# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S384 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 384 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Extemporiren ohne ernstliche Vorbereitung. Auf der berliner Pastoralconferenz beschrieb Superintendent Dr. Sander aus Wittenberg die Situation eines Predigers, der ohne ernstliche Vorbereitung extemporirt, in treffender Weise, wie folgt: „Er betritt die Kanzel im Zustande der Erwartung, wie und durch welche Gedanken er zu dem ihm unbestimmt vorschwebenden Ziele hingelangen soll. Wenn dann verwirrte Vorstellungen ihm durch den Kopf gehen, das strafende Gewissen und das Schaamgefühl sich dazu gesellt: so wird sich eine krankhafte Spannung seines Geistes bemächtigen, in der er, wenn der Faden reißt, nach neuen Gedanken hascht. Das Entgegengesetzte tritt beim Hörer ein, Langeweile und Verdruß, der nur durch Mitleid gemildert wird. So büßt der Redner die Herrschaft über die Versammlung ein, und statt daß die Gemeine zu ihm hinaufrufen und sich mit ihm zum Lobe Gottes vereinigen sollte, ruft er ihr aus der Tiefe seines Jammers ein Ayez pitie (habt Erbarmen!), ich will es auch nie wieder thun, zu.“ Dr. Besser wollte sich, wie der „Pilger aus Sachsen“ meldet, zu Michael d. J. vom Dienste am Missionshause wieder zurückziehen, um in das Predigtamt zu Waldenburg in Schlesien einzutreten. Requisiten der Diaconissenschülerinen zu Neuendettelsau. Unter dieser Ueberschrift heißt es u. A. in einer im „Freimund“ befindlichen Bekanntmachung: „Da alle Schülerinen die gleiche Kleidung tragen, so hat sich eine neu eintretende nur mit Kleidern für ihre sechswöchentliche Probezeit zu versehen; nach derselben trägt sie, wenn sie Diaconissin werden will, ein schwarzes, nach gemeinsamen Schnitte verfertigtes Kleid und am Sonntage die weiße, und unter der Woche die blaue Schürze. Ist sie nur zu ihrer eigenen Ausbildung da, so hat sie sich wohl an die schwarze Farbe, nicht aber an den Schnitt des Kleides zu binden. Seidene Kleider, wenn auch schwarz, dürfen nicht mitgebracht werden. Die Schülerinen, welche lediglich zu eigner Ausbildung die Anstalt besuchen, tragen ein grünes Band oder Halstuch; wenn sie der kleinen Schule angehören, ein rothes; die eigentlichen Diaconissenschülerinen ein blaues. Alle werden eine gleichartige Kopfbedeckung, so wie für den Winter eine warme Umhüllung bekommen, wodurch Hüte, Mäntel und Shawls überflüssig werden.“ „Die Kirchlichkeit.“ Folgendes schreibt Herr Dr. Luthardt bei Gelegenheit einer Beurtheilung der evangelischen Allianz: „Die königliche Einladung der Allianz nach Berlin wird als Zeichen genommen werden dürfen, daß die kirchliche Richtung und Bewegung in Preußen nicht mehr officiell ist — wenn sie's je war. Der Generalsuperintendent der Kurmark, Schloßprediger u. s. w. Dr. Hoffmann, dieser Mann der Union, empfiehlt in einem Circular an die Geistlichen Berlins die Allianz und verbietet Kanzelpolemik gegen sie, unter ausdrücklicher und nachdrucksvoller Hinweisung auf die „„allerhöchste Einladung““. Und die Sonne königlicher Gunst lockt die vornehme religiös gestimmte Welt Berlins zu den Versammlungen des berliner Zweigvereins. Vordem ärmlich und verlassen, sind sie immer glänzender geworden: Lakeien und Equipagen halten vor ihren Thüren. Und Krummacher, dessen Wort, „„wegen der Stellung, die er in der Nähe des Königs hat,““ wichtig ist, droht den Geistlichen, welche sich christlich nennen, aber kephisch oder apollisch sind, welche die „„Glaubensformel über die Glaubenskraft stellen““, mit „„unangenehmen Folgen““. Wir aber sagen Gott Dank, daß er anfängt, Kirchlichkeit außer Mode kommen zu lassen. Um so mehr wird sie Zukunft haben. Denn nicht viel Gewaltige u. s. w. nach dem Fleisch will Gott allzeit erwählen. Er segne aber jene kleine und arme Gemeinde in Berlin, welche um die Fahne lutherischen Glaubens und Bekenntnisses zunächst geschaart ist als Hüterin derselben!“ Verbesserung des vorigen Heftes. Seite 327, Zeile 17 von unten heißt es: „Die aber nicht zu der Heerde gehören, die ihnen befohlen ist“ — soll heißen: Die aber zu einer Heerde gehören, die ihnen nicht befohlen ist.