# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S382 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 382 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Gesammtzahl aber aller Katholiken (welche ihre Kinder taufen lassen und zu Ostern communiciren) beläuft sich gegenwärtig auf wenigstens drei Millionen. Heuer wieder haben wir mehrere neue Bischöfe erhalten; auch die Anzahl der Priester hat sich um wenigstens 150 dieses Jahr vermehrt; eben so sind über 100 neue Kirchen seit letztem Winter gebaut werden.“ Unirte Kirche. In dem „Hausfreund“, einem in Sandusky, O., erscheinenden Organ der „deutschen vereinigten evangelischen Synode in Nord⸗Amerika“, in der Nummer vom 1. December v. J. lesen wir folgendes Geständniß: „Es fehlt der Vereinigten Kirche, besonders wie sie hier practisch (!) besteht, ja noch so vielfach an klarem Lehrbekenntniß und klarer lehrgemäßer Liturgie; man heißt sie von gegnerischer Seite wohl nicht mit Unrecht oft die bekenntnißlose und betrachtet ihr Dasein nur als ein vorübergehendes, das endlich doch in Predigern wie in Laien, dem lutherischen oder reformirten“ (sollte heißen: rationalistischen) „Wesen wieder verfällt. Es ist leider wahr: die Vereinigte Kirche stellt die Einigkeit noch nicht im Geiste dar, sondern nur als äußere, wenig Vertrauen einflößende Zufälligkeit .. Es besteht so ein Quasi⸗Band, welchem in den meisten Fällen alle Weihe innerer Vereinigung fehlt.“ Zwar hofft der Schreiber auf das Resultat dogmatischer Fixirung für seine Kirche, der er doch ein so schmähliches Paupertätszeugniß ausstellt, allein wir fürchten, an dieser Kirche, wenn man sie überhaupt so nennen will, wird sich bewahrheiten das apostolische Urtheil: „Lernen immerdar, und können nimmer zur Erkenntniß der Wahrheit kommen.“ 1 Tim. 2, 4. „Jugendfreund.“ Dem Allentauner Jugendfreund geht die Reformirte Kirchen⸗Zeitung von Chambersburg, Pa., in der Nummer vom 15. Dec. d. J. hart deswegen zu Leibe, daß er sich erst als ein gemeinschaftliches, keiner einzelnen Kirchengemeinschaft angehörendes Blatt angekündigt und angepriesen, und dann lutherischen Köder darin ausgeboten habe. Die Kirchen⸗Zeitung ruft ihm zu: „Ehrlich währt ewig“ und: „Never sail under false colors.“ II. Ausland. Kirche und Amt. In diesem Jahre ist zu Stuttgart erschienen: „Karl Lechler, Dr. der Philosophie, Diaconus in Winnenden ꝛc., die neutestamentliche Lehre vom heiligen Amte in ihren Grundzügen.“ Aus einer Recension dieser Schrift, die sich in der „Ev. Kirchenzeitung“ findet, ersehen wir, daß dieselbe die lutherische Lehre von Kirche und Amt aus der Schrift zu widerlegen sucht. Der Weg, dieses Ziel zu erreichen, besteht vornehmlich darin, daß der Verfasser die von Kirche und Amt handelnden biblischen Gleichnisse zu Begründung seiner sogenannten realistischen Anschauung auszubeuten sucht. Der Verfasser schlägt offenbar dem alten bewährten hermeneutischen Canon ins Angesicht: Sensus mysticus (allegoricus, typicus, parabolicus) non est argumentativus, nisi innatus i. e. ab ipso spiritu sancto profectus, non illatus, und, mit dem Tertium comparationis nicht zufrieden, kommt er daher auf wunderliche Resultate. Er schreibt z. B.: „Ist die Kirche ein Leib, so ist sie doch gewißlich leiblich von Haus aus; nichts ist ihr wesentlicher, als daß sie leiblich sei.“ Der Verfasser übersieht, daß in dem Bilde „Leib Christi“ nicht die Leiblichkeit im Sinne von (sichtbarer) Materialität, sondern das Lebendige, Organische den Vergleichungspunct bildet. Der Recensent erklärt ferner: „Der Verfasser nimmt keinen Anstand, das Amt unter die Gnadenmittel im weiteren Sinne zu rechnen, sofern dazu Alles gehört, wodurch Gott Gnade anbietet und austheilt; und zum Andern von einem besondern „„heiligen Stand““ zu reden.“ Es ist gewiß höchst betrübend, daß auf diese Weise selbst solche köstliche Kleinode der Kirchensprache, wie der Ausdruck „Gnadenmittel“, der Kirche geraubt und dadurch nicht geringe Verwirrungen auch in Absicht auf den rechtgläubigen Begriff angerichtet werden. Judenbekehrung. Am Jahresfest der Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden am 9. Juni d. J. zu Berlin berichtete der Missionsprediger Krüger, daß seit der Begründung der Londoner Judenmissionsgesellschaft, also seit 50 Jahren, 20,000