# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S3 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwert zu Jahrgang 1858. 3 herthums seien, dafür sie sich auch wirklich halten, zu großem Schaden des Reiches Gottes zu verlieren. Merkwürdiger Weise gehören zu ihnen vor allen gerade diejenigen, welche der Lehre huldigen, daß die sichtbare rechtgläubige Kirche die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes sei, welcher alle die der Kirche Christi gegebenen herrlichen Verheißungen, ununterbrochener Dauer, des Besitzes der Schlüssel, der Gegenwart Christi, des Heils ꝛc., ausschließlich gehörten. Wir sagen: merkwürdiger Weise; denn, wären sie nur einigermaßen consequent, so müßten sie nothwendig mit uns festhalten, daß die Symbole unserer Kirche eine durchaus reine und lautere Darlegung der Lehren enthalten, die darin niedergelegt sind. Aber es ist, wie gesagt, ganz offenbar, daß sie z. B. die in der Apologie der Augsburgischen Confession gegebene Darlegung der Lehre von der Kirche und die in den schmalkaldischen Artikeln enthaltene Entwickelung der Lehre vom Amt und der Gewalt der Schlüssel für höchst gebrechlich ansehen, da sie den betreffenden Stellen, die ihrer Ansicht von den genannten Punkten in den unzweideutigsten Worten geradezu widersprechen, offenbar mit Bewußtsein Gewalt anthun, um dieselben auf ihren Sinn zu deuten. Den höchsten Grad hat diese Inconsequenz ohne Zweifel gerade in einem Mann erreicht, der sonst wohl der consequenteste unter allen Theologen dieser Classe ist, in Prof. Dr. von Hoffmann auf der Universität Erlangen, der gerade in den Herzlehren der lutherischen Kirche abweicht, in der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit, von der Versöhnung, von der stellvertretenden Genugthuung Christi und von der Rechtfertigung durch den Glauben, und der nichts desto weniger sich an die Spitze derjenigen stellt, die für die Erhaltung unseres kirchlichen Bekenntnisses einstehen wollen, und dabei erklärt, er befolge nur eine neue Weise, die alte Wahrheit zu lehren!*) Andere, welche ebenfalls bei ihren Abweichungen für treue Söhne und Diener unserer Kirche gelten wollen, verfahren offener und gestehen es, daß sie die Symbole unserer Kirche nicht durchaus unterschreiben können. Zu diesen gehört neben Anderen Dr. Rudelbach, der z. B. in seiner Zeitschrift im ersten Quartalheft des Jahres 1854 ausdrücklich erklärt, daß in den Schmalkaldischen Artikeln, nach denen die Ordination nichts Anderes als eine Bestätigung des Berufenen sei, „der Begriff der Ordination nicht zu seinem Rechte komme." „Neben der Auffassung Luthers", schreibt R. weiter, „bildete sich ein anderer Typus in der Kirche, der auf vielfache Weise sich dasjenige aneignete, was wir allein für die sachgemäße Darstellung halten können." Im Folgenden adoptirt R. die episkopalistische Lehre von der Ordination, indem er u. A. schreibt: „Am klarsten unter allen hat, wie wir meinen, die Anglikanische Kirche das Wesen der Ordination aufgefaßt." Rudelbach's Kritik der lutherischen Lehre ist zwar mit den Jah⸗ *) Im Jahre 1854 war es dieser v. Hoffmann, der sich mit mehreren lutherisch gesinnten Theologen verband, „das Bekenntniß der ev.⸗luth. Kirche gegen das Bekenntniß des Berliner Kirchentags zu wahren." wie aus einem von ersterem unterzeichneten öffentlichen in Druck gegebenen Proteste zu ersehen ist.