# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die römische Kirche. 21 hilft nur das Evangelium. Aber auch dieses wird mißbraucht. Man schreibt aus Italien, es finde gegenwärtig eine so starke Nachfrage nach der heiligen Schrift statt, daß selbst in den Staaten, wo sie verboten sei, gewisse Buchhandlungen genannt werden könnten, welche damit einen einträglichen Schmuggelhandel treiben und reich werden, indem sie dieselben zu einem sehr hohen Preise verkaufen. Jedoch dürfe man auf den Eifer, mit welchem in Italien jetzt die Bibel gelesen und studirt werde, keine großen Hoffnungen gründen. Jener Eifer verwandle sich nicht selten in Kälte, wenn man das Heil durch das Kreuz Christi predige. Für die Italiener sei die Bibel nur ein Werkzeug irdischer Leidenschaften, und sie suchen darin nur nach Gründen gegen den römischen Katholicismus und Waffen gegen das Papstthum, ohne darum das Evangelium anzunehmen. — Wie gründlich aber das ganze Land trotz der Herrschaft der Kirche vom Revolutionsgeist unterwühlt ist, das bedarf nicht einmal der Erwähnung. — Wie so anders stehn doch die Dinge in Thyrol, diesem Lande deutscher Treuherzigkeit! Nur muß man nicht mehr verlangen als bei einer abgeschlossenen Bevölkerung römische Religiösität zu leisten vermag, die sich in ihrer Alleinherrschaft nur erhält durch gewaltsame Fernhaltung des Evangeliums, wie in alter so in neuer Zeit. Daß obendrein die Jesuiten nun zur Herrschaft kommen in Insbruck und seiner zu errichtenden theologischen Fakultät und die Philologie aus lateinischen Kirchenvätern wie Augustinus de civitate dei gelehrt wird statt aus römischen Klassikern, das werden wir nicht als ein hoffnungsreiches Zeichen ansehen können. — Die vorzüglichste Citadelle der römischen Kirche ist aber Belgien, das Land, welches bereits wieder ebenso viele Klöster als Quadratmeilen zählt. Aber wie schroff hier die Parteien einander gegenüberstehen, haben die Kammerverhandlungen, welch ein großer Theil des Volks dem Clerus feindlich gesinnt sei, haben die jüngsten weitverbreiteten Tumulte des Pöbels gezeigt, in welchen man die Klöster stürmte und seine Bewohner mißhandelte. — Angestrengt sind die Bemühungen des Clerus in Frankreich, sowohl gegenüber den erfolgreichen Evangelisirungsversuchen, als gegenüber der Irreligiösität der Massen. Aber welche Mittel wendet man an! Der Betrug der Erscheinung der Jungfrau Maria zu Salsette, wo ein Fräulein de la Merliere die Rolle der Jungfrau spielte, war nicht zu grob, um ihn nicht zu benutzen, eines neuen Wunders sich berühmen, einen neuen Wallfahrtsort gewinnen und der Mariaverehrung beim Volk eine neue Förderung geben zu können. Selbst die Lotterie ist nicht unsittlich genug, um sie nicht in wachsendem Maße in den Dienst der Religion zu nehmen. Die religiösen Lotterien, durch die man allerlei geistliche Schätze, ja selbst Seelen aus dem Fegefeuer gewinnen kann, kommen immer mehr in Mode in Frankreich. Ja allerdings in Mode! Hat doch vor einiger Zeit der Jesuiten⸗Pater Lesevrt an die Damen des Fauburg St. Germain ein Umlaufschreiben gerichtet, in welchem er ihnen für den Neubau einer Kirche seine Lotterie, das Loos zu 100 Francs, ans Herz legt und, weil zu anderweitiger Preissetzung die Mitte