# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 (Aus der Erlanger Zeitschrift.) Menius und Flacius im Streite über Amt und Priesterthum. Der Streit zwischen Menius und Flacius über das Verhältniß des allgemeinen Priesterthums und des öffentlichen Predigtamtes zu einander ist meines Wissens der erste, welcher zwischen lutherischen Theologen über diesen Punkt geführt worden ist. Schon um deßwillen wäre es der Mühe werth, ihn zur Darlegung und Beurtheilung zu bringen. Aber noch zwei andere Umstände machen denselben wichtig: erstens sind die beiden Männer, die ihn führen, noch Zeitgenossen Luther's gewesen und berufen sich auf dessen Schriften; zweitens gilt der eine von ihnen, Flacius, in den Streitigkeiten, die nach Luther's Tod entstanden sind, als der bedeutendste Vertreter lutherischer Anschauungsweise. Man darf nun freilich bei keinem von beiden Männern eine wissenschaftliche Durchführung der benannten Frage erwarten. Dieselbe hatte dazumal noch nicht das Gewicht, das ihr heut zu Tage beigelegt wird. Sie knüpfte sich an die Person des Flacius, an dessen Stellung und Auftreten in den Streitigkeiten, welche damals die lutherische Kirche bewegten und zerrissen. Unter der Form eines sittlichen Vorwurfs gegen Flacius stellt sich die Ansicht des Menius, unter der Form einer Vertheidigung die des Flacius dar. Der Streit entfaltete sich nicht über dieses persönliche Gebiet hinaus zur allgemeinen Untersuchung der verschiedenen Principien, die er enthüllt hatte Flacius der Illyrier war durch die Entschiedenheit und Kraft seiner Kampfes gegen die Concessionen, welche die Wittenberger Schule aus Furcht vor dem Kaiser dem Pabstthum im Leipziger Interim gemacht hatte, deren bedeutendster Gegner und der Vorfechter streng lutherischer Lehre geworden. Wir wissen, wie aus dem Streite über das Leipziger Interim und die Adiaphora oder Mitteldinge andere Streitfragen sich abzweigten; von diesen gab die Lehre Major's: „gute Werke seien nothwendig zur Seligkeit“, Anlaß zu dem Streite zwischen Menius und Flacius. Flacius hatte nämlich am Ende einer Schrift „von der Einigkeit“, die er im Jahre 1556 herausgab, die Anklage erhoben: „Es regen jetzt Major und Menius in ihren gedruckten Büchern wiederum den Irrthum: daß gute Werke zur Seligkeit nöthig seien; daß deßwegen zu besorgen ist, das letzte Unglück werde ärger, denn das vorige.“ Dieser Anklage suchte hierauf Menius in einer äußerst heftigen Schrift „Verantwortung J. Menii. 1557 (1556?)“ zu begegnen. Hierauf wurden in rascher Folge noch im Jahre 1557 drei Streitschriften gewechselt. Flacius schrieb: „Die alte und neue Lehre J. Menii zu einem Vortrab“, und Menius seinen „Bescheid auf den Vortrab,“ worauf dann Flacius in seiner „Apologia auf zwei unchristliche Schriften J. Menii“ seine Anklage zu erhärten und die Angriffe, die er erfahren hatte, abzuweisen bestrebt war. Damit endete der directe Schriftenwechsel zwischen Menius und Flacius. Nun zur Sache selbst.