# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Die Euenschen Thesen. integriren sich gegenseitig zur vollen Wahrheit und werden nur dann richtig verstanden, wenn sie in ihrer untrennbaren Einheit und gegenseitigen Durchdringung aufgefaßt werden. Glosse zu 6. Wo bleibt das Wort? Luther: „Man soll das Wort und die Sacramente nicht scheiden, denn Christus hat die Sacramente auch in das Wort gefaßt und wo es ohne das Wort wäre, könnte man sich der Sacramente nicht trösten." Dem Wort aber entspricht der Glaube. 7. Wird die Rechtfertigung durch den Glauben das Prinzip der gesammten evangelischen Lehre genannt, weil in derselben die Summe aller Heilsgüter implicirt sei, und richtet sich deshalb das sola fide nicht blos gegen die absolute Nothwendigkeit der sacramentalen Heilsvermittlung, so ist die Lehre vom subjectiven Heil durch Verkennung und Leugnung der wesentlichen Heilsgabe in ihrem tiefsten Grunde getrübt. Glosse zu 7. Luther: „St. Paulus Röm. 10, 8. sagt: Auf daß man fromm werde, ist noth, daß man von Herzen glaube. Spricht nicht: Ist noth, daß man die Sacramente empfahe. Denn ohne leiblich Empfahen der Sacramente (so sie nicht verachtet werden) kann man fromm durch Glauben werden" u. s. w. 8. Wird die Rechtfertigung durch den Glauben die die gesammte Kirchenlehre tragende und beherrschende Mitte genannt, weil nur diejenigen Dogmen als die Kirche normirende gelten können, in welche sich das Prinzip von der Rechtfertigung zerlegt, so unterliegt das kirchliche Bekenntniß mit unausbleiblicher Nothwendigkeit einer totalen Verkümmerung, weil nicht blos die wahre Lehre von den Sacramenten, sondern auch andere wesentliche Glaubenslehren (empfangen vom heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, Auferstehung des Fleisches) in keiner Weise durch Evolution des Prinzips zu erreichen sind, und also als indifferente Sätze des Bekenntnisses betrachtet werden müßten. Glosse zu 8. Luther: „Wo diese Sonne scheinet und leuchtet im Herzen, da ist ein rechter gewisser Verstand von allen Sachen, daß man kann fest stehen und halten ob allen Artikeln, als: daß Christus wahrhaftiger Mensch ist, geboren von der Jungfrauen Maria, und auch wahrhaftiger allmächtiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, Herr über Engel und all Creaturen, item: also gläubt und lehrt er recht von dem Heiligen Geist, von der Taufe, Sacrament, guten Werken, Auferstehung der Todten" u. s. w. 9. Die Rechtfertigung durch den Glauben, herausgelöst aus dem Ganzen der Lehre und in ihrer singulären Stellung als Prinzip behauptet, ist eine zu allem fähige wissenschaftliche Abstraction, welche zuletzt in das sogen. Formalprincip der Reformation umschlägt, und damit jedes kirchliche Bekenntniß abrogirt. Glosse zu 9. Wer heißt diese centrale Wahrheit als einzelne Formel herauslösen aus dem ganzen Lehrzusammenhang? Luther: „Dieß Erkenntniß thut es Alles, bringet uns alle Weisheit, Gott mit allen seinen Gütern, thut den Himmel auf, zerbricht die Hölle, Teufel und Welt, mit aller ihrer Weisheit und Kraft, Lügen und Morden." 10. Der Schwerpunkt der kirchlichen Lehrentwicklung verlegt sich jedes⸗