unserer Generalsynode gelegt, und hier haben wir immer gestanden und werden wir immer stehen. Wir haben keine Zeit zu disputiren und unsere Kräfte in nutzlosem Controversiren zu verschwenden. Wir haben ein zu großes Werk in unseren Händen. Zehntausende von unseren eigenen Kindern gehen verloren aus Mangel an Brod des Lebens (nichts zu sagen von der Heidenwelt), während manche nußlos streiten über unwesentliche Punkte. Es ist dies beides Schande und Sünde für uns, und wir sind entschlossen, zu thun, was wir können, um die Kirche davor zu bewahren.“ — Es ist dies gewiß eine betrübte Sprache von einem Doctor der Theologie. Die Punkte also, um welche sich der die Platform betreffende Streit bewegt, sind ihm „unwesentliche.“ Er will eine äußerliche Vereinigung der lutherischen Kirche, die innere kümmert ihn nicht. Ein heuchlerisches gemeinsames Tragen des lutherischen Namens bei Verwerfung der lutherischen Lehre und ein darauf gegründetes Zusam⸗menwirken, das ist es, was er anstrebt und dafür er seine Kräfte verzehren will. Ob Gottes Wort rein gepredigt oder verfälscht wird, das ist ihm gleichgültig; ja, dafür streiten, daß das Brod des Lebens nicht vergiftet werde, das ist ihm „Sünde und Schande“! Anstatt dessen widmet er seine Kräfte lieber dem großen Werke — daß das Brod des Lebens den verschmachtenden Seelen gebrochen werde; gleichviel ob mit oder ohne Gift. Davon sagt er freilich nichts, daß niemand mehr und aufopfernder für die verwahrlosten „eignen Kinder“ gearbeitet hat, als eben die, denen es ein Ernst ist, ob dem Glauben auch zu kämpfen, der einmal den Heiligen vorgegeben ist. II. Ausland. Rheinpreußen, Baden und Nassau. Von diesen 3 Ländern schreibt „Freimund“, daß sich in denselben erst 7 Pastoren öffentlich von der Union losgesagt und zur lutherischen Kirche bekannt haben. Dr. Irmischer, der die Erlanger Ausgabe der deutschen Werke Luthers fast ganz, sowie die lateinischen zum größten Theile besorgt hat, ist vor Kurzem gestorben. Er hat, wie das Sächs. K. und Schulbl. richtig bemerkt, mit jenem Werke Luthern ein würdigeres Denkmal gesetzt, als das im Voraus projectirte werden mag.