# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S377 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 377 meingeist in seinen Erweisen (kirchliche Briefe, Synoden, Armenpflege, Collecten, Heidenmission, Kirchenzucht). Der zweite Theil begreift die Archäologie des kirchlichen Cultus, handelt daher 1. von den kirchlichen Orten (Kirchgebäude, Baustyl, Einrichtung, Weihe, Schmuck: Bilder, Kreuzeszeichen, Glocken ꝛc.); 2. von den kirchlichen Zeiten; 3. von den kirchlichen Handlungen (Gesang, Vorlesung, Predigt, Gebet, Taufe, Abendmahl). Ein Anhang handelt noch von der altkirchlichen Sitte bei Ehe und Tod. Auch diese Schrift Herrn Dr. Guericke's zeichnet sich aus durch Reichthum an Stoff bei großer Gedrängtheit, vortreffliche (gerade den Bedürfnissen und Wünschen eines Lutheraners entsprechende) Auswahl, angemessene Anordnung und Uebersichtlichkeit. Die fortlaufend gegebenen wörtlichen Citate aus den Quellen der christlichen Alterthumskunde (apostolische Väter, Justin, Hegesipp, Irenäus, Tertullian, Cyprian, Clemens von Alexandrien, Origenes u. a. Kirchenväter, Concilien⸗Acten und dergleichen) ersetzen eine ganze Bibliothek und geben der archäologischen Einsicht eine feste und gewisse Grundlage. Namentlich hier, wo so großer Mangel an Büchern herrscht, sollte daher jeder lutherische Pfarrer, was die christlichen Antiquitäten betrifft, wenigstens mit dieser alles Nöthigste gebenden Schrift versehen sein. Sie umfaßt circa 350 Seiten in 8. — Einem archäologischen Bedürfniß ist jedoch durch das Guericke'sche Werk nicht entsprochen, dem Bedürfniß einer biblischen Alterthumskunde. Das brauchbarste, zuverlässigste, diese Disciplin neben der kirchlichen Archäologie kürzer behandelnde Werk ist: J. Andreae Quenstedii Antiquitates biblicae et ecclesiasticae. Wittebergae, 1699.“ 4. Der Verfasser ist der berühmte Dogmatiker dieses Namens; Calov's Schwiegervater und Neffe des berühmten Johann Gerhard (ein Sohn der Schwester des letzteren), ebenso aber nach dem Geiste, wie nach dem Fleische mit letzterem verwandt. Er wurde 1617 zu Quedlinburg geboren, studirte unter Calixt und Hornejus in Helmstädt, wo er schon 1643 sich als Magister legens habilitirte, wendete sich aber im Jahre darauf nach Wittenberg, wo er später Professor der Theologie, Probst an der Schloßkirche, Consistorialrath ꝛc. wurde und 1688 selig in dem HErrn entschlief. Alle Nachrichten über Quenstedt stimmen darin überein, daß er ein überaus demüthiger und gottseliger Theolog gewesen ist. Von seiner tiefen theologischen Erkenntniß, gründlichen Gelehrsamkeit, seinem ausgezeichneten Scharfsinn und unermüdlichen Fleiß zeugen seine hinterlassenen Werke. Neben seiner „Theologia didactico-polemica“ *) sind wohl seine *) Es ist dies Werk die weitere Ausführung gehaltener Vorlesungen über die Dogmatik. Ein schwedischer Student, der zu Quenstedt's Zeit in Wittenberg studirte, ließ sich das Manuscript jener Vorlesungen abschreiben und nach seiner Rückkehr in Schweden unter seinem Namen drucken. Dies brachte denn dem jungen „Gelehrten“ nicht geringen Ruhm. Als aber Quenstedt die Vorlesungen einige Jahre später selbst in Druck gab und das Werk auch in Schweden bekannt wurde, wollte niemand glauben, daß Quenstedt mit des Studenten Kalbe gepflügt habe, und so verwandelte sich denn des letzteren, freilich nur mit einigen Thalern Abschreibegebühren erkaufter Ruhm in um so größere Schmach und Schande.