# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S380 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 380 Die lutherische Kirche im Norden Europa's. bekenntnißtreue Glaubensbewußtsein als gute Wehr und Waffe hinausgekehrt hat, abbrechen und abstumpfen. Wollte unsere Kirche, wie ihre Väter und großen Zeugen, laut bekennen und muthig streiten, so hätte sie gewiß mehr Kreuz, allein auch mehr Sieg; sie würde mit mehr Schmach bedeckt, allein Licht und Recht erfüllte sie, so daß sie je länger je mehr das Salz der Erde bliebe.“ — In Schweden steht der officiellen Staatskirche theils Opposition in ihren eigenen Grenzen gegenüber, theils Separatismus außerhalb derselben. Die Leserei in der Kirche ist nicht eine Secte, sondern eine Richtung, ähnlich unserm deutschen Pietismus. Im Gegensatz zur Handwerksmäßigkeit der officiellen Kirche fordert sie ein lebendiges practisches Christenthum, und im Gegensatz zu den neuern rationalisirenden Lehr⸗ und Ritualbüchern geht sie zurück auf die Schrift und die älteren protestantischen Erbauungsschriften. Von den Lesern innerhalb der Kirche unterscheidet man zwei Richtungen, den Schartauismus und den Evangelicismus. Jener dringt auf die Bekehrung, als welche vorhergehen müsse, ehe man sich der Rechtfertigung getrösten dürfe; dieser betont die fröhliche Gewißheit der Rechtfertigung und kämpft an gegen Pietismus. Der Antinomismus dieser Richtung führt zu Separatismus und weiterhin zum Baptismus. Der Baptismus ist eine nicht geringe Gefahr für die schwedische Kirche, wie er es wohl auch für unsere deutschen noch viel mehr werden wird, als er es jetzt bereits ist. Vergeblich schreitet man von oben aus mit Strafen dagegen ein, während von unten das Volk vielfach unberathen dem gegenüber steht. Denn die Größe der Pfarreien macht Seelsorge unmöglich. Man versichert, es gebe in allen drei skandinavischen Ländern eine große Zahl von Menschen, die ihr Lebtage keine Kirche sehen. — Die Kirche in Norwegen aber steht gegenwärtig im Kampf mit dem Grundtvigianismus, der ihr von Dänemark herüber gekommen ist. Die Betonung der nordischen Nationalität führt zur Verachtung des lutherischen Bekenntnisses, weil es deutsch ist; die Betonung des lebendigen Worts der Kirche zur Geringschätzung der Schrift, als welche sein Sarg sei. Die Lebendigkeit des Worts aber und die Freiheit, die man betont, verkehrt sich in Aeußerlichkeit und Gesetzlichkeit. Denn am Ende reducirt sich jenes lebendige Wort auf das apostolische Symbolum, als welches, vom HErrn selbst in jenen vierzig Tagen gegeben, Summe und Gesetz des Glaubens wird; und die Christlichkeit des Einzelnen darauf, daß man täglich den Glauben spricht. Um solchen Preis gefährdet man die Grundlagen der bestehenden Kirche. — Von Dänemark aus aber verwüstet man unsere Kirche in Schleswig in unerhörter Weise. Man mag über die Erhebung der Herzogthümer und die Betheiligung der Geistlichen urtheilen, was man will, — was jetzt geschieht, ist himmelschreiend. Selbst Grundtvig hat die Ungerechtigkeit des Verfahrens kürzlich anerkannt. Und wahrlich, wenn man sich nichts darum kümmert, daß die Kirchen leer stehen, nur damit die dänische Sprache von den Mauern gehört werde; daß die Gemeinden ohne pastorale Pflege und die Geistlichen unwürdige Menschen seien, nur damit Dänen in den Pfründen sitzen; daß die Kinder