# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 03 23_S81 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dadurch zu Gottes Gnaden, und in die Chri⸗ ſteuheit genommen werden.“ Dagegen ſchrieb Oecolampadius in ſeinem Briefe an Haller: „Es hätten ſich Viele daran geſtoßen, daß ſie dieſe Artikel unterſchrieben; und es ſcheine nicht ohne Grund, was den Artikel von der Taufe betrifft, und den würden ſie auch nicht unterſchrieben haben, wenn nicht aus an— dern Sätzen die Richtigkeit deſſelben erhellte: ſie nennten die Taufe ein Werk Gottes, weil ſie Gott eingeſetzt habe, ob ſie gleich äußer— lich und von den Menſchen verrichtet werde, eben wie ein Ausrufer auf des Königs Befehl etwas thue.“ Aus dem Wort „fördern“ hat er: erfordern, gemacht. „Ja! er ſetzt hinzu, die Kinder würden durch die Taufe in Gottes Gnade genommen, nur ſo ferne die Umſtehen— den durch dieſelben deſſen erinnert wür⸗ den u. ſ. w.“ Zwingli bezeugt in ſeinem Be⸗ kenntniſſe vom Jahre 1530, welches er unbe— rufener Weiſe an den Augsburgiſchen Reichs-— tag ſchickte, von den Sacramenten überhaupt: „Ich glaube, ja! ich weiß, daß alle Sacra— mente ſo gar keine Gnade ertheilen, daß ſie die— ſelbe nicht einmal reichen, oder vorhalten. .. Die Sacramente werden gereicht zum öffent— lichen Zeugniſſe der Gnade, welche jeder Ein— zelne ſchon vorher hat. . . Ich glaube, daß das Sacrament ein Zeichen eines heiligen Din⸗ ges, nehmlich der geſchehenen Gnade ſei. . . Die Sacramente ſind nur heilige Ceremonien; wenn wir aber anders von den Sacramenten halten, als ob ſie innerlich reinigten, wenn ſie äußerlich gebraucht werden, ſo iſt ſchon ein neues Judenthum da.“ Von der Taufe be— kennt Zwingli: „Die Kirche nimmt durch die Taufe den öffentlich auf, welcher ſchon vorher durch die Gnade aufgenommen iſt. Die Taͤufe bringt alſo keine Gnade, ſondern be— zeuget nur der Kirche, daß der, welchem ſie ge— geben wird, ſie ſchon empfangen habe.“ So verfielen die Reformirten dennoch wieder in ihren früheren Irrthum, daß die Taufe ein le— dig Zeichen oder Loſung unter den Chriſten ſei, obſchon ſie denſelben zu Marburg feierlich wi— derrufen hatten. Noch treuloſer bewieſen ſie ſich in der Lehre vom heil. Abendmahl. Denn obwohl ſie darin mit den Lutheranern zu Marburg uneins ge— blieben waren, ſo hatte man ſich doch einander verſprochen, die harten Schriften und Worte zu unterlaſſen. Allein auch dieſes Verſprechen brach Zwingli zuerſt, denn er ſchmähte die Lu— theraner als Päbſtler und ſolche, welche nach den Fleiſchtöpfen Egyptens zurück ſähen und Chriſti Leib mit Menſchenzähnen zerkauten. Zugleich prahlte er, er wolle ſeine Lehre hier— über dem Kaiſer mit wenigen Worten ſo klar machen, als die Sonne am Himmel iſt, und ſeine Schlüſſe, wie Sturmböcke gegen die Wi— derſacher losſtoßen laſſen. Indeß waren dieſe „Sturmböcke' nichts anders, als die alten, elen⸗ den Böcke, welche er bereits während des Mar⸗ burger Religionsgeſpräches geſchoſſen hatte und die Luther bekanntlich dermaßen zurück— wies, daß er verſtummen mußte. Von der Erbſünde heißt es im vierten Mar⸗ burger Artikel: „Wir glauben, daß die Erb⸗ 81 ſünde ſei uns von Adam angeboren und auf— geerbt, und ſei eine ſolche Sünde, daß ſie alle Menſchen verdammet, und wo JEſus Chriſtus uns nicht zu Hülfe kom— men wäre mit ſeinem Tode und Leben, ſo hät⸗ ten wir ewiglich daran ſterben, und zu Gottes Reich und Seligkeit nicht kommen müſſen.“ Dagegen behauptet Zwingli in ſeiner Augs⸗ burgiſchen Confeſſion: „Meine Meinung über die Erbſünde iſt folgende. Das heißt mit Recht Sünde, was gegen das Geſetz begangen iſt. Denn wo kein Geſetz iſt, da iſt auch keine Uebertretung. Und wo keine Uebertretung iſt, da iſt auch keine Sünde im eigentlichen Sinne, ſofern nämlich Sünde ein Verbrechen, Unrecht, Miſſethat oder Schuld iſt. Ich bekenne daher, daß unſer Vater eine Sünde begangen habe, d.i. ein Verbrechen, Miſſethat und Frevel. Aber die, welche von ihm abſtammen, haben nicht ebenſo geſündigt; denn wer von uns iſt im Paradieſe geweſen und hat den verbotenen Apfel mit den Zähnen gegeſſen? Wir mögen daher wollen oder nicht, wir müſſen zugeben, daß die Erbſünde, wie ſie in den Kindern Adams iſt, keine eigentliche Sünde ſei, wie ſchon dargethan iſt, denn ſie iſt keine Sünde wider das Geſetz. Sie iſt daher eigent— lich nur eine Krankheit und ein Stand. Eine Krankheit, weil auch wir ebenſo fallen, wie jener, der aus Selbſtliebe gefallen iſt. Ein Stand, weil auch wir als Knechte und Kinder des Zorns geboren werden und dem Tode un— terworfen ſind, wie jener ein Knecht geworden, und dem Tode unterworfen iſt. Wiewohl ich ich nichts dagegen habe, daß man dieſe Krank— heit und dieſen Stand nach Pauli Sitte Sünde nenne.“ Eben ſo ſagt er, es ſei Unrecht, die Kinder chriſtlicher Eltern, oder auch der Heiden, wegen der Erbſünde zu verdammen. Nach Zwingli iſt alſo die Erbſünde nur dem Namen nach Sünde, in der Wirklichkeit iſt ſie nichts weiter als Krankheit. Wer freilich ſo frech dieſes gegen Gottes Wort behaupten kann, das doch mit den hellſten und klarſten Sprüchen lehrt, die Erbſünde ſei wirklich und wahrhaftig Sünde, die uns auch zum ewigen Tode verdammen würde, wenn uns nicht Chri— ſtus davon erlöst hätte: der kann ſich auch durch ſein eigenes Wort, Verſprechen und Un⸗ terſchrift nicht für verbunden halten, ſondern muß gewiſſenlos und bundbrüchig handlen. So zeigt ſich Zwingli auch in der Lehre vom äußerlichen Wort. Im achten Marburger Ar— tikel hatte er bekannt: „Daß der heilige Geiſt, ordentlich zu reden, niemand den Glauben oder ſeine Gabe gibt, ohne vorhergehende Predigt oder mündlich Wort, oder Evangelion Chriſti, ſondern durch und mit ſolchem mündli⸗ chen Wort wirkt er und ſchafft den Glauben, wo und in welchen er will. Röm. 10.“ Dage⸗ gen ſagt er in ſeinem Augsburgiſchen Bekennt⸗ niſſe: „Der h. Geiſt braucht keine Führer noch Wagen, denn er iſt ſelbſt die Kraft und die Führung, dadurch alles geführt wird; er braucht nich t, daß er geführt werde: wir leſen auch dergleichen nie in der h. Schrift, daß äußerliche Dinge den Geiſt gewiß mit ſich brin— gen . . . Wir ſehen, um kanoniſch oder richtig davon zu reden, daß bei allen Völkern die ä u— ßerliche Predigt der Apoſtel und Evan— geliſten oder Biſchöfe dem Glauben vor⸗ angegangen ſei. Welchen wir doch al— lein dem Geiſte zuſchreiben. Doch genug! Wir verſtehen jetzt die Entrü— ſtung des ſonſt ſo ſanften Melanchthon, der, nachdem er Zwingli's Augsburgiſches Be— kenntniß geleſen, darüber an Luther ſchrieb: „Du würdeſt davon einfach ſagen, Zwingli ſei verrückt geworden. Er erneuert öffentlich ſeine alten Irrthümer über den Gebraͤuch der Sa— cramente und die Erbſünde.“ Aber ungeachtet dieſer klaren Beweiſe, daß die Reformirten ihr Verſprechen bereits gebro— chen, fuhr der theure Luther dennoch fort, für die Irrenden zu beten. Erſt dann gab er alle Hoffnung auf, als nach Zwingli's Tode ein Buch von ihm erſchien, welches er bei ſeinen Lebzeiten ſich nicht herauszugeben getraut hatte, worin er den offenbarſten Unglauben und Rationalismus bekaͤnnte. Hören wir Luther ſelbſt darüber in ſeinem kurzen Be— kenntniſſe vom h. Sacrament wider die Schwär⸗ mer, v. J. 1544, worin er ausführlicher ſo be— richtet: „Es iſt wahr, 15 Jahre ſind es, daß zu Marburg (1529) Zwingel und Oecolampad, und wir etliche zuſammenkamen, und uns ver⸗ trugen in vielen Artikeln, die ganz chriſtlich ſind, wie der gedruckte Zettel zeuget; aber im Artikel vom Sacrament blieb's ſtecken, alſo, daß wir ſollten gute Freunde ſein, damit das ſcharfe Schreiben gegen einander ruhen möchte, ob Gott mit der Zeit durch unſer Gebet wollt hierin auch einträchtigen Verſtand geben, und ich ziemliche Hoffnung hatte, weil der Zwingel und die Seinen ſo viel guter Artikel nachgaben, es ſollte mit der Zeit der einige Artikel ſich auch finden. Und ward alſo zwiſchen uns eine Stille mit Schreiben wider einaͤnder etliche Jahre. Indeß ward der Zwingli jämmerlich zu Felde von jenem Theil der Papiſten erſchlagen, und Oecolampad viel zu ſchwach, ſolchen Unfall zu ertragen, darüber für Leide auch ſtarb. Wel— ches mir ſelbſt auch zwei Nächte ſolch Herzleid that, daß ich leicht auch hätte mögen bleiben; denn ich guter Hoffnung war ihrer Beſſerung und doch für ihre Seelen mich aufs höchſte be— kümmern mußte, weil ſie noch im Irrthum ver⸗ tieft, alſo in Sünden untergingen. Aber nach des Zwinglis Tode ging ein Büch— lein aus, welches er ſollt hart vor ſeinem Ende gemacht haben, mit Name, Christianae fidei expositio ad Christianum Regem (Auseinan⸗ derſetzung des chriſtlichen Glaubens an einen chriſtlichen König). Solches ſollte ein Aus⸗ bund ſein über alle ſeine vorigen Bücher. Und daß es ſein eigen, des Zwinglis ſein mußte, gab die Art ſeiner wilden wüſten Rede, und ſeine vorige Meinung. Solches Büchleins erſchrak ich ſehr, nicht um meinetwillen, ſon— dern um ſeinetwillen. Denn weil er nach un⸗ ſerm Vertrag zu Marburg gegen uns mit fal— ſchem Herzen und Munde gehandelt hat, und müßte (wie auch noch) an ſeiner Seele Selig— keit verzweifeln, wo er in ſolchem Sinne ge— ſtorben iſt, ungeachtet, daß ihn ſeine Jünger und Nachkommen zum Heiligen und Märthyrer