# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 03 09_S78 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „Nicht daß ich die Bilder verthei⸗ digen wolle, oder die urtheilen, ſo ſie zer⸗ brechen, ſonderlich die, die Gottes und anbe⸗ tiſche Bilder brechen. Denn die Gedenk⸗ bilder und Zeugenbilder, wie die Crucifixe und Heiligenbilder ſind, iſt droben auch aus Moſe bewährt, daß ſie wohl zu dulden ſind, auch im Geſetz, und nicht allein zu dulden, ſondern, weil das Gedächtniß und Zeugen dran währet, auch löblich und ehrlich ſind, wie der Maalſtein, Joſua 24, 27. und 1 Sam. 7, 12.“ Ein anderes wichtiges Zeugniß von dieſem Gegenſtand findet ſich in der Kirchen⸗ poſtille. In der Predigt am Tage „von der Erfindung des Kreuzes Chriſti,“ ſchreibt Luther: „Derhalben, wo ſolch Mißbrauch und Irrthum geſchieht, in Anbetung der Bilder und Kreuze, ſollte man die Kreuze oder Bilder abreißen und wegthun, auch die Kirchen daſelbſt einreißen. Wiewohl ich die Bilder nicht gänz— lich verwerfe und ſonderlich die Figur des gekreuzigten Chriſti. Denn wir haben deß eine Figur im alten Teſtament, von der ehernen Schlange, durch Moſen in der Wüſte aufgerichtet, wie ihr im Evangelio habt gehöret, auf daß alle, ſo von den feurigen Schlangen gebiſſen waren, wo ſie dieſe eherne Schlange anſchauten, ſollten durch dieſes An⸗ ſehen geſund werden. Das ſollten wir auch thun, auf daß wir geſund würden in unſern Seelen, ſollten den gekreuzigten Chriſtum in ſolchem Bilde auch anſehen, und an ihn glauben.“ Hieraus erſieht der geneigte Leſer, daß auch die lutheriſche Kirche wenig auf Bilder gibt und daß ſie dergleichen äußerliche Dinge kei— neswegs werth achtet, daß man darüber einen Streit errege, daß ſie allein die Freiheit, dieſel⸗ ben zu gebraͤuchen, behauptet und ſie daher freilich auch nicht verſchmäht, wenn ſie entwe— der zu einer gottſeligen Erinnerung, oder zu einem würdigen äußerlichen Schmucke des öf— fentlichen Gottesdienſtes dienen können. ö Da man es aber von Seiten der Reformir⸗ ten den Lutheranern oft hat zur Sünde machen wollen, wenn ſie in ihren Kirchen Bilder, Altäre, Crucifixe und dergl. geduldet haben, da man dieſes ſogar papiſtiſch, ja abgöttiſch geſcholten hat, wie dieſes z. B. der Heidelber— ger Katechismus thut, (ſiehe Lutheraner No. 5 dieſes Jahrg.), ſo hat nun der Gebrauch oder Nichtgebrauch der Bilder eine Bedeutung be— kommen, die derſelbe an ſich gar nicht hat. Indem nämlich den lutheriſchen Chriſten aus den Bildern ein Gewiſſensſtrick gemacht werden ſoll, ſo handelt es ſich nun zwiſchen ihnen und den Reformirten nicht mehr um die armſeligen, gleichgültigen Bilder, ſondern um den hoͤhen Artikel von der chriſtlichen Freiheit, um das rechte Verſtändniß des göttlichen Geſetzes, um den Unterſchied des Alten u. Neuen Bundes und darum, ob ein Chriſt ſich etwas zur Sünde machen laſſen dürfe, was Gott nicht verboten hat. Wider Willen hat ſich daher die lutheriſche Kirche in einen Streit ziehen laſſen müſſen, bei welchem es ſich in der Wahrheit um die wichtigſten Artikel des Glaubens, jedoch dem Auſcheine nach nur um ſolche Dinge han⸗ 78 delt, die unſere Kirche ohne Widerrede augen— blicklich fahren laſſen ſollte, wenn ſie nicht eine Hinneigung zu Rom verrathen wolle. Wie wichtig dieſer Streit geworden ſei, bezeugt Luther in der angezogenen Schrift wider die himmliſchen Propheten mit folgenden Worten: „Das ſei nach der Strenge des Geſetzes Moſis geſagt von den Bildern, nicht der Meinung, daß ich die Bilder vertheidigen wolle, wie ge— nugſam geſagt, ſondern, daß den mördiſchen Geiſtern nicht zu geſtatten iſt, daß ſie Sünde und Gewiſſen machen, da keines iſt, und Seelen morden ohne Noth. Denn wiewohl Bilderei ein äußerlich geriuge Ding iſt, wenn man aber doch die Gewiſſen dadurch, als durch Gottes Geſetz, will mit Sünden beladen, ſo wirds das allerhöchſte. Denn es ver⸗ derbet den Glauben, ſchändet Chriſti Blut, verdammt das Evangelium, und macht alles zu nichte, das uns Chriſtus erworben hat; daß alſo dieſer Carlſtadtiſche Greuel nichts gerin— ger iſt, Chriſtus Reich und gut Gewiſſen zu zer⸗ ſtören, denn das Pabſtthum geweſen iſt mit ſei⸗ nem Speiſe⸗ und Ehe⸗verbieten und was mehr ſonſt ohne Sünde und frei war. Denn Eſſen und Trinken iſt auch ein gering äußerlich Ding; doch mordet es die Seele, wenn man mit Geſetzen die Gewiſſen darinnen verſtricket.“ Wer dieſes recht überlegt, wird ſich nicht wundern, wenn treue Diener der lutheriſchen Kirche noch jetzt mit ihren Gemeinden überein— kommen, ihre Kirchen mit Bildern, mit einem Crucifix, einem Altar u. dergl. zu ſchmücken. Sie thun dies erſtlich, damit auch auf dieſe Weiſe Gottes Wort gepredigt und die Stätte, wo ſich die Gemeinde der Gläubigen verſam⸗— melt, ſo geziert werde, daß ſchon das Aeußere zur Andacht einlade; aber ſie thun dies auch, und zwar hauptſächlich darum, damit fort und fort von der lutheriſchen Kirche ein öffentliches Zeugniß für die Freiheit der Chriſten in allen von Gott unverbotenen Dingen abgelegt werde. Es entſteht jedoch nun die Frage: gehört der Gebrauch der Bilder, Crucifixe, Altäre ꝛc. wirklich zu den Stücken der chriſtlichen Freiheit? Die Reformirten leugnen dies und ſie haben ſich hierbei von jeher auf 2 Moſ. 20, 4. 5. be⸗ rufen, wo es mitten in der Aufzählung der heil. zehn Gebote alſo heißt: „Du ſollſt dir kein Bildniß noch irgend ein Gleichniß machen, weder deß, das oben im Himmel, noch deß, das unten auf Erden, oder deß, das im Waſſer unter der Erde iſt. Bete ſie nicht an und diene ihnen nicht.“ Um dieſe Worte recht hervorzu⸗ heben, haben ſogar die Reformirten dieſelben für ein beſonderes, nehmlich für das zweite Gebot erklärt, (daher die Reformirten in der erſten Tafel vier Gebote und in der zweiten Tafel ſechs Gebote zählen; ſie ziehen nehm⸗ lich das neunte und zehnte Gebot von dem Ge— lüſten oder Begehren in Ein Gebot zuſammen.) Die Reformirten ſagen: iſt es hier nicht ganz offenbar verboten, Bildniſſe zu machen? Wir antworten: Ja! aber was für ein Bil⸗ dermachen verboten ſei, iſt auch angegeben in dem Zuſatz: „Bete ſie nicht an und diene ihnen nicht.“ Daß dieſe Worte zu dem Worte „ma⸗ chen“ gezogen und daſſelbe beſchränken ſollen, ſehen wir aus dem 23. Vers deſſelben Kapitels, in welchem der HErr ſpricht: „Darum ſollt ihr nichts neben mir machen, ſilberne oder goldene Götter ſollt ihr nicht machen.“ Dieſe Worte zeigen klar und deutlich, erſtlich, daß V. 4. und 5. nicht ein beſonderes zweites Gebot, ſondern eine Ausführung des erſten Gebotes, und zweitens, daß Gott allein das Machen der Bilder ꝛc. zur Anbetung der Götzenbilder im 4. und 5. Verſe verbiete. Dies ergibt ſich alles ſo ungezwungen, ſo na— türlich, daß es unbegreiflich erſcheint, wie man von Seiten der Reformirten je einen Zweifel dagegen habe erheben können. Die Reformirten wenden jedoch ein: Jene Worte: „Bete ſie nicht an, und diene ihnen nicht,‚“ ſtünden ja ganz für fich; es heiße ja nicht: „Du ſollſt dir kein Bild machen, daß du es anbeteſt“ ꝛe. Auch dieſer Einwand zer⸗ fließt aber in nichts, wenn wir vergleichen 3 Moſ. 26, 1. Da ſpricht der HErr: „Ihr ſollt euch keinen Götzen machen, noch Bild, und ſollt euch keine Säule aufrichten, noch kei⸗ nen Maalſtein ſetzen in eurem Lande, daß ihr davor anbetet; denn ich bin der HErr, euer Gott.“ Hier haben wir Gottes eigne, alſo eine unwiderſprechlich ſichere Auslegung jenes Zuſatzes zu dem erſten Gebote (in 2 Moſ. 20, 4. 5.) Dieſe göttliche Auslegung ſagt uns aber, daß das Bildermachen und zhaben nur dann verboten ſei, wenn es geſchehe, „daß man davor anbete.“ Hierzu kommt nun noch, daß 3 Moſ. 26, 1. auch das Aufrichten von Säulen und das Setzen von Maal⸗ ſteinen verboͤten wird, woraus deutlich er⸗ hellt, daß das bloße Machen aller dieſer Dinge nicht verboten ſein könne, ſondern das Machen zur Anbetung, denn wer wird leugnen, daß es erlaubt ſei, Säulen aufzurichten und Maalſteine zu ſetzen? Noch mehr fällt dies in die Augen in folgender Stelle 5 Moſ. 4, 15 — 19. In dieſer Stelle ſetzt Gott neben das verbotene Machen von Bildern auch „das Aufheben der Augen gen Himmel nach Sonne, Mond, Sternen und dem ganzen Heere des Himmels.“ Würde es nun nicht lächerlich ſein, zu behaup— ten, es ſei hiernach Sünde, den Himmel und ſeine Sternbilder anzuſchauen? Gewiß; jeder ſieht ein, daß hier nur ein ſolches Anſchauen verboten ſein könne, welches mit einer Vereh— rung dieſer Creaturen begleitet iſt, wie es denn auch am Schluſſe dieſer Stelle heißt: „und falleſt ab, und beteſt ſie an, und dieneſt ihnen.“ Iſt nun aber in dieſer Stelle nur ein ſolches abgöttiſches Anſchauen des Himmels und ſeiner Sternbilder verboten, ſo trifft das Ver⸗ bot auch allein das abgöttiſche Machen der Bilder auf Erden. Es iſt ſonach klar, daß in den heil. zehn Geboten das bloße Machen und Gebrauchen der Bilder nicht verboten ſei; daß es erlaubt ſei, iſt aus andern Stellen der Schrift und aus der Natur der Sache ſelbſt klar. Darüber in der nächſten Nummer, ſo Gott will. (Fortſetzung folgt.) Bezahlt. 1. Jahrg. Or. Fetting. 2. „ derſelbe. 2. Hälfte des 2. Jahrg. Paſt. Biewend. „ „ 3. „ die Herren Paſt. Biewend, J. G. Schneider, Wildermuth und Magd. Schütt. 2. Hälfte des 3. Jahrg. die Herren Paſt. Detzer (2 Ex.), Nik. Koch, M. Merz, H. Pankow, Paſt. Saupert (8 Ex.), Math. Schmidt, J. A. Wolter, J. u. C. Win⸗ gert, G. Willner und Mar. Köſtner. 3. Jahrg. die Herren P. H. Anſchütz, G. Albach, G. Damm. J. Doberer, J. und H. Helferich, Ger. Hö⸗ ckendorf, Pet. Kettenring, Paſt. Saupert, J. Senft, G. Stüber, H. Triebert, H. Weber. 1. Hälfte des 4. Jahrg. die Herren Paſt. Detzer (2 Ex.), Nik. Koch, M. Merz, H. Pankow, J. u. C. Wingert.