# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die römische Kirche. 23 Abel'schen Regiments gebracht! Sie ist ihrem Feinde heute noch Dank schuldig. Denn er hat sie genöthigt, sich aufzuraffen, ihre Kräfte zu sammeln, sich ihrer selbst bewußt zu werden, gegen den Druck zu reagiren u. s. w. Der Protestantismus in Oestreich bedarf dessen noch viel mehr. Denn es scheint allerdings vielfach traurig genug mit ihm auszusehn. Es ist eine Unverschämtheit, wenn an einem Gymnasium in Wien von Rektoratswegen den evangelischen Schülern der Rath gegeben wird, den katholischen Religionsunterricht zu besuchen, und darnach der Fortgang in der Schule mit bestimmt wird. Aber es kann doch zur Aufforderung dienen, dafür Sorge zu tragen, daß die Begründung jener Aufforderung: weil sich die evangelischen Schüler in der Religion so unwissend zeigten, daß es ihnen nur heilsam sein könne, vom, wenn auch katholischen Religionslehrer etwas zu lernen, fortan unmöglich werde. Es ist eine Unverschämtheit, wenn in der katholischen Presse Protestanten und Juden zusammengestellt werden, gegenüber den Katholiken. Aber wie so manchmal stellen sich jene selbst in ihrem Bewußtsein mit den Juden zusammen, als gleicherweise Gedrückte und gleicherweise Liberalgesinnte. Aergert man sich aber über diese Zusammenstellung, so mache man sie unmöglich durch stärkere Betonung des positiven christlichen Bekenntnisses. Daß aber auch hier die äußere Machtstellung der römischen Kirche nicht wahrer Ausdruck eines vollentsprechenden innerlichen Einflusses sei, ist aus vielen Zeichen erkennbar. Der herrschende Geist z. B. Wiens ist zwar nicht wie norddeutscher protestantischer Städte Rationalismus, dafür aber Materialismus. Ich wüßte nicht, daß dieser so viel besser wäre als jener. Und daß auch jener nicht fehlt, ist gewiß. Vor etwa zehn Jahren gestand mir ein Kenner der Wiener Zustände, daß die wissenschaftliche Jugend Wiens zur Hälfte der Richtung von Strauß und Feuerbach angehöre — trotz Censur und Bücherverbot. Dies Urtheil hat seine faktische Bestätigung erhalten in der „Wiener Aula“ zur Zeit der bald darauf folgenden Revolution. Schwerlich hat seitdem eine weitgreifende innere Bekehrung stattgefunden. Die bedeutsame und edle Reaction Günther'scher Philosophie aber hat der Einfluß der Jesuiten auf den Index und in Verruf zu bringen gewußt. In überraschender Weise haben sich in der letzten Zeit die Uebertritte römischer Geistlicher und Mönche zum Protestantismus gemehrt. Und es sind nicht die Unedelsten des östreichischen Clerus, welche ihr Amt aufgaben oder Klosterhaft erduldeten und das Wagniß der Flucht unternahmen. Unter den 800 Con⸗vertiten, welche in Schlesien jährlich zur evangelischen Kirche übertreten pflegen, sind nicht Wenige aus Oestreich. —