# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Euenschen Thesen. 13 mal in die vom Irrthum angefochtne besondere Lehre. Sämmtliche Glaubenssätze stehen in einem solidarischen Zusammenhang. Wer einen antastet, tastet sie alle an. Sie stehen deshalb alle für einen, aber auch einer für alle, und es ist jedesmal der angefochtene besondere Glaubenssatz, welcher für alle übrigen einstehen muß und darum in den Vordergrund tritt. Je nach der Verschiedenheit des Gegensatzes kann sich der Schwerpunkt in jeden besonderen Gegensatz verlegen und ihn zum Fundamentalartikel machen. Abgesehen vom Gegensatz sind alle Glaubensartikel gleich fundamental. Glosse zu 10. Luther: Diese Erkenntniß Christi ist die Sonne. Uebrigens vgl. hierzu K.⸗ und Schulbl. Nr. 31. Nicht um einen fundamentalen Glaubensartikel handelt es sich, wie auch andere sind, sondern um ein Prinzip, was nicht jeglicher sein kann. 11. Die Lehre von der Rechtfertigung wird in unsern Bekenntnißschriften Hauptartikel genannt, nicht weil nur die Emanationen desselben das kirchliche Bekenntniß zu normiren haben, sondern weil in ihm der concentrirte Gegensatz gegen die damalige Irrlehre lag. Abgesehen von diesem Gegensatz steht nach der von jeder Emanationstheorie fernen reformatorischen Anschauung der Artikel von der Rechtfertigung in völlig gleicher Linie mit jedem anderen Glaubenssatz. (Vergleiche die drei Symbola oder Bekenntniß des Glaubens.) Glosse zu 11. Nach den Schmalkald. Artikeln verhält sichs nicht so, daß dieser Artikel der Hauptartikel ist, weil die ihm widersprechenden römischen Lehren zu verwerfen sind, sondern diese sind zu verwerfen, weil sie „stracks wider diesen Hauptartikel" sind. 12. In der theologischen Wissenschaft der evangelischen Kirche ist die Lehre von der Rechtfertigung in ihrer Besonderheit zum Abschluß gekommen und keiner Anfechtung mehr unterworfen. Sie hat daher aufgehört, Fundamentalartikel im reformatorischen Sinne zu sein. Glosse zu 12. So lange die Frage: Was muß ich thun, daß ich selig werde? die Fundamentalfrage bleibt, wird auch die Lehre, welche die Antwort hierauf enthält, die Fundamentallehre bleiben, d. h. so lange es Menschen gibt, die selig werden sollen. 13. Gleicher Weise ist sie für das praktisch⸗christliche Leben gegenwärtig nicht mehr fundamental, als andre Lehren, denn wir haben es nicht mit solchen zu thun, welche sich Vergebung der Sünde mit baarem Gelde erkaufen, auch ist der Schade des evangelischen Volkes nicht die Selbstgerechtigkeit, welche etwas daran setzt, um durch das Verdienst guter Werke oder ihrer Fasten dem Himmel die Seligkeit abzuringen, sondern vielmehr die faule Sicherheit, welche um der Seligkeit willen kaum einen Finger rührt, und es darauf ankommen läßt, ob ihr das Reich Gottes von selbst in den Schooß fallen wolle. Diesem Gegensatz gegenüber ist die Lehre von der heiligen Majestät Gottes Fundamentalartikel. Glosse zu 13. Wer nicht weiß, daß der tiefste Schaden auch des evangelischen Volks die Selbstgerechtigkeit sei, aus welcher eben die falsche Sicherheit fließt, kennt weder unser Volk noch das menschliche Herz überhaupt. Und