# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Menius und Flacius im Streite über Amt und Priesterthum. 25 Flacius war den Wittenbergern und ihren Freunden, zu welchen auch Menius gehörte, durch seine Entschiedenheit höchst lästig geworden. Man erinnerte sich, daß er als ein armer Fremdling nach Wittenberg gekommen, und beim Ausbruch der Streitigkeiten nichts anderes als Lector der hebräischen Sprache gewesen sei, also gar nicht einmal zur theologischen Facultät gehört, noch sonst jemals ein kirchliches Amt begleitet habe. Aber trotzdem bleibt es verwunderlich, daß Menius aus diesen Umständen einen Grund der Anklage gegen ihn hat entnehmen können. Der Vorwurf, den Menius ihm machte, und die Veranlassung zu den, von uns vorzulegenden Aeußerungen über Amt und allgemeines Priesterthum ist folgender*): Flacius habe zu seinem frevlen und vermessenen Vornehmen gar keinen Beruf noch Befehl, weder von Gott noch von Menschen. Sein frevles und vermessenes Vornehmen aber sei dies, daß er sich anmaße und unterstehe, über alle Kirchen⸗ und Schul⸗Diener, Pfarrherrn, Prediger, Professoren ꝛc. Meister und Richter zu sein, und dieselbigen zu rechtfertigen und zu reformiren. Daß er von Gott zu seinem thürstigen, frevlen und vermessenen Vornehmen nicht berufen sei, noch dessen einigen Befehl empfangen habe, begründet Menius folgender Weise: „Alle die von Gott von Anbeginn der Welt zu sonderlichen Aemtern berufen sind, die sind berufen entweder durch Mittel der Menschen von Gott selbst. Von Gott sind ohne Mittel der Menschen berufen die heiligen Väter und Propheten, Abraham, Moses, Samuel, Johannes der Täufer, Paulus und die andern Apostel, welchen allen Gott beides durch sein Wort und Wunderthaten ihres Berufs hat Zeugniß gegeben, daß Jedermann erkennen und bekennen müsse, daß sie wahrhaftig von Gott gesandt wären.“ Dieser Beruf aber hat länger nicht währen sollen, denn bis daß Chri⸗stus kommen und in aller Welt würde geoffenbaret werden; denn um den allein ist es auch alles zu thun gewesen, daß Gott die Propheten erweckt und gesandt hat, die von seiner Zukunft, Amt und Reich der Welt verkündigen sollten. Nach den Propheten hat er Johannes den Täufer sammt den Aposteln berufen, welche alle dazu sonderlich erwählet und verordnet worden sind, daß sie in aller Welt zeugen und predigen sollten, daß durch ihn alles erfüllt wäre, was Gott von ihm und durch ihn dem menschlichen Geschlecht zu seinem Heil und Seligkeit verheißen hatte.“ „Nachdem aber Christus nun erschienen und alles, was die Propheten von ihm geweissagt haben, erfüllet hat, so hat es mit dem Prophetenamte auch aufgehört. — Und nachdem der HErr Christus ihm auch eine gewisse Anzahl der Apostel erwählet, welche in aller Welt bis an den jüngsten Tag von ihm zeugen sollten, deren Namen auch im Evangelio beschrieben sind, also daß durch derselben Zeugniß alle die da wollen selig werden, an Christum gläuben sol⸗ *) Verantwortung Just. Menii, gedr. z. Wittemberg. 4. Bog. G. Bl. 4. und ff.