# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 14 Der evangelische Kirchentag. wer den Artikel von der heiligen Majestät Gottes zum Fundamentalartikel erhebt, der macht aus dem Evangelium wieder Gesetz, und treibt eine Lehre der Verzweiflung. 14. Ist die Lehre von der Rechtfertigung, so wie die Lehre von den Sacramenten, jede in ihrer Besonderheit zum Abschluß gekommen, so handelt es sich in der gegenwärtigen Lehrentwickelung um die gegenseitige Integrirung und Durchdringung beider zur Einheit in der vollen Lehre vom subjectiven Heile. Der springende Punkt ist die heilsökonomische Bedeutung der Sacramente, und der Gegensatz eine falsche Ueberspannung des Artikels von der Rechtfertigung. Der Schwerpunkt der Lehrentwickelung hat sich aus dem Artikel von der Rechtfertigung in die Lehre von den Sacramenten und insbesondere von der heilsökonomischen Bedeutung derselben verlegt. Glosse zu 14. Wer so lehrt, stellt die lutherische Kirche auf den Weg nach Rom. Der evangelische Kirchentag hat zwar zu Berlin sich zur Augustana von 1530 bekannt. Aber daß dies eben nur ein Wort und keine That war, daß er dadurch nicht lutherischer wurde als er vorher war, daß vielmehr lutherisches Bekenntniß im entschiedenen Ausdruck und kirchlicher Bestimmtheit keine rechte Stätte auf ihm hat, dies hat sich erst jüngst wieder zu Stuttgart theils in den Verhandlungen über Mission, theils in der Scene mit Stahl gezeigt. Es ist die einfachste Sache von der Welt, daß nicht einzelne christliche Individuen ohne Farbe und kirchlichen Charakter Mission treiben, sondern die Kirche Christi, d. h. die Kirchen, in welchen jene nun eben ihren Ort und ihre Erscheinung hat. Es ist deshalb ebenso einfach, daß jede der verschiedenen Kirchen auf Grund ihrer Besonderheit, also ihres Bekenntnisses, Mission treibt, also nur durch solche, welche ihr und ihrem Bekenntniß angehören daß also die Mission unsrer Kirche evangelisch⸗lutherisch ist und ihre Missionare Lutheraner. Das gehört nun allbereits so sehr zum A B C kirchlicher Erkenntniß, daß es verdrießlich ist, darüber noch ein Wort zu verlieren, vollends noch immer die thörichten Reden vernehmen zu müssen, wie es in Stuttgart aus Anlaß des Hoffmann'schen Vortrags über Mission geschah, daß man den Heiden nicht die Antithesen des Lutherthums gegen die Reformirten u. s. w. bringen müsse. Wem von uns fällt doch ein, das Gegentheil je zu behaupten? Predigen wir bei uns zu Lande nicht ex professo Controverslehren, sondern Buße und Glaube — nur eben in derjenigen Gestalt und Bestimmtheit, wie sie der Erkenntniß unsrer Kirche gemäß ist, d. h. wie wir überzeugt sind in ihrer selbsteigenen Gestalt —, wie sollte das nicht ebenso und noch vielmehr für die Mission draußen gelten? So dürfen und können wir also auch hier nicht Buße und Glaube in irgend beliebiger Verwaschenheit predi⸗