# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Der evangelische Kirchentag. welche die andere Confession läugnet, geringer anschlägt, sondern auf das Positive, daß man die Gnadengaben der andern Confession hoch anschlägt. Wir glauben an keine Katholicität der Lehre, die über die wahre Confession hinausreicht, aber an eine Katholicität der Wirksamkeit des heil. Geistes, die durch alle Confessionen geht. Rechte Katholicität besteht deshalb jetzt gar nicht, da Irrthümer die Kirche theilen. Wir können sie auch nicht dadurch herstellen, daß wir Wahrheit und Irrthum für unwesentlich erklären. Wir können nur darauf harren, daß Gott sie herstelle.“ Es war eine üble Bahn, auf welche sich der Kirchentag verleiten ließ, nicht bloß auf confessionelle Principienfragen, vor Allem die zarteste aller Fragen, die der Abendmahlsgemeinschaft einzugehen, worüber zu debattiren eine solche Versammlung doch das ungeeignetste Subject und der ungeschickteste Ort ist, sondern auch in unionistischem und pietistischem Sinn das Lutherthum zu schmähen. „Das ist bei jenen an sich schon ungeziemenden Angriffen das Bedauerlichste — schreibt ein Correspondent der N. Pr. Ztg. aus Süddeutschland vom 28. Septbr. — daß durch sie nicht allein die Bruderliebe, sondern auch die Wahrheit vielfach verletzt wurde. Ist es denn wahr, daß gelehrt werde, die Taufe sei zur Seligkeit ausreichend und es bedürfe nach ihr keiner Bekehrung mehr? oder: wenn nur die geistliche Amtswürde hergestellt wäre, so sei damit allen Schäden der Kirche abgeholfen? Die an Gold und Edelsteinen so reiche Eröffnungspredigt hätte wahrlich durch das Wegfallen dieser dürren Stoppeln einer carricirenden Polemik nur gewonnen. Ist es ferner wahr, daß je gelehrt wurde, die äußere Zugehörigkeit zur lutherischen Kirche bedinge die Seligkeit? Und war es schön, auf diese Unterstellung hin zu äußern: die Würtemberger hätten Gottlob zur Hochkirchlichkeit keine Anlage? War es schön, das, was unsern Brüdern wichtig und werth ist, als Erbärmlichkeiten zu bezeichnen?*) War es vollends wahr, was gesagt wurde, die streng⸗lutherischen Principien führten zum Pharisäismus oder nach Rom? Waren Brenz und die beiden Andreä, waren Arnd, Müller und Paul Gerhard, waren selbst Bengel, Spener und Franke nicht ganz und entschieden Lutheraner? Und wer hat die Stirne, diese Männer, oder selbst einen Löscher und Calov Pharisäer oder Römlinge zu schelten? Und wenn sie es nicht waren, wie sollen diejenigen es sein, welche ihre Strenge und Entschiedenheit noch lange nicht erreicht haben? Solche Reden waren weder schön noch vor Gott recht!“ Um so bedeutungsvoller war solchen Unwürdigkeiten gegenüber Stahls klares, siegreiches lutherisches und darum ächt katholisches Zeugniß. Und wir dürfen nicht bloß zu Gott hoffen, sondern so viel menschliche Augen in solchen Dingen urtheilen können, war es auch wahrzunehmen, daß es nicht vergeblich gewesen. Möge es vor Allem für die sonst so reich begnadigte Kirche Würtembergs Frucht bringen und mit die Gefahren abwenden helfen, *) Anm. der Red. Wenn wir nicht irren, that das Barth aus Calw.