# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1858_S2 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 2 Vorwort zu Jahrgang 1858. Bekenntniß unserer Kirche abzuweichen und reformirte Irrlehre und methodistische Schwärmerei, ja offenbar rationalistische Grundsätze zu haben und zu verbreiten (wie namentlich hier in zur sogenannten Generalsynode gehörenden Synoden der Fall ist). Nein, wir denken hierbei gerade an Diejenigen, welche sich mit dem Munde zu dem ganzen Convolut unserer Symbole ausdrücklich bekennen und für dieselben in einem gewissen Kampfe stehen, auch darum mit dem Parteinamen „Altlutheraner" stigmatisirt werden. Selbst unter diesen s. g. Bekennern und Kämpfern sind die allerwenigsten Vertreter des reinen alten lutherischen Glaubens, wie derselbe in unserem kirchlichen Bekenntniß niedergelegt ist. Erstlich verräth selbst ein großer Theil derselben nur zu deutlich, daß er sich nie die Mühe genommen hat, die Lehre unserer Kirche gründlich zu studiren, daß er daher dieselbe bei allem Rühmen von ihr nicht kennt, und ihr sonach, wie die Athenienser „dem unbekannten Gott", nur „unwissend Gottesdienst thut." Von welchem Werth aber solcher Cultus ist, ist an den Atheniensern ersichtlich, die, als ihnen Paulus den „unbekannten Gott" wirklich verkündigte, zum Theil entrüstet ausriefen: „Was will dieser Lotterbube sagen? Es siehet, als wollte er neue Götter verkündigen!" — und die zum Theil, um auf ihren Hefen ruhig sitzen bleiben zu können, gähnend erklären: „Wir wollen dich davon weiter hören." Es liegt freilich in der Natur der Sache, daß solche, welche das Lutherthum ungeschaut kaufen und sich zu demselben wie in der Politik zu einer Partei schlagen, für ihr Phantasiegebilde, das sie Lutherthum nennen, fanatisch eifern und, je wohlfeiler sie selbst ihre Orthodoxie gekauft haben, desto höhere Anforderungen an andere stellen. Sie ahnen nicht, daß die reine lutherische Lehre nicht eine Sache ist, die man auf den Straßen wie einen Stein findet, einsteckt und dann bei sich trägt, sondern daß es heißt: „Die Gewalt thun, die reißen es zu sich." Matth. 11, 12. Sie denken, wenn sie es sich heut vorgenommen haben, streng und rein lutherisch zu sein, so sind sie es dann morgen, und sie können sich dann auf den Inquisitor⸗Stuhl setzen. Sie denken, wenn sie wissen, daß nach lutherischer Lehre der Leib und das Blut Jesu Christi im heiligen Abendmahle wirklich gegenwärtig ist und daß die hl. Taufe wirklich die Wiedergeburt wirkt, so seien sie damit ausgebackene Lutheraner, ja große Säulen der lutherischen Kirche, obgleich sie (bei jenem allerdings richtigen Bekenntniß) von dem, was eigentlich lutherische Lehre ist, keine Ahnung, ich schweige, eine klare Erkenntniß haben. Diese Classe von Lutheranern ist in Deutschland durch den Gegensatz der Union, hier durch den der vielen schwärmerischen Secten in großer Anzahl entstanden. Es gibt jedoch auch solche, welche eine bessere Erkenntniß von dem, was eigentlich lutherische Lehre ist, haben, aber bei ihrem formell entschiedenen Bekenntniß zur lutherischen Kirche doch der Ueberzeugung sind, daß diese unsere Kirche in mancher Beziehung, selbst in der Lehre, nicht unbedeutende Gebrechen und keine ganz reinen Symbole habe. Die meisten unter diesen sprechen dies jedoch nicht aus. Sie fürchten, wenn sie dies thun würden, damit ihrem Ruf, daß sie entschiedene Lutheraner, ja die wahren jetzigen Stützen des Lu⸗