# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der evangelische Kirchentag. 17 Stücken schon zu weit getrieben*). Darum müssen wir die Abweichungen der evangelischen Denominationen ebenso sehr abwehren als die katholischen.“ Hatte man schon bisher, wenn auch zum Theil nicht bloß mit gespannter Aufmerksamkeit, sondern auch mit innerem Interesse — denn man merkte, daß man etwas lerne aus solcher in Würtemberg ungewohnten lutherischen und zugleich klaren Rede —, so doch vielfach mit innerem Widerstreben und nicht ohne mannichfache Aeußerungen des Widerspruchs zugehört, so waren die letzten Sätze nun doch zu starke Speise, als daß man sie hätte vertragen können. Von vielen Seiten aus — und auch Träger bekannter theologischer Namen sollen sich dabei betheiligt haben — erhob sich Lärmen und Geschrei, welches Stahl das Wort genommen wissen wollte. Aber Stahl versagte als Präsident Jedem, der über die Frage, ob er ein Recht habe zu sprechen, des Weiteren reden wollte, das Wort und bestand darauf, daß ihm das von ihm auch ausdrücklich erbetene Recht zustehe, seine bisher nicht vertretene Ueberzeugung auszusprechen; entziehe man ihm dasselbe, so müsse er mit seinen Freunden den Kirchentag verlassen und es bleibe dann auf demselben nur ein unirter Haufe zurück. Dieses Dilemma bestimmte die Versammlung, ihm das Recht zur Fortsetzung seiner Rede zuzugestehen. „Der confessionelle Standpunkt — fuhr Stahl fort — hindert uns nicht, die Katholicität anzuerkennen. Wir gründen sie erstens auf die Gotteskindschaft, die sich unter den Gläubigen aller Confessionen, der Katholiken wie der evangelischen Denominationen findet. Wir gründen sie zweitens auf das apostolische Symbolum und die Taufe; wo diese sind, da ist christliche Religion ungeachtet aller Verschiedenheit der Confession, und da ist ein Band zu Christus und Wirksamkeit des heil. Geistes. Wir gründen sie drittens auf die Vertheilung der Gnadengaben unter den verschiedenen Confessionen. Die lutherische Kirche ist die Kirche der wahren Lehre, aber manche Gnadengaben finden sich in andern Kirchen reicher als in ihr.**) In den ersten Jahrhunderten war die Fülle der Gnadengaben bei der rechtgläubigen Kirche. Jetzt kann das keine der Kirchen von sich behaupten. Deshalb kann auch keine derselben als die una sancta catholica gelten.†) Diese Katholicität ist ganz verschieden von Union und von evangelischer Allianz. Sie erstrebt nicht äußere Vereinigung, sondern nur innere Anerkennung. Sie gründet sich nicht auf das Negative, daß man die göttlichen Wahrheiten, *) Anm. der Red. Das ist ein Saß, den wir nicht vertreten. Von ihm verschieden ist die Frage, ob wir nicht in manchen Stücken die römische Kirche gerechter beurtheilen und daher Manches anerkennen können, was seine genügende Anerkennung damals nicht wohl finden konnte. **) Anm. der Red. Wahre Lehre ist nicht eine den andern coordinirte Gnadengabe. Wohl lohnt der HErr den Gehorsam gegen sein Wort mit der entsprechenden Erkenntniß, aber rückhaltloser Gehorsam gegen dasselbe ist sittliche Pflicht. †) Anm. der Red. Aber die eine als wahre, die andere als falsche Erscheinung derselben.