# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Die römische Kirche. fehlen, seine eigene Person als Preisgewinn zu dreitägiger Verfügung, sei es zum Predigen oder zu irgend einer religiösen Leistung, anbietet. Welche die Glückliche gewesen, ist uns nicht bekannt geworden. — In den wechselnden Geschicken Frankreichs im vergangenen Decennium hat sich die römische Kirche dort zur Ceremonienmeisterin entwürdigt, den Kaiser aber und seinen Sohn mit blasphemischen Reden und Gedichten verherrlicht. Welche zerrüttete Zustände aber im Innern des Clerus vorhanden seien, ist an der Gräuelthat Verger's, des Mörders des Pariser Erzbischofs offenbar geworden. Er ist nur der krasseste Ausdruck einer weit verbreiteten Erbitterung des niederen Clerus gegen den Episcopat, der sein Echo gefunden bis nach München, wo ein zeitungschreibender Priester seine That zur Warnung gegen den Episcopat gebrauchte, und nach Neapel, wo ein Priester, Verger als einen Heros preisend, ein ähnliches Attentat gegen den Erzbischof von Matera versuchte. Daß man von Seiten der Regierung jener That diese Bedeutung gab, zeigten die Maßregeln, welche man in Betreff der dem Elend preisgegebenen in Paris sich sammelnden excommunicirten Priester debattirte, ich weiß nicht ob auch ausführte; und zeigte das Verfahren gegen den Bischof von Moulins und eine gewaltsame Behandlung des niederen Clerus, in welchem Falle selbst Rom es für klug hielt, seinen eifrigen Bischof preiszugeben. — Wenn der französische Kaiser aus Politik sich freundlich zur römischen Kirche stellt, weil sie ihm dienen muß, so scheint dagegen das Verhalten des Kaisers von Oestreich zu ihr Sache des Herzens und der Ueberzeugung zu sein. Freilich ist dergleichen nie Ausschlag gebend im staatlichen Verhalten. Aber es kommen politische Erwägungen hinzu. Oestreich hat zu schwere Krisen durchgemacht, als daß es nicht nach einer festen Stütze seiner Herrschaft Verlangen tragen sollte, und es hat zu verschiedenartige Elemente zu einem Ganzen zu vereinigen, damit sie unitis viribus dem geschichtlichen Berufe Oestreichs an der Donau dienen, als daß es nicht ein Band der Vereinigung suchen sollte. Beides soll ihm die römische Kirche, vornämlich in ihren eifrigen Streitern, den Jesuiten, bieten. Nur um solchen Preis konnte man die bisherige Politik verlassen und im Concordate Concessionen in einer Ausdehnung machen, welche dem Staate noch genugsam Verlegenheiten bereiten werden. Wenn man gegen die evangelischen Kirchen nicht eben so freundlich gesinnt ist, so darf das kein Grund der Klage sein. Denn obwohl der Staat der Kirche so viel gewähren muß, als für ihre Existenz zur Erfüllung ihres Berufs schlechthin nothwendig ist, so ist dadurch doch nicht ohne Weiteres völlige Gleichheit der Culte begründet, sondern es mag wohl das Verhältniß der einzelnen Staaten zu den Kirchen ein verschiedenes sein je nach der Geschichte und dem Beruf derselben. Wenn aber das Concordat Anlaß zu mannigfachen Bedrängungen des Protestantismus bietet und von den staatlichen Behörden dazu vielleicht manchmal die Hand geboten wird, so ist das ein Stand der Dinge, welcher dem Protestantismus nur heilsam sein wird. Welche Förderung hat z. B. der bayrischen Kirche das Jahrzehnt des ultramontanen