# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der evangelische Kirchentag. 15 gen, noch die Erkenntniß unsrer Kirche verleugnen. Sie befähigt uns vielmehr das Wort recht auszutheilen wie es das Bedürfniß der Heidenwelt jederzeit verlangt. Es ist geradezu ein Unsinn, wenn Gen.⸗Sup. Hoffmann verlangt, es solle apostolische Kirche draußen gepflanzt werden. Als ob die Kirche Christi auf Erden nicht eine wäre, und ihre Geschichte nicht eine zusammenhängende Linie bildete, sondern beliebig an beliebigen Orten von vorne anfangen könnte. Und wie ist es auch möglich auf einem Gebiete, wo die verschiedenen missionirenden Gemeinschaften zusammentreffen und dem Heiden den Anblick und die Erkenntniß ihrer Verschiedenheit aufnöthigen? Es war Hengstenbergs und Stahls Verdienst, daß über diese Frage nicht abgestimmt wurde — wie denn eine solche Versammlung auch weder befähigt noch befugt ist, über Principienfragen Entscheidungen zu treffen, sondern nur den Beruf haben kann, in unfräglichen Dingen, worin sie einstimmig ist, etwa öffentlichen Mißständen gegenüber Wünsche auszusprechen oder Erklärungen abzugeben, die dann allerdings möglicherweise von Bedeutung werden können. Am folgenden Tage (Mittwoch den 23. Septbr.) kam es zur Debatte über evangelische Katholicität. v. Bethmann⸗Hollweg hatte hierüber den einleitenden Vortrag. Er schilderte die Zeit in den ersten Decennien dieses Jahrhunderts, da man die Christen in den verschiedenen Kirchen aufsuchte, da die jungen Theologen nach England, Schottland und der Schweiz zogen und sich an den Erweckungen in der römischen Kirche Süddeutschlands erfreuten, da die Unterscheidung von ecclesia und ecclesiolae das Symbolum der Gläubigen war. Nun sei man zur ecclesia zurückgekehrt und übertrage die Liebe zur unsichtbaren Gemeinde der Erwählten auf die sichtbare Kirche, der wir angehören, weil wir jene nicht greifen, unsre Liebe zu ihr nur hier bethätigen können. Sie zu verlassen und Independenten zu werden haben wir nicht nöthig, da sie durch die Reformation von seelenverderblichen Irrthümern gereinigt ist, Gottes heil. Wort, die reine Auslegung desselben und den stiftungsmäßigen Gebrauch der Sacramente besitzt. Es bestehe aber eine wesentliche Einheit der evangelischen Kirche — nicht in Verfassung, Regiment, Kirchenzucht, Cultusform, aber im Wesentlichen der Lehre. So bestehe denn auch eine hinreichende Lehrübereinstimmung zwischen der luth. und der reform. Kirche um Abendmahlsgemeinschaft zuzulassen. Ferner eine Conföderation der Kirchenregimente. Darin mache sich evang. Katholicität geltend. Aber dies Alles sei nur ein Anfang und sei nach verschiedenen Seiten hin einer Weiterausbildung bedürftig und fähig. „Zweierlei liegt mir besonders am Herzen: 1. die praktische Bethätigung kirchlicher Katholicität, besonders in Bezug auf Abendmahlsgemeinschaft; Förderung der Conföderation; und gegenüber der römischen Kirche 2. die persönliche Gemeinschaft der Heiligen.“ — Dies gab denn reichlichen Anlaß zu Expektorationen über evangelische und würtembergische Weitherzigkeit, den Segen der evangelischen Allianz und gemischter Abendmahlsgemeinschaft, und im Gegensatz dazu über confessionelle Enge, Hochkirchlichkeit, Pharisäismus, Romanisiren u. s. w. der strengen Lu⸗