# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S371 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 371 möge, daß wir weder die ersten noch die einzigen sein, die sich unterfangen haben, die göttliche Theologie der Sophisten anzufechten; und daß nicht wir, sondern sie vielmehr selbst die Urheber von Neuerungen in der Kirche Gottes sind, die die Grenzen, welche die Väter gesetzt, verlassen und die Herzen der Einfältigen auf ihre krummen und abwegigen Hügel, wie die Schrift redet, mit Gewalt getrieben haben.. Was aber das Lob Augustini betrifft, will ich davon hier nichts sagen, als dies einige, das ich aus eigener Erfahrung sicher behaupten kann: nächst der heil. Schrift sei kein Lehrer in der Kirche, der ihm an christlicher Gelehrsamkeit zu vergleichen sei. Ich lasse deren andern ihr Lob, daß sie beredt sind, wie Chrysostomus; daß sie sich in weltlichen Wissenschaften wohl umgesehen, wie Hieronymus: aber wenn man alle mit einander zusammen nimmt, so wird man in allen zusammen nicht die Hälfte so viel, als in dem einzigen Augustino finden. Derowegen wenn du kannst und Zeit hast, so erwähle dir nächst der heil. Schrift diesen Augustinum zum Lehrmeister, absonderlich wo er wider die Pelagianer, Donatisten und Manichäer streitet. Denn das ist ein Mann, der gründliche Gelehrsamkeit in Christo hat. Er hat zwar auch einige Bücher mit unter, die er im Anfange seines Amts geschrieben hat; aber die, halte ich, sollst du lesen, wenn du übrige und müssige Stunden hast, dergleichen ich ehemals nicht wenige über dem Hieronymo, Chrysostomo und dergleichen verderbt habe. Willst du mir, der ich's erfahren habe, nicht glauben, so kannst du meinethalben es selbst versuchen. Aber es wird dich auch nachmals, wie mich, gereuen.“ (Opp. Hal. Tom. XIV, S. 209. 210.) Aus welcher seiner Schriften Augustinus vor allen anderen kennen gelernt werden könne, darüber kann kein Zweifel sein. Es sind dies seine bekannten „Bekenntnisse“. Augustinus bekennt darin nicht nur seine Schuld, sondern zugleich den Reichthum der Gnade, die Gott an ihn gewendet, und wie dieselbe ihn endlich herumgeholt habe. Das ganze Buch ist Ein Psalm, ein tiefste Zerknirschung athmender Buß⸗ und glühender Lobpsalm. Haben wir je eine menschliche Schrift gelesen, an welcher wir gelernt haben, was Salbung ist, so ist es diese. Sie lesen, und von ihr nicht entzündet werden, sich vor Gott in den Staub zu werfen als ein armes sündhaftes Gemächte und zugleich Gott zu preisen als die ewige Liebe, scheint unmöglich zu sein. Vielleicht dürfte es Manchem interessant sein und ihn locken, die Schrift sich anzuschaffen und zu lesen, wenn wir hier den lebensgeschichtlichen Kern mittheilen, an welchen sich Augustinus' heilige Betrachtungen in den zehn ersten Büchern seiner „Bekenntnisse“ anknüpfen. Einen solchen Kern gibt Georg Rapp, Pfarrer zu Oberurbach im Würtembergischen, in dem einleitenden Vorwort, welches derselbe den von ihm übersetzten „Bekenntnissen“ vorausgehen läßt. Darin heißt es, wie folgt: „Aurelius Augustinus wurde am 13. November 354 geboren in Tagastä, in der nordafrikanischen Provinz Konstantine. Sein Vater, Patricius, ein Bürger dieser Stadt, gutmüthig, aber ausschweifend und jähzornig, zudem ein