# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 03 23_S79 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 23. März 1847. No. 15. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingeſandt.) „Ich bin ein Lutheraner.“ Ich bin ein Lutheraner, der wahren Kirche Glied, Die unter Chriſti Kreuze zum Himmel ſtreitend zieht. Zwar ſind der Feinde viele verſammelt auf dem Plan, Doch bleib ich unerſchrocken: mein Herzog geht voran. Immanuel, mein König, du ſtarker Siegesheld! Dein Arm hat überwunden Tod, Sünde, Teufel, Welt. Du haſt mit deinem Blute gar theuer mich erkauft, Mit deinem Wort gelehret, mit deinem Geiſt getauft. Ein Reich haſt du geſtiftet, das deinen Namen kennt, Im Glauben feſt gegründet durch Wort und Sacrament: Das iſt die heil'ge Kirche, erbaut auf Felſengrund, Die ſich zu dir bekennet mit Herz und Hand und Mund. Und dieſes Reiches Bürger iſt jeder wahre Chriſt, Der Gottes heil'gem Worte von Herzen gläubig iſt, Mag er auch ſchwer gefangen von falſcher Secte gehn, Mag er im fernſten Lande allein und einſam ſtehn. Das iſt die wahre Kirche, die Luthers Namen trägt, Nicht, weil ſie ihr Vertrauen auf Menſchenworte legt: Von Gott durch Luthers Dienſte vom Greu'l des Pabſt's befreit, Iſt ſie die alte Kirche und bleibt in Ewigkeit. So lang die Sonne wandelt am hohen Himmelszelt, So lang der Mond noch ziehet durchs blaue Sternen⸗-Feld, Ja! wenn die Himmel weichen, und wenn die Welt vergeht; Dann iſt's der einz'ge Pfeiler, die Kirche, die noch ſteht. Sie ruht auf der Propheten und der Apoſtel Wort; Zur Eckſtein ſelbſt iſt Chriſtus; die Gnade iſt ihr Hort: Auf dieſem ew'gen Grunde erhebt ſich Gottes Haus, Drin geht mit ſeinen Gaben der Heiland ein und aus. Die Steine ſind die Chriſten vom heil' gen Geiſt regiert, Sie alle heil'ge Prieſter, mit Freiheit reich geziert: Jeruſalem, Stadt Gottes, du meines JEſu Braut! Du unſer aller Mutter, wie ſelig, wer dich ſchaut! Ja ſelig! wer im Glauben die reine Lehre hat, Deß Herz wird auch im Leiden nicht müde und nicht matt; Nein! wie auf Adlersflügeln, ſo fährt er ſtark empor, Wenn er den Himmelslehren geöffnet Herz und Ohr. Ich danke dir, mein Vater! daß du mich einverleibt Der Kirche deines Sohnes, die ewig, ewig bleibt. O wappne mich mit Glauben, gib mir des Geiſtes Schwert, Reich mir den Helm des Heiles, ſo bin ich wohl bewehrt. Hilf, daß ich dich bekenne vor allen Menſchen frei, Damit auch ſie erfahren, wo deine Kirche ſei; So will ich treulich ſtreiten, HErr Chriſt, für deinen Ruhm, Bis du mich zu dir rufeſt ins ew'ge Heiligthum. H. Fick. Führt das alte Lutherthum nach Rom? (Fortſetzung.) Wir kommen nun zur Beantwortung der Frage: iſt es denn wirklich außer allem Zwei— fel, daß es nach Gottes Wort erlaubt ſei, Bilder zu machen, zu haben und zu gebrau— Es iſt erſtlich ausgemacht, daß uns Chriſten, die wir im Neuen Bunde leben, nicht mehr das bürgerliche und kirchliche Geſetz des jüdiſchen Volkes mit ſeinen Schatten und Vorbildern (Col. 2, 16. 17.), ſondern allein das Moral⸗ oder Sittengeſetz verbindet. Dieſes iſt aber nichts anderes, als das natürliche, allen Men⸗ ſchen von Gott in das Herz geſchriebene Geſetz, die ewige unveränderliche Norm des Willens Gottes. Finden wir daher, daß Gott ſelbſt etwas gethan oder zu thun befohlen hat, ſo kann das nicht unter die in dem Sittengeſetz verbotenen Dinge gehören. Nun hat Gott aber, wie bekannt, oft Bildniſſe theils ſelbſt gemacht, theils zu machen befohlen, theils ge— machte beſtätigt. Nach 2 Moſ. 25, 40. hat Gott ſelbſt eine Abbildung der Stiftshütte ent— worfen und dem Moſe gezeigt. Nach 4 Moſ. 21, 8. hat Gott ferner ſelbſt das Bild einer ehernen Schlange aufzurichten befohlen, und nach 2 Moſ. 35, 30 fl. den Bezaleel und Aha⸗ liab deßwegen mit ſeinem Geiſte erfüllt, daß ſie geſchickt ſeien zu allerlei Werk, künſtlich zu arbeiten in Gold, Silber und Erz, und dergl. Nach 2 Moſ. 25, 18. hat Gott ferner auch die Cherubimbilder zu machen und in dem Aller⸗ heiligſten aufzuſtellen ſelbſt verordnet. Hieher gehören auch die Bilder, welche ſich in dem Salomoniſchen Tempel befanden, Cherubim, Löwen, Rinder, Säulen, Blumenwerk, Gra⸗ natäpfel und dergl. 1 Kön. 6. 7.; denn daß auch dies alles, wenn nicht von Gott verord— net, doch Gott nicht zuwider war, bezeugte er, indem er bei Einweihung dieſes mit allerlei Bildniſſen ausgezierten Tempels denſelben wunderbar mit ſeiner Herrlichkeit erfüllte, 1 Kön. 8, 11. Wer mag nun das für unerlaubt erklären, was Gott ſelbſt gethan und zu thun befohlen, oder doch beſtätigt hat? Das kann unmöglich wider das allen Menſchen in das Herz gegrabene Sittengeſetz ſein; das muß alſo den Chriſten des Neuen Bundes ohne al⸗ len Zweifel frei oder erlaubt ſein. Wir ſchließen aber auch ferner ſo: was Gott ſelbſt ſchon in die Natur gelegt hat, auch das kann unmöglich an ſich Sünde ſein. Was iſt aber die ganze Schöpfung anders, als ein großer Schauplatz, auf welchem zahlloſe Bil— der aufgeſtellt ſind? Wir ſehen in den Spie⸗ gel eines Waſſers oder auf irgend eine glatte Fläche eines Steines, einer Erzmaſſe ꝛc., und überall ſtellt ſich das Bild eines Menſchen und der ganzen ihn umgebenden Welt dar. Der Tempel der Natur, den Gott ſelbſt gebaut hat, hat allenthalben Altäre; jeder Berg und Hügel iſt ja ein Altar; und ſo oft die Sonne auf— und untergeht, ſchmückt ſie das Gewölbe des von Gott ſelbſt gebauten Domes, in welchem alle Kinder Gottes täglich ſich zur Anbetung unter allen Himmelsſtrichen verſammeln, mit Bildern in glühenden Farben. Ja entwirft nicht unſere Vorſtellungskraft unaufhörlich Bilder von allerhand Gegenſtänden in dem Tempel unſeres Herzens? Die Herren Re— formirten müſſen alſo, ſie mögen nun wollen oder nicht, durch die Natur ſelbſt gezwungen, die Bilder in dem von Gott ſelbſt gebauten Tempel und zwar ſelbſt in dem Tempel ihrer Herzen auf gut lutheriſch leiden. Iſt es nun nicht thöricht, es Chriſten zur Sünde machen zu wollen, ja ein Wort darüber zu verlieren, wenn ſie die von ihnen ſelbſt erbauten Verſamm⸗ lungshäuſer auch mit Bildern, die eine gott⸗ ſelige Erinnerung geben können, ausſchmücken? Luther ſchreibt wider die himmliſchen Prophe— ten hierüber u. a. dieſes: „So weiß ich auch gewiß, daß Gott will haben, man ſolle ſein Werk hören und leſen, ſonderlich das Leiden Chriſti; ſoll ichs aber hören und gedenken, ſo iſt mir's unmöglich, daß ich nicht in meinem Herzen Bilder ſollte davon machen. Denn, ich wolle oder wolle nicht, wenn ich Chriſtum (den Gekreuzigten) höre, ſo entwirft ſich in meinem Herzen ein Mannsbild, das am Creuze hängt, gleich als ſich mein Antlitz natürlich wirft ins Waſſer, wenn ich darein ſehe. Iſt's nun nicht Sünde, ſondern gut, daß ich Chri⸗ ſtus Bilde im Herzen habe, warum ſoll's Sünde ſein, wenn ich es in Augen habe? ſintemal das Herzemehr gilt, denn die Augen, als da iſt der rechte Sitz und Wohnung Gottes!“ Außer allem Zweifel wird es endlich geſetzt, daß dann, wenn Gott Bilder, Maalſteine ꝛc. verbot, nicht dieſe Dinge ſelbſt, ſondern nur der abgöttiſche Gebrauch derſelben verpönt war, da wir ſehen, daß dieſelben Gegenſtände von Gott wirklich in dem einen Falle verwor— fen, in dem andern beſtätigt worden ſind. Die Kälber zu Bethel und Dan, die man verehrte, haßte der HErr, die Ausſtellung von Rindern in dem Salomoniſchen Tem⸗ pel, denen man keine Verehrung widmete, be— ſtätigte er. Und als einſt die Stämme Ruben