# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Die römische Kirche. und die Ohren bethören, noch überdrüssig werden der kümmerlichen Gestalt, welche die selige Wahrheit, welche allein die Gewissen recht tröstet, in unserer Kirche gewonnen hat. In Italien huldigt alles Volk gegenwärtig dem Statthalter Christi und eilt seinen Segen zu empfangen. Inzwischen aber herrscht religiöses Heidenthum, wo es gut steht, und irreligiöse Opposition gegen das Recht und die Wahrheit Roms, wo übel. In Kliefoths Zeitschrift 1857, 2 u. 3 haben wir neue Belege und Mittheilungen über jenes erhalten, wie es in Ober⸗ und in Unteritalien im Schwange geht. Denn darauf gehen gemeiniglich die Ermahnungen zur kirchlichen Religiösität hinaus: der Staat fordert so viel und bietet dafür so wenig — fordert viel Steuern und Abgaben und bietet nur die Sicherheit des äußeren Lebens —; die Kirche fordert so wenig — die leichten kirchlichen Satzungen des Fastens und dergleichen, welche obendrein gern ermäßigt und noch mehr erleichtert werden, wo nur einigermaßen Grund dazu vorhanden — und bietet dafür Erlösung vom Fegfeuer und ewige Seligkeit! Das Christenthum ist noch immer ein Jahrmarkt. Aeußerliche Kirchensatzungen und ihre Erfüllung haben die Stelle von Buße und Glaube und Liebe des Herzens eingenommen. Welchen Vortheil aber die Verehrung der Heiligen biete, das lehrt die Geschichte vom Wucherer, welche man in Neapel gern erzählt, dem sein Patron, der heil. Joseph, dafür daß ihm jener bei seinen Lebzeiten die gebührende Verehrung in Opferung von Kerzen u. s. w. bewiesen, den Eintritt in den Himmel verschafft, dadurch daß er, nachdem er sich vergebens an Maria und Jesus und zuletzt an Gott Vater selbst gewandt, sich anschickte mit seinem Weibe und Pflegesohn und den vielen Heiligen, die sich anschlossen, den Himmel zu verlassen, so daß Gott Vater fürchten mußte, den Himmel seiner besten Bewohner beraubt zu sehen und so denn nachgab. Das ist die Kirchlichkeit. Von der Unkirchlichkeit aber liefert das Königreich Sardinien einen Beleg. Die oppositionelle Stellung zu Rom ist bekannt. Dafür wissen die historisch⸗politischen Blätter seine Zustände nicht trüb genug zu schildern (1857, 5). Man „verwandelt Klöster in neue Gefängnisse, die durch die furchtbar gestiegene Zahl der Verbrechen nöthig geworden sind.“ „Während die Zahl der hilflosen Proletarier ins Unglaubliche vermehrt wird, — während die Noth auf allen Seiten hereinbricht, hat man den unzähligen an den Klosterpforten bettelnden Armen auch ihre letzte Zuflucht entzogen (nämlich durch die Aufhebung der Klöster)“ u. s. w. Graf Solaro della Margarita giebt ein kurzes Bild der jetzigen Zustände: „Religion und Gerechtigkeit mißhandelt — die Finanzen ruinirt — der Handel in Verfall — der Unterricht desorganisirt und zum Chaos geworden. — Die Verbrechen mehr als in jedem andern Lande im Zunehmen begriffen — die Auflagen unerschwinglich — die öffentliche Sicherheit gefährdet“ (— ist doch letzthin der König selbst auf einer Spazierfahrt von Räubern überfallen worden —). — Solchen Zuständen wird nicht gesteuert dadurch daß sich der Episcopat zum Censor aller erscheinenden Literatur macht, wie der Bischof von Bergamo versucht hat. Hier